Kinderporno-Razzia: Mit Spürnasen auf der Suche nach Beweisen

Mit Datenträgerspürhunden sind Ermittler von LKA und Zentralstelle Cybercrime in Bamberg gegen Kinderpornografie vorgegangen. Besuch bekamen zehn Männer aus Niederbayern und der Oberpfalz – darunter in Regensburg, Passau, Weiden und Landshut. Auch hier kamen die Schnüffelnasen zum Einsatz.
Bei der „Operation Weckruf 2023“ standen 55 Beschuldigte im Fokus. Die mutmaßlichen Täter sind zwischen 20 und 79 Jahre alt, wie Innenministerium und Generalstaatsanwaltschaft mitteilten. Es seien Wohnungen und Objekte in ganz Bayern durchsucht und mehr als 2700 IT-Geräten und Speichermedien sichergestellt worden.
Schlagzeilen machte auch dieser Fall hier: Ex-Anwalt aus Regensburg verwaltete Kinderporno-Chat
Laut Landeskriminalamt (LKA) wurden 96 PCs und Laptops, 118 Smartphones und Tablets, 101 Festplatten sowie rund 2400 sonstige Speichermedien beschlagnahmt. An der Razzia waren rund 270 Polizeikräfte beteiligt. Koordiniert wurde die Aktion vom LKA und vom Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch im Internet. Dieses ist bei der Zentralstelle Cybercrime Bayern der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg angesiedelt.
Jeder einzelne der mutmaßlichen Täter soll Kinderpornografie besessen, erworben oder verbreitet haben. Einen kommerziellen Hintergrund, wie in manch anderen Fällen, sahen die Ermittler diesmal nicht, wie Oberstaatsanwalt Thomas Goger auf Nachfrage bestätigte. Er ist Leiter der Zentralstelle Cybercrime Bayern, kurz ZCB.
Kampf gegen Kinderpornografie soll verstärkt werden
Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach bei einer Pressekonferenz am Mittwoch von einem empfindlichen Schlag gegen die Täter. „In vielen Fällen ist den zumeist virtuellen Inhalten ein ganz realer schwerer Missbrauch von Kindern vorangegangen“, sagte er. „Polizei und Justiz werden deshalb den Kampf gegen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch verstärkt fortsetzen.“
Erst im Februar endete ein Prozess mit erschreckenden Parallelen zum Missbrauchskomplex in Münster: Rodinger Missbrauchs-Prozess – Viereinhalb Jahre Haft für 35-Jährigen
In der Oberpfalz waren es laut Auskunft des Polizeipräsidiums vier Objekte, die durchsucht wurden. Neben Adressen im Stadtgebiet von Regensburg und in Weiden rückten die Ermittler auch in den Landkreisen Amberg-Sulzbach sowie Neustadt an der Waldnaab an. Ob und was sie dabei sicherstellen konnten, ließ eine Sprecherin offen.
Datenspürhund war auch in Landshut im Einsatz
Sechs weitere Tatverdächtige stammten aus Niederbayern: Ein Mann lebt im Landkreis Passau, zwei weitere haben ihren Wohnsitz im Landkreis Rottal-Inn und drei im Landkreis Landshut. „Hier kam auch ein Datenspürhund zum Einsatz“, bestätigte Niederbayerns Polizeisprecher Günther Tomaschko auf Nachfrage.
Bei der Kinderporno-Razzia waren auch „Chip“ und „Dimi“ im Einsatz. Der Working Cocker und der Schäferhund können versteckte Handys oder USB-Sticks erschnüffeln. Ausgebildet werden die Tiere seit Februar 2021 in einem Pilotprojekt von der Polizei selbst. Die Datenträgerspürhunde rückten in den letzten eineinhalb Jahren 138 Mal aus – oftmals mit Erfolg: 65 Beweismittel konnten sie finden.
Fallzahlen von Kinderpornografie steigen massiv
Fälle von Kinderpornografie nehmen laut Innenministerium stark zu: 2022 verzeichnete die Polizei einen Anstieg um rund 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aktenkundig wurden demnach 6460 Fälle, was Herrmann erschreckend nannte. „Wir müssen deshalb alles unternehmen, um Kinderpornografie und den dahinterstehenden Kindesmissbrauch zu bekämpfen.“
Der bayerische Innenminister erneuerte seine Kritik an der fehlenden Datenspeicherung – Strafverfolger könnten deshalb Hinweise auf Kindesmissbrauch nicht weiter verfolgen. Nach dem jüngsten Urteil des EuGH wäre aber die Bundesregierung gefordert, die gesetzlichen Regelungen zu schaffen, so Herrmann.
Mit Material von dpa

