Vier Übergriffe in einer Woche: Mann macht bewaffnet Jagd auf Frauen – Prozess startet

Die Vorfälle versetzten Regensburg in Angst und Schrecken: Innerhalb von nur einer Woche gab es vier Sexualdelikte in der Stadt − darunter auch eine Vergewaltigung. Der mutmaßliche Täter war rund zwei Jahre auf der Flucht, ehe er am Dreikönigstag in Thüringen festgenommen wurde. Nun muss er sich vor dem Landgericht Regensburg verantworten – der Prozess startet am 1. September.
Der 34-Jährige soll schon weit vor dem Herbst 2020 zugeschlagen haben. Im Frühjahr 2019 soll er in Prüfening eine Minderjährige um kurz vor Mitternacht vom Fahrrad gezogen und sie mit einem Messer bedroht haben. Im Anschluss soll er Sex von dem Mädchen gefordert haben. Nur durch Zureden soll es der Minderjährigen gelungen sein, den Mann davon zu überzeugen, sie nicht zu vergewaltigen. Die junge Frau soll sich seither in therapeutischer Behandlung befinden.
Taten lösten Debatte in Regensburg aus
Ende Oktober 2020 die nächsten Vorfälle: Innerhalb von nur wenigen Tagen soll der Mann mehrere Frauen im Stadtwesten mit einem Revolver bedroht haben. Stets soll er es auf Geschlechtsverkehr abgesehen haben. Die Frauen sollen teils in Todesangst um Hilfe geschrien haben, woraufhin der Täter von ihnen abgelassen habe.
Einige Tage darauf soll der Angeklagte erneut eine Frau mit dem Revolver bedroht haben. Er soll sie unmissverständlich zum Geschlechtsverkehr aufgefordert haben. In Todesangst soll die Frau den Angeklagten oral befriedigt haben. Die Taten lösten Bestürzung in der Stadt aus. Es wurde öffentlich debattiert, wie sicher Frauen in Regensburg sind. Vertreter der Polizei sprachen in den Tagen nach der Tat von „absoluten Ausnahmefällen, die natürlich für viel Aufsehen sorgten.“ Die Beamten gründeten eigens die Ermittlungsgruppe „West“. Fieberhaft suchten sie nach dem Mann. Über Monate hingen Fahndungsplakate in der Stadt. Zeitweise war eine Belohnung von 3000 Euro für Hinweise ausgelobt.
Im Februar 2021 baten die Beamten zahlreiche Männer zu einem Reihen-DNA-Test. Dabei konzentrierten sich die Ermittler auf Personen, die auf die Beschreibung des Mannes passten: 1,65 bis 1,75 Meter groß, dunkelhäutig und mit Rastalocken. Die erste Testreihe lieferte kein Ergebnis. Erst bei der zweiten Reihentestung gelang den Ermittlern im November 2022 der Durchbruch. Eine der 507 genommenen Proben führte zu dem 34-Jährigen, der vor zehn Jahren aus Madagaskar nach Regensburg kam und Vater eines Kindes ist. Der Mann hatte dem Test freiwillig zugestimmt. Er soll jahrelang im unmittelbaren Umfeld der Tatorte gelebt haben. Erst im vergangenen Jahr zog er aus Regensburg nach Thüringen, wo ihn die Polizei im Januar 2023 aufspürte.
Mann für immer hinter Gitter?
Die Beamten luden wenige Tage nach der Festnahme zu einer Pressekonferenz in das Polizeipräsidium. Thomas Schöniger, damals Vizepräsident und heute Chef der Oberpfälzer Polizei, lobte die Arbeit der Ermittler. Sie hätten „unnachgiebig und konsequent an diesem Fall gearbeitet.“ Zu den langwierigen Ermittlungen sagte Schöniger: „Uns wäre es natürlich auch lieber gewesen, wenn wir ihn sofort festnehmen hätten können.“ Die zuständige Kriminalpolizei habe aber „alles unternommen.“
Nach nicht einmal zwei Wochen in Haft soll der Angeklagte erneut übergriffig geworden sein. In seiner Zelle soll er einen Mithäftling mit einem Messer bedroht haben. Dabei soll er den Mann dazu aufgefordert haben, sich zu bücken und die Hose herunterzulassen. Erst als ein Gefängnismitarbeiter die Zellentür öffnete, soll der Angeklagte von seinem Mithäftling abgelassen haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-Jährigen sexuelle Belästigung, versuchte Vergewaltigung und eine besonders schwere Vergewaltigung vor. Dafür drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.
Die Staatsanwaltschaft Regensburg ist jedoch der Auffassung, dass der 34-Jährige einen Hang zur Begehung schwerster Sexualstraftaten hat. Die Ankläger fordern daher eine Sicherungsverwahrung für den Mann – das heißt er könnte nie wieder auf freien Fuß kommen.
Der Mann schweigt bislang zu den Vorfällen – bis zu einer Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess gegen den 34-Jährigen beginnt am 1. September – ein Urteil soll im November fallen.