Vergewaltigung im Donaupark – Googelte der Angeklagte (34) nach den Taten?

Von André Baumgarten · 29. September 2023 um 19:00

Der Prozess in Regensburg bringt neue Details ans Licht: Opfer erkannten den 34-Jährigen auf Wahllichtbildern wieder. Seine DNA an zwei Tatorten belastet den Mann schwer. Er bestreitet aber vehement, der Täter zu sein.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger vom Donaupark haben Ermittler einige Details ihrer Arbeit offenbart: Der 34-Jährige googelte wohl mehrfach nach Berichten zu den Taten. Mehrere Opfer erkannten den Mann, der zuletzt in Thüringen lebte und Anfang Januar nach einem DNA-Treffer verhaftet wurde, auf Lichtbildern wieder. Am Freitag waren auch die Nachermittlungen zu den Alibis ein Thema am Landgericht. Der Chef des Regensburger Lokals, in dem der 34-Jährige zur Tatzeit als Spüler gearbeitet haben will, soll dazu als neuer Zeuge vor Gericht aussagen.

Laut Anklage soll der Mann ab Ende Oktober 2020 über Tage hinweg Jagd auf Frauen gemacht haben. Mehrfach sprach er junge Frauen an und bedrohte und bedrängte sie. Am 2. November soll er im Donaupark schließlich eine damals 27-Jährige vergewaltigt haben. Dabei hinterließ der Täter Spermaspuren. Geht es nach der Staatsanwaltschaft in Regensburg, soll der Mann in Sicherungsverwahrung.

Trotz DNA-Spuren bestreitet der Angeklagte alles

Wie nun bekannt wurde, hatte die Kripo nach der Serie von Angriffen im Westen der Stadt demselben Täter eine weitere Tat zugeordnet: Im Mai 2019 war eine 17-Jährige am Prüfeninger Bahnhof das Opfer einer versuchten Vergewaltigung geworden. In Tatortnähe fanden Ermittler ein Messer mit DNA. Beide Spuren führten zum Angeklagten − der trotz seines genetischen Fingerabdrucks an zwei Tatorten alles bestreitet.

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Der 2013 aus Madagaskar eingewanderte Mann gab an, im Herbst 2020 Urlaub gehabt, die Wohnung jedoch nie verlassen zu haben. Die Lebensgefährtin bestätigte das in ihrer Aussage am Landgericht nicht.Sie gab in ihrer Aussage vielmehr an, der Angeklagte wäre abends und auch nachts öfter länger draußen gewesen. Ihr gegenüber habe er die Taten aber ebenfalls immer bestritten. Die Opfer mussten alle aussagen.

Früherer Chef muss wegen des Alibis in den Zeugenstand

Auch das Alibi für den Übergriff in Prüfening konnte vorerst nicht bestätigt werden: Ob er gearbeitet hat, lässt sich nicht gesichert sagen. Auf dem Stundenzettel jenes Tages sind laut einer Ermittlerin handschriftlich „21.30-21.30Uhr“ sowie zwei Stunden als Dauer vermerkt. Laut dem Chef habe der 34-Jährige aber gehen können, wenn die Arbeit erledigt war. Die Tat am 600 Meter entfernten Prüfeninger Bahnhof passierte gegen 23.17 Uhr.

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Wie am Freitag erstmals bekannt wurde, gab es unmittelbar nach der Serie von Übergriffen im Herbst 2020 eine Verhaftung – ein einschlägig vorbestrafter Mann war in den Fokus der Polizei geraten und sogar in U-Haft. Ein negativer DNA-Abgleich entlastete ihn aber. So erging es den Ermittlern mit vielen Männern, die zeitweise in den Fokus gerieten.

Erst der zweite große Reihentest ab Mai 2022 brachte den Durchbruch – mehr als zwei Jahre und zwei Monate nach der Vergewaltigung im Donaupark. Am 5. Januar meldete das LKA einen Treffer. Bestätigt wurde das Ergebnis dann durch ein zweites Labor in Erlangen.

Google-Suchen nach „Vergewaltigung Regensburg“

Verhaftet worden war der 34-Jährige an seinem Arbeitsplatz in Arnstadt in Thüringen, wo der Vater von zwei Kindern lebte. Auf sichergestellten Laptops und Handys fanden IT-Forensiker Google-Recherchen nach „Vergewaltigung Regensburg“ sowie „Donaupark“. Auch dazu schweigt der Angeklagte aber. Der Prozess wird fortgesetzt.

Im Prozess am Landgerichgt in Regensburg wird der Mann von Strafverteidigerin Susan Rechenbach-Auerswald vertreten. Foto: Baumgarten