Vergewaltigungsprozess in Regensburg: Lebensgefährtin bestätigt Alibis des Angeklagten nicht

Freundin des mutmaßlichen Serien-Vergewaltigers sprach vor Gericht über die Beziehung, Besuche und ein Picknick im Donaupark. Auch Wärter der JVA und Mitgefangene des Mannes mussten in Regensburg aussagen.
Im Prozess gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger vom Donaupark in Regensburg hat am Freitag die Lebensgefährtin des Angeklagten ausgesagt. Seine Alibis bestätigte sie vor Gericht jedoch nicht – vielmehr sei der 34-Jährige abends und nachts öfters länger draußen gewesen. Der Angeklagte hatte zu Prozessbeginn alle Vorwürfe bestritten. Wie seine DNA an zwei der fünf Tatorte in Prüfening und im Westen Regensburgs kamen, konnte er nicht erklären.
Ab 26. Oktober 2020 soll der 34-Jährige mehrere Tage lang regelrecht Jagd auf Frauen gemacht haben. Bewaffnet mit einem Revolver sprach er laut Anklage nahe dem Rennplatz eine junge Frau an, verfolgte und bedrohte sie, ließ dann aber von ihr ab. Wenige Tage später soll er eine damals 19-Jährige in der Blaue-Stern-Gasse verfolgt und bedroht haben. Als sie schrie, flüchtete der Täter. Ganz ähnlich soll es in der darauf folgenden Nacht abgelaufen sein: Dabei soll er eine Studentin mit einem silbernen Revolver bedroht und in ein Gebüsch gedrängt haben.
Am 2. November kam es nahe dem Grillplatz im Donaupark schließlich zu einer Vergewaltigung. Wieder verfolgte der Täter eine junge Frau und zog sie laut Anklage von ihrem Rad. Nach dem Übergriff flüchtete die damals 27-Jährige nach Hause, wo ihr Freund die Polizei alarmierte. Was ihr an jenem Montag widerfahren war, sagte sie „klar“, aber „wie in einem Tunnel“ – so schilderte es einer der Polizisten.
DNA-Spur führte erst später zu zweitem Treffer
Weil die junge Frau den Anweisungen dieser Streifenbeamten folgte, konnten an ihr DNA-Spuren gesichert werden, die mehr als zwei Jahre später schließlich zu dem Angeklagten führten. Ein weiterer Treffer in der Datenbank brachte den 34-Jährigen mit einem Vorfall von Mai 2019 in Verbindung. Eine damals 17-Jährige war am Bahnhof in Prüfening nur knapp einer Vergewaltigung entgangen – laut Anklage redete sie auf den Täter ein, der dann auch von ihr abließ. Weil der Angeklagte alles bestreitet, musste die Frauen aussagen.
Trotz nahezu übereinstimmender Täterbeschreibung gelang den Ermittlern der Durchbruch erst 2023 – nach Massen-Gentests bei mehr als 500 Männern. Der 34-Jährige wurde am 6. Januar in Arnstadt in Thüringen verhaftet. Dorthin war der Mann mit seiner Lebensgefährtin aus Regensburg hingezogen. Nun sagte die Mutter seiner zwei Kinder vor der fünften Strafkammer des Landgerichts aus.
Sie berichtete von häufigen Streits, die „ziemlich brenzlig“ gewesen wären. Gewalttätig sei er aber nie geworden, aber danach oft „raus gegangen“ – manchmal auch länger. Das sei sein Ding gewesen. Als Alibi hatte der Angeklagte angeführt, im Spätherbst 2020 Urlaub gehabt und seine Wohnung nie verlassen zu haben. Das bestätigte seine Lebensgefährtin am Freitag nicht.
Viele Fragezeichen um die Frisur des Angeklagten
An Kleidungsstücke, die Opfern der Übergriffe teils genau beschrieben hatten, konnte sie sich nicht erinnern. Sie erwähnte aber einen plötzlichen Frisurenwechsel – ob vor oder nach der Abreise seiner Eltern, blieb vorerst offen. Die waren im Spätsommer 2020 mehrere Monate zu Besuch in Regensburg. Der 34-Jährige habe immer „so einen Igelschnitt“ getragen, wovon dessen Schwester ein Foto auf ihrem Handy habe. Ob diese Angehörige, die offenbar mit dem Paar in Regensburg eine Wohnung teilte, noch vor Gericht aussagen will, ist derzeit aber völlig offen.
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Dem 34-Jährigen wird außerdem vorgeworfen, in der JVA Regensburg einen Mitgefangenen bedroht und belästigt zu haben. Dazu sagten am Freitag einige Wachtmeister, ein Gefängnispsychologe und Mitinsassen aus – eine Bestätigung der zwei Varianten des Angeklagten und des mutmaßlichen Opfers lieferten sie nicht. Der vermeintlich belästigte Häftling hatte den Vorfall vor Gericht anders dargestellt als bei der Polizei. Ein früherer Mitinsasse war überzeugt, die Vorwürfe seien „nur ausgedacht“. Auf den Anstaltspsychologen hingegen hatten die Angaben damals „schon authentisch gewirkt“.
Letztlich hat das aber das Gericht zu bewerten. Am 29. September wird der Prozess fortgesetzt. Die fünfte Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Thomas Zenger plant aktuell mit weitere Sitzungsterminen bis in den November.