Warum die Hemauer Bürgermeisterin am Anfang Hilfe vom Schmuckgeschäft brauchte

An diesem Samstag erreicht Petra Lutz (SPD) eine wichtige Wegmarke: Seit genau 100 Tagen ist sie dann Bürgermeisterin von Hemau (Landkreis Regensburg). Warum ihr die Gespräche mit den Bürgern am meisten Freude bereiten, wie gut sie in die vielen Projekte schon eingearbeitet ist und welchen „Schreckmoment“ sie am Anfang erlebte, erzählt Lutz in einer ersten Zwischenbilanz.
Einen Tag vor der konstituierenden Sitzung des Hemauer Stadtrats öffnet Bürgermeisterin Petra Lutz (SPD) zum ersten Mal die kleine Vitrine in ihrem Amtszimmer. Vorsichtig nimmt sie die glänzende Bürgermeisterkette heraus, um sie kurz vor der Amtseinführung einmal anzuprobieren. Sie hängt sich die Kette um – und erschrickt: „Mein Gott, die ist mir ja viel zu groß!“
Dass die neue Bürgermeisterin zierlicher ist als ihre Vorgänger, ist in den stressigen ersten Amtstagen ab dem 1. Mai wohl untergegangen. Das örtliche Schmuckgeschäft wird zum Retter in der Not. „Die mussten drei oder vier Glieder rausnehmen. Dann hat sie zum Glück gepasst.“
Lutz muss noch immer lachen, wenn sie an diesen Schreckmoment vor fast drei Monaten denkt. An diesem Samstag erreicht sie nun eine wichtige Wegmarke: 100 Tage Bürgermeisterin. Ob das Amt besser zu ihr passt als das zugehörige Schmuckstück im ersten Moment?
Lutz erstes Fazit klingt ziemlich positiv. „Es ist genau das, was ich wollte. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.“ Anstrengend und zeitintensiv ist der Bürgermeisterinnen-Job natürlich. „Aber das wusste ich ja.“ Von 7 Uhr bis 16.30 Uhr sitzt Lutz ungefähr im Büro. Danach nimmt sie noch Abendtermine wahr. „Freizeit wird da schon eine knappe Kiste. Aber das spielt sich bestimmt noch ein“, ist die 62-Jährige zuversichtlich.
Es ist genau das, was ich wollte. Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.Petra Lutz (SPD), Bürgermeisterin von Hemau
Und immerhin sei der Stress ein positiver. „Ich bin immer in Bewegung und lerne dazu.“ Und bei all den Terminen merkt Lutz immer wieder: „Das Reden macht die Sach aus.“ Denn der Kontakt mit den Leuten, das Feedback, die vielen Gespräche – das bereitet ihr die meiste Freude. Tatsächlich bekommt sie oft E-Mails oder Bürger suchen direkt das Gespräch mit ihr, sagt sie.
„Ich versuch immer, dass ich Zeit finde. Die Leute dürfen und sollen sich bei mir melden“, so Lutz. In den ersten 100 Tagen hatte sie viele herzliche Begegnungen mit Hemauern – egal aus welcher politischen Richtung. Einige hätten gesagt: „Ich hab dich zwar nicht gewählt, aber ich freu mich für dich und wünsch dir alles Gute.“ Über solche Sätze freut sich die neue Bürgermeisterin umso mehr. Denn kritischere Stimmen gehören für sie dazu. „Da lernt man draus. “
Insgesamt spüre sie sehr viel positive Resonanz, sagt Lutz. Gerade beim Bürgergespräch und der Jugendsprechstunde Anfang Juli im Stadtpark sei der Zuspruch überwältigend gewesen. „Dieses Format werden wir definitiv beibehalten“, sagt sie. Es seien weitaus mehr Leute gekommen als erwartet und hätten verschiedenste Fragen gestellt. Der Infoabend zur Zukunft des Hemauer Asylheims war aus ihrer Sicht ebenfalls ein Erfolg – auch wenn sie davor ziemlich nervös war. „Mir war bewusst, dass die Meinungen auseinandergehen. Aber ich bin froh, dass der Abend so gut gelaufen ist.“
Der unmittelbare Kontakt zu den Menschen ist also eine Sache, auf die Bürgermeisterin Petra Lutz in ihrer Amtszeit einen Fokus zu legen scheint. Gleiches gilt für das Thema Inklusion. Schon zum Amtsantritt hat Lutz versprochen: Das Waldbad soll ein barrierefreies WC bekommen. Dieses Jahr wird es allerdings nicht mehr klappen. „Das gehört zu den Dingen, die ich mir einfacher vorgestellt habe“, gibt Lutz zu. Sie sei aber schon mit Planern im Gespräch gewesen. „Das Behinderten-WC wird definitiv kommen.“ Außerdem hat Lutz mit dem neuen Inklusionsbeauftragten Roland Weber ein paar Orte in Hemau besichtigt, die barrierefreier gestaltet werden könnten.
Beim Thema Inklusion will Lutz was bewegen
Ein soziales Wohnungsbau-Projekt auf kommunaler Ebene schwebt ihr ebenfalls vor. „Mir ist wichtig, dass Rentner, Alleinerziehende oder Menschen mit kleinem Geldbeutel gut in Hemau wohnen können“, sagt Lutz. Das Mammutprojekt Sanierung und Erweiterung der Mittelschule beschäftigt sie ebenfalls laufend. „Auch hier sehe ich erst jetzt, was alles dahintersteckt. Aber es läuft gut“, sagt sie. Vor Kurzem sei der Rohbau fertiggestellt worden.
Genau wie der Abenteuerspielplatz im neuen Naherholungsgebiet. Dessen Eröffnung sei einer der schönsten Termine bislang gewesen, sagt Lutz. Und ein paar weitere dürften ihr direkt bevorstehen. Am Schnapszahl-Datum 8.8. wird sie die ersten Paare trauen. „Das wird sicher spannend.“ Und dann steht ja auch schon das Volksfest an – Bieranstich inklusive. Beim Bürgerfest konnte Lutz zwar schon üben. „Aber davor hab ich schon einen großen Respekt“, sagt sie und lacht.
Neues von zwei Großprojekten:


Sixenfeld: Beim Baugebiet Sixenfeld laufen die Arbeiten am Bebauungsplan. Lutz hofft, dass ab Herbst oder Ende 2027 die Bagger rollen. „Ich wünsche mir, dass die Erschließung so schnell wie möglich starten kann. Schließlich ist eine große Nachfrage da“, sagt sie. Voraussetzung sei aber, dass nichts Unvorhergesehenes passiert. Aktuell ist geplant, das Gebiet mit rund 140 Bauplätzen auf einmal zu erschließen.
Grunwald: In der Grunwald-Villa ist aktuell ein Coworking-Space untergebracht, in dem man mobil arbeiten kann. Im Herbst läuft die Testphase aus. „So lange warten wir ab“, sagt Bürgermeisterin Lutz. Wird das Projekt nicht verlängert , kann sie sich dort auch eine Ausbildungsstätte vorstellen, etwa für soziale Berufe. „Vielleicht findet sich dann ein passendes Projekt.“ Der Garten könne gut für Vereinsfeste genutzt werden.