Prozessauftakt: Lockte 18-Jähriger sein Opfer in den Wald, um es zu vergewaltigen und zu töten?

Schwere Vorwürfe, großes Schweigen und Tränen: In Regensburg hat der Prozess um die Bluttat von Burgweinting (Stadt Regensburg) begonnen. Dem Angeklagten wird versuchter Mord und besonders schwere Vergewaltigung vorgeworfen.
Statt der Drogen, die eine junge Frau kaufen wollte, soll ein 18-Jähriger im April Kabelbinder, Messer und Klebeband dabei gehabt haben. Nun steht der Regensburger wegen versuchten Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung vor Gericht. Zu den Details jenes Abends schwieg der Angeklagte beim Prozessauftakt am Freitag und wirkte fast gelöst – erst später flossen dann auf dem Flur des Regensburger Landgerichts jedoch reichlich Tränen.
Als der 18-Jährige mit Fußfesseln aus dem Fahrstuhl tritt, dreht er angesichts der auf sich gerichteten Kameras sofort ab. Mit Kapuze und Unterlagen vorm Gesicht führen ihn Polizisten in Sitzungssaal 101. Im Gespräch mit Strafverteidiger Helmut Mörtl wirkt der junge Regensburger mehr erwartungsvoll als angespannt. Erst als die Kameras aus sind, schweift sein Blick zu den Zuschauerreihen: Dabei huscht ihm kurz ein Lächeln übers Gesicht.
Als Staatsanwalt Hans-Christopher Theißen die Anklage verliest, ist davon nichts mehr zu sehen. Die Vorwürfe gegen den jungen Mann wiegen schwer: Am 22. April soll der Regensburger eine 23-Jährige, die wohl regelmäßig Cannabis von ihm kaufte, in ein kleineres Waldstück unweit des Hauptzollamtes gelockt haben.
Lag Opfer gefesselt am Boden, als er zustach?
Aus dem Nichts soll er sie dort attackiert, gefesselt und geknebelt haben, eher er sie ins Gebüsch zog und brutal über sie herfiel. Danach soll er dem Opfer laut Anklage zweimal ein Messer in den Hals gerammt und ihr einmal quer über die Kehle geschnitten haben, ehe er ihr einen Stein auf den Kopf geschlagen oder geworfen haben soll.
Überlebt hatte die 23-Jährige laut Ermittlern, weil sie sich tot stellte. Als der Angreifer weg war, schleppt sich die junge Frau zu einer nahen Tankstelle. Während Theißen all die blutigen Details vortrug, schüttelte der 18-Jährige immer wieder den Kopf. Ob er sein Schweigen womöglich doch noch bricht, ließ Anwalt Mörtl offen. Vorerst fehle jedoch das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten.
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Bei dem Sachverständigen soll der 18-Jährige nämlich geredet haben – vielleicht auch dazu, was bei der Bluttat „sein Auftrag“ war, wie er einst zum Opfer gesagt haben soll. Fest steht: Der Regensburger hatte zum Treffen mit der 23-Jährigen das Messer, Klebeband und weiße Kabelbinder mitgenommen.
Die Regensburger Staatsanwaltschaft geht daher davon aus, dass er die junge Frau töten wollte. Heimtücke und Verdecken einer Straftat sind die Mordmerkmale in der fünfseitigen Anklageschrift. Die siebte Strafkammer gab schon vor Prozessbeginn bekannt, das auch niedrige Beweggründe infrage kämen.
Tränen, Küsse und Umarmungen im Gericht
Das alles wird in den noch bevorstehenden 19 Prozesstagen geklärt werden müssen. Tag eins dagegen endete schon nach gut 25 Minuten. Dann lagen sich der Angeklagte aus Burgweinting und seine Angehörigen mit Erlaubnis des Gerichts minutenlang in Armen. Und dabei zeigte auch der 18-Jährige das erste Mal Emotionen – ehe er mit Tränen in den Augen wieder im Aufzug verschwand.
