Vergewaltigungsprozess: Opfer leiden nach Übergriffen in Regensburg bis heute

Von André Baumgarten · 4. September 2023 um 19:27

„Ich konnte nicht mehr allein rausgehen“ – Übergriffe eines mutmaßlichen Serienvergewaltigers in Regensburg haben die Geschädigten teils schwer traumatisiert. Vorm Landgericht steht ein 34-Jähriger, der sämtliche Vorwürfe bestreitet.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger vom Donaupark haben gestern vier der mutmaßlichen Opfer ausgesagt. Sie schilderten ihre traumatischen Erlebnisse von Mai 2019 und Herbst 2020 vor Gericht teils von Tränen geschüttelt – die jungen Frauen leiden größtenteils bis heute massiv unter den Übergriffen. Die jüngste von ihnen, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt, musste an ihrem Geburtstag aussagen. In die Augen schauen musste sie dem Angeklagten dabei nicht. Er verfolgte ihre Aussage per Videoschalte.

DNA des Angeklagten war an einem Messer in Tatortnähe

Dem 34-Jährigen wird vorgeworfen, ab 26. Oktober 2020 im Regensburger Westen mit einem Revolver bewaffnet regelrecht Jagd auf Frauen gemacht zu haben. Laut Anklage soll er am 2. November eine damals 27-Jährige in der Nähe des Westbadweihers vergewaltigt haben. Angeklagt ist der Mann wegen besonders schwerer Vergewaltigung, drei Versuchen, Bedrohung und sexueller Belästigung.

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Nachdem der Mann durch DNA-Reihentests ermittelt werden konnte, soll ihm eine weitere Tat zugeordnet worden sein: Auf einem Messer, das nahe eines Tatorts in Prüfening sichergestellt wurde, fand man ebenfalls seinen genetischen Fingerabdruck. Hier wurde eine damals erst 17 Jahre alte Schülerin attackiert.

Das Opfer dieses Übergriffs 2019 dachte in jener Nacht zuerst an einen Raubüberfall. So erzählte sie es in ihrer Vernehmung – bis der Mann mit einem Messer in der Hand von ihr Sex gefordert habe. Sie erinnere sich jedoch nur in einzelnen Bildern. Dann sei der Täter auf ihr gelegen. „Ich hab dann irgendwann angefangen, mit ihm zu reden; das hat was mit ihm gemacht“, sagte sie mit teils tränenerstickter Stimme. Er ließ von ihr ab.

Rettete ein Schrei in Todesangst sie vor Vergewaltigung?

Wie das mutmaßlich erste Opfer kämpft eine damals 23-Jährige bis heute mit den Folgen: Albträume, Angstzustände und Panikattacken plagten sie. „Ich habe das Grundvertrauen in Menschen verloren – das hat schon mein Leben verändert.“ Die Studentin hatte laut ihrer Aussage am 31. Oktober 2020 den letzten Bus verpasst und dann bemerkt, dass sie ein Radfahrer verfolgte.

Seine Frage nach einer Zigarette habe sie abgelehnt und kurz gezögert, als er um Hilfe bat. Mit einem silbernen Revolver habe er sie dann in ein Gebüsch gedrängt. „Ich dachte, dass er mich, wenn ich schreie, töten wird.“ Als ihr in Todesangst ein kurzer lauter Schrei entglitt, habe sie sich sogar bei ihm entschuldigt. Auch hier ließ er von der jungen Frau ab und fuhr hastig davon.

Ähnlich soll die Tat tags zuvor abgelaufen sein, wie eine damals 21-Jährige vor Gericht angab. Sie sei am 30. Oktober verfolgt und mit einem Revolver bedroht worden. Übereinstimmend beschrieben alle vier Zeuginnen den Täter als dunkelhäutigen, schlanken Mann mit kurzen, dunklen, kräuseligen Haaren. Tatsächlich identifizieren konnte den 34-jährigen Angeklagten aber nur die Jüngste – „mit 20-prozentiger Sicherheit“.

Staatsanwaltschaft will Sicherungsverwahrung beantragen

Das Opfer der vollendeten Vergewaltigung vom 2. November 2020 wird am Mittwoch aussagen. An ihr wurde damals die DNA des Mannes gefunden. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung neben Gefängnis auch die Sicherungsverwahrung. Das will die Staatsanwaltschaft in Regensburg so beantragen.

Ein Urteil in dem Fall will die fünfte Strafkammer des Regensburger Landgerichts voraussichtlich bis 10. November fallen.

Den Prozessauftakt begleitete ein großes Medieninteresse. Der 34-Jährige versteckte sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Foto: Baumgarten