Prozess: Wehrte sich ein Regensburger (23) mit Schlägen gegen ein veganes Leben?

Von André Baumgarten · 27. Juni 2023 um 17:00

Junger Mann gesteht Übergriffe auf eine 52-Jährige – und löst im Prozess am Landgericht die Verlobung mit ihr auf. Zwischen den beiden kam es wohl häufiger zum Streit: Offenbar wollte die Ex ihn zwingen, Veganer zu werden.

Nach mehreren Angriffen gegen seine Verlobte will ein 23-Jähriger „klar Schiff in seinem Leben machen“. Das betonte der Angeklagte im Geständnis mehrfach und erklärte die Verlobung mit einer 52-Jährigen für beendet. Als Zeugin erfuhr die von Richter Thomas Zenger von ihrem neuen Beziehungsstatus – und sah sofort eine Intrige. Jemand müsse den jungen Mann dazu genötigt haben, war sie sich sicher.

Die Vorfälle hat die Staatsanwaltschaft in drei Anklagen zusammengefasst: Im Haus einer Freundin des Paares soll es im Juni 2021 Gewalt und Drohungen gegeben haben. Dabei soll auch ein TV zerschlagen worden sein. Wenige Wochen später sollen im Norden Regensburgs die Fäuste geflogen sein. Laut Anklage schlug der Mann diesmal eine 56-Jährige, die ihm und seiner einst Verlobten Obdach gewährt hatte. Dann soll er beide Frauen stundenlang im Schlafzimmer eingesperrt haben.

Auch in der neuen Wohnung gab es Stress

Nach dem Umzug in eine gemeinsame Wohnung nach Zell (Lkr. Cham) soll der 23-Jährige die damalige Verlobte geschlagen, sie zu einem Gasthaus verfolgt und ihr dort mit den Fäusten sogar die Augenhöhle gebrochen haben. All das räumte der Angeklagte über seinen Anwalt direkt zu Prozessbeginn am Dienstag auch ein.

Auslöser wäre laut Strafverteidiger Maximilian Keser die „toxische Beziehung der beiden“ gewesen. Die Geschädigte habe ihn immer wieder provoziert und seine Familie beleidigt, ergänzte der junge Mann. Obwohl seine Ex ihn habe zwingen wollen, Veganer zu werden und selbst die Tiere vegan fütterte, habe er sich nicht getrennt. „Ich wollte, aber ich konnte es nicht.“

Das hat sich nunmehr geändert: Dass er „nichts mehr zu tun haben will“ mit der 52-Jährigen, musste die Frau vor ihrer Zeugenaussage erfahren. Trotz seiner „Ausflipperer“ stehe sie weiter zu ihm. Nur bei der Ernährung kenne sie „keine Kompromisse“. Weil er wohl heimlich Fleisch aß, sei es zu Streit und Vorwürfen gekommen. Zu Ausbrüchen wäre es aber häufiger gekommen.

Das bestätigte auch die Bekannte, die selbst Opfer wurde: „Er hat eine kurze Zündschnur“, sagte sie. Mit Bevormundungen habe die Ex-Verlobte, die sich Lebensberaterin und Reinkarnationsspezialistin nannte, ihn provoziert und „ständig gepiesackt“.

Schickt das Gericht den Mann in die Psychiatrie?

Doch der 23-Jährige brauche Hilfe, da „er sich nicht im Griff hat“, so die Zeugin. Das sieht wohl die psychiatrische Sachverständige auch so – Gutachterin Christina Schreyer bejahte in ihrer vorläufigen Einschätzung eine Unterbringung des jungen Mannes in der Psychiatrie.

Darüber muss die fünfte Strafkammer des Landgerichts am Donnerstag entscheiden. Dann soll das Urteil in dieser Sache fallen.