Mordversuch in Burgweinting: Rettete eine Helferin dem jungen Opfer das Leben?

Von André Baumgarten · 13. Dezember 2023 um 19:14

Mitarbeiter einer Tankstelle in Regensburg helfen 23-Jähriger, als die blutüberströmt im Shop steht. Im Prozess um die Bluttat von Burgweinting kamen sie zu Wort. Angeklagt ist ein 18-Jähriger, der die junge Frau vergewaltigt und dann fast getötet haben soll.

„Es war alles voller Blut, bei jedem Wort ist das rausgesprudelt.“ Im Prozess zur Bluttat von Burgweinting hat eine Ersthelferin gestern die dramatischen Minuten geschildert, als Ende April eine 23-Jährige in der Tankstelle um Hilfe bat. Für das, was der jungen Frau zuvor zugestoßen sein soll, sitzt nun ein 18-Jähriger in Regensburg auf der Anklagebank – ihm wird Mordversuch sowie besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen. Der junge Mann, der weniger als 24 Stunden nach der Tat vom SEK verhaftet wurde, schweigt weiter.

Opfer gefesselt, geknebelt und fast getötet

Nach Überzeugung der Ermittler bestellte der Angeklagte das Opfer am 22. April für ein Drogengeschäft zum späteren Tatort. Messer, Klebeband und Kabelbinder soll er dabei gehabt und die 23-Jährige unvermittelt attackiert haben. Laut Anklage soll er die junge Frau geknebelt und gefesselt haben, bevor er sich an ihr verging. Danach trafen das Opfer mindestens zwei heftige Messerstiche in den Hals; einmal wurde quer über die Kehle geschnitten.

Abgelassen haben soll der 18-Jährige von der jungen Frau, weil sie sich tot stellte. Ihr gelang es, sich in eine nahe Tankstelle zu retten. Dort ließen die Angestellten „alles liegen und stehen“, als die 23-Jährige blutüberströmt, nur mit Slip und Stiefeln bekleidet, an der Kasse vor ihnen stand. So schilderte es eine 58-Jährige gestern vor Gericht.

Und diese Zeugin hat der jungen Frau an jenem Abend womöglich das Leben gerettet: In einem Nebenraum drückte sie geistesgegenwärtig mit Handtuchpapier die stark blutenden Wunden ab. „Das war schlimm“, sagte eine 64-Jährige über ihren letzten Arbeitstag. Die Frau, die dem Opfer zwei Tischdecken brachte, damit es sich damit bedecken konnte, ging am Tag darauf in Rente. Richtig vergessen kann sie die Ereignisse vom 22. April jedoch bis heute nicht.

Trotz schwerster Verletzungen habe die 23-Jährige noch in jener Nacht der Polizei berichtet: Dass sie Gras kaufen wollte und wisse „wo der wohnt“, seinen Namen aber nicht kenne. Und, dass sie vergewaltigt worden sei. Mit drei Fingern habe sie angedeutet, wie oft er zugestochen habe. Dass der Angreifer auch der Drogendealer sei, habe sie nicht explizit erwähnt, wie die Zeuginnen auf Nachfrage der Verteidiger angaben.

Worauf die Verteidiger Helmut Mörtl und Julian Wunderlich abzielen, wurde am zweiten Tag deutlicher: Sollte der 18-Jährige im Drogenwahn gehandelt haben, wäre statt der Anklage eine Antragsschrift das Thema vor Gericht. Dann ginge es um eine Unterbringung in der Psychiatrie, statt um Haft.

Zu dem Opfer soll der Angeklagte an jenem Abend gesagt haben, die Bluttat sei „sein Auftrag“. Mörtl gab sich überzeugt: „Die Würfel fallen höchstwahrscheinlich mit dem psychiatrischen Sachverständigengutachten.“ Dass noch nicht einmal die Vorab-Version vorliege, kritisierten die Anwälte erneut. So sei das Ganze für die Verteidigung eigentlich ein „Blindflug“.

Gericht lehnt Antrag der Verteidiger ab

Den förmlichen Antrag auf Prozessunterbrechung lehnte die siebte Strafkammer gestern dennoch ab. Sollten die Zeugen relevante Aspekte über den Täter aussagen, werde der Gutachter informiert – „wenn nötig, holen wir die Zeugen noch einmal“, so Vorsitzender Richter Gerald Siegl. Bis zum dritten Verhandlungstag am Freitag (15.12.) will er klären, ob der Sachverständige wieder gesund ist und teilnimmt. Dann sollen mehrere Bekannte zu Wort kommen, mit denen der 18-Jährige die weitere Nacht verbrachte.

Das Landgericht hatte 20 Prozesstage eingeplant. Ein Urteil könnte demnach im März fallen.