Weit mehr als ein XXL-Spielplatz: Diese Highlights sind im „grünen Paradies“ von Hemau noch geplant

Ein Mittelalter-Dorf, eine Schusser-Bahn und Wasserspiele: Das sind nur ein paar Spielgeräte des riesigen Abenteuerspielplatzes im neuen Hemauer Naherholungsgebiet. Am 24. Juli soll der erste Teil der „grünen Oase“ im Landkreis Regensburg eingeweiht werden. Doch damit nicht genug: In zwei weiteren Abschnitten plant die Stadt viele weitere Attraktionen. Dafür zogen sogar Bäume um.
Johanna und Willi Eichenseher wirken schon ein bisschen gerührt, als sie vor dem Ahorn im neuen Hemauer Naherholungsgebiet stehen. Fast 20 Jahre stand der Baum in ihrem Garten im kleinen Ort Thonhausen. „Eigentlich wollte unser Sohn ihn ja wegschneiden, weil er zu groß wurde. Und jetzt bekommt er hier ein zweites Leben“, sagt das Paar stolz. Ein gar nicht mal so kleiner Baum ist also fünf Kilometer umgezogen. Wie geht das überhaupt?
Vor einigen Wochen gab es in Hemau die Aktion „Bäumchen wechsel dich“. Insgesamt fünf Laubbäume aus Privatgärten oder aus städtischem Grund wurden mit schwerem Gerät aus dem Boden gehoben, nach Hemau gefahren und im Naherholungsgebiet zwischen Volksfestplatz und Waldfriedhof neu eingepflanzt. Neben einem Ahorn haben die Eichensehers auch noch einen Nussbaum gespendet.
„Gut, dass wir vom Aufruf der Stadt mitbekommen haben. Jetzt sind wir quasi im Naherholungsgebiet verewigt“, freuen sich die Eichensehers, während sie die Plakette mit ihrem Namen vor dem Baum betrachten. Auch Elisabeth Roßkopf gehört zu den Spendern, dank denen es auf dem Spielplatz pünktlich zur Eröffnung am 24. Juli große schattenspendende Bäume gibt.

Das war auch das Ziel der Idee, berichten Bürgermeisterin Petra Lutz (SPD) und Landschaftsarchitekt Michael Plank vom Büro Landimpuls. Nach dem Aufruf der Stadt habe es Angebote bis aus Straubing, Dingolfing oder dem Bayerischen Wald gegeben, erzählen Lutz und Plank. „Doch wir wollten Bäume direkt aus der Region.“
Die Bäume und Sträucher rund um den nagelneuen Abenteuerspielplatz im Naherholungsgebiet stehen also schon. Jetzt muss nur noch der Rasen wachsen, bevor dann ab dem 24. Juli dort Kinder toben können. Insgesamt rund 1,9 Millionen Euro hat dieser erste Abschnitt der „grünen Lunge von Hemau“ gekostet.
Lehrpfade und eine besondere Schaukel
Die zahlreichen großen Spielgeräte wie der Rutschenturm stechen schon von Weitem ins Auge. Doch das ist längst nicht alles, was der Spielplatz zu bieten hat. In die Masten des Klettergerüsts ist zum Beispiel je ein Hemauer Ortsteil eingraviert. „Und durch das Kletternetz sind sie symbolisch miteinander verbunden“, sagt Plank.
Natürlich fehlt bei einigen Spiel-Häuschen auch das Hemauer Stadtwappen nicht. Das Kernstück des Spielplatzes ist übrigens ein mittelalterliches Dorf – samt Bäckerei, Glockengießerei oder einem Bauernhof. Die Kinder können aber nicht nur ins Mittelalter eintauchen, sondern auch durch Fässer klettern, auf Trampolinen springen oder bei einem Lernpfad etwas über die Natur erfahren.

Weitere Highlights sind ein Wasserspiel und eine Schusserbahn. Zum Durchschnaufen gibt es Bänke, Holzliegen – und sogar einen Trinkwasserbrunnen. „Das ist ein richtig schöner Abenteuerspielplatz geworden“, lobt Bürgermeisterin Petra Lutz. Sie freut sich vor allem, dass auch Menschen mit Handicap viele Spielgeräte nutzen können – zum Beispiel eine behindertengerechte Schaukel. „Uns war beim Naherholungsgebiet wichtig, dass auf Inklusion geachtet wurde“, betont Lutz. Das 3,5 Hektar große Areal soll eine Entwicklungsfläche für alle Generationen sein und für die Seniorenheime ein Ziel zum Spazierengehen werden, hofft sie.
Uns war beim Naherholungsgebiet wichtig, dass auf Inklusion geachtet wurdePetra Lutz (SPD), Bürgermeisterin von Hemau
Denn neben dem Inklusions- und Generationen-Aspekt sollen Natur und Klimaschutz eine wesentliche Rolle im Naherholungsgebiet spielen. Diese Themen sollen vor allem im zweiten Bauabschnitt im Fokus stehen, berichtet Corinna Liebl, Fachbereichsleiterin für Bauwesen.
Dann sollen die Wege weiter angelegt werden, Parkplätze entstehen und der Siebergraben durch eine Gewässerpflegemaßnahme naturnah umgebaut werden. Dabei werden der Verlauf des Grabens und das Ufer neu gestaltet. So soll künftig mehr Platz für das Wasser entstehen. Sportbegeisterte sollen sich auf einem Multifunktions-Spielfeld auspowern können. Außerdem sind ein Lehrpfad und ein Zukunftswald geplant.

In einem solchen Wald sollen regionale Baumarten gepflanzt werden, die mit den kommenden Herausforderungen des Klimawandels besonders gut zurechtkommen. „Esskastanien oder Hopfenbuchen können sowohl Hitze als auch kräftigem Niederschlag trotzen“, erklärt Landschaftsarchitekt Michael Plank.
Aber auch dann ist das Areal noch nicht vollständig durchgeplant. In einem dritten Abschnitt sollen außerdem noch ein „grünes Klassenzimmer“ und Outdoor-Fitnessgeräte entstehen. Ein etwas abseits gelegener Liegehügel soll außerdem zum Entspannen einladen, informieren Bürgermeisterin Lutz und Fachbereichsleiterin Liebl. Außerdem will die Stadt ein paar weitere Ideen im Hinterkopf behalten: zum Beispiel einen Naschgarten oder einen Pfad, der verschiedene Sinne anspricht. Hier wollen die Verantwortlichen auch mit dem Blindeninstitut zusammenarbeiten.
Bis 2029 soll das insgesamt 5,2 Millionen Euro schwere Projekt abgeschlossen sein, sagt Corinna Liebl. Bevor der erste Abschnitt am 24. Juli eröffnet wird, ist vor allem noch eine Frage interessant: Wie soll das Naherholungsgebiet heißen? Das soll bald festgelegt werden. Eine kleine Auswahl gibt es laut Bürgermeisterin Lutz bereits.