Bürgermeisterin Petra Lutz im MZ-Interview: „Mir geht's um Hemau und nicht um die SPD“

Es ist soweit: Petra Lutz (SPD) ist offiziell Bürgermeisterin von Hemau (Landkreis Regensburg). Seit dem 1. Mai, 0 Uhr, ist sie in Amt und Würden – als erste Frau überhaupt und erstes SPD-Mitglied seit 30 Jahren. Im MZ-Interview verrät die 61-Jährige, bei welchen Projekten sie besonders schnell vorankommen will. Außerdem gibt sie Einblicke in die Sondierungsgespräche mit CSU und Freien Wählern – und in ihren Kleiderschrank.
Frau Lutz, schon Ihr Vater Klaus Zäuner gewann 1994 überraschend für die SPD die Hemauer Bürgermeisterwahl. Wie hat er Sie geprägt?
Petra Lutz: Ihm war in der Familie wichtig, dass wir zu unserem Wort stehen und Verantwortung übernehmen. Auch eine politische Prägung war natürlich da. Mein Ururgroßvater war Bürgermeister in Baar bei Ingolstadt und ebenfalls Sozialdemokrat. Dafür kam er auch ins KZ. Daher wurde mein Vater politisch. Durch ihn war die SPD bei uns präsent und für mich als junger Mensch die Partei, in der ich mich am ehesten sah. Ich war schon immer sozial geprägt. Das war meiner Familie wichtig.
Als Sie 2020 zum ersten Mal kandidiert haben, hat Ihr Vater noch gelebt. Was war sein Rat an Sie?
Lutz: Als ich damals verloren habe, meinte er: „Manche Dinge kommen so, wie sie kommen müssen.“ Dass ich jetzt gewonnen habe, hätte ihn sicher unwahrscheinlich stolz gemacht.
Genau wie er benötigen Sie im Stadtrat auch Stimmen von CSU und Freien Wählern. Hierzu wollten Sie Gespräche führen. Welche Stimmung herrscht dort?
Lutz: Die Stimmung zwischen SPD und Freien Wählern ist sehr gut. Zur CSU ist sie leicht angespannt. Manche müssen das Wahlergebnis erst sacken lassen. Das ist ganz normal. Aber ich gehe davon aus, dass wir gut zusammenarbeiten. Unterm Strich geht es um Hemau. So haben es auch alle im Wahlkampf gesagt.
Gibt es im Stadtrat dann eine rot-orange Koalition aus SPD und Freien Wählern?
Manche müssen das Wahlergebnis erst sacken lassen. Das ist ganz normal. Aber ich gehe davon aus, dass wir gut zusammenarbeiten.Petra Lutz (SPD), Bürgermeisterin von Hemau
Lutz: Nein. Es wird projektbezogene Mehrheiten geben und keine Koalition. Wir werden zwar noch zusammen sprechen, aber jede Fraktion wird sich, wie bisher, frei positionieren können.
Werden sowohl CSU als auch Freie Wähler einen Stellvertreter stellen? Das war ja Ihr Wunsch.
Lutz: Ja, das ist mein Angebot. Auch bei den Beauftragten-Posten. Natürlich ist das nicht einfach. Es muss ja passen. Aber jede Partei sucht geeignete Kandidaten. Wer es wird, werden wir dann sehen.
Was soll das Erste sein, das die Hemauer von ihrer neuen Bürgermeisterin merken sollen?
Lutz: Ich wünsche mir zum Beispiel einen Inklusionsbeauftragten im Stadtrat. Inklusion ist in Hemau ein großes Thema. Ich will Wege für Menschen mit Gehbehinderung freundlicher gestalten, etwa im Waldbad. Auch die Bürger- und Jugendsprechstunden will ich sehr zeitnah einführen.
Wie stellen Sie sich solche Jugendsprechstunden vor?
Lutz: So ungezwungen wie möglich und an öffentlichen Orten. Meinetwegen im Stadtpark oder an einem Bankerl. Aber auch im Rathaus und digital. Ich habe gemerkt, dass junge Leute viele gute Ideen haben. Die sollten wir auch aufnehmen und nach Möglichkeit umsetzen.
Apropos Jugend: Die Sanierung und Erweiterung der Mittelschule ist ein Mammutprojekt. Wie gut sehen Sie sich gewappnet?
Lutz: Ich sehe mich gut gewappnet, weil es von meinem Vorgänger schon angestoßen wurde. Aber auch dieses Projekt wird seine Tücken haben. Ich hoffe, dass uns mit der aktuellen Lage finanziell nichts überrollt. Dennoch bin ich guter Hoffnung. Es wird immer Lösungen geben.
Auch das Grunwald-Anwesen hat Priorität bei Ihnen. Was ist Ihre Vision für diese Fläche?
Lutz: Zunächst ist dort für ein halbes Jahr der Coworking-Space angesiedelt. Ich lasse mich überraschen, ob das angenommen wird. Für mich ist das Areal eine wertvolle Fläche, die man etwa den Vereinen für Feste zur Verfügung stellen könnte. Ich habe ein paar Gedanken, aber das ist noch nicht spruchreif. Das erarbeiten wir im Stadtrat. Nach den berühmten 100 Tagen im Amt will ich was dazu sagen können. Auch bei den Anwesen Bleicher und Nuber möchte ich vorankommen.
Die Planungen für das Baugebiet Sixenfeld laufen. Wie wollen Sie die Baupolitik prägen?
Lutz: Es gibt schon Beispiele, wie man das Sixenfeld bebauen kann. Auch das Sturzflut-Konzept ist erarbeitet. Jetzt möchte ich mich schnell einarbeiten und die Erschließung vorantreiben. Es sind ja Interessenten da. Dann wird sich die Frage stellen, ob wir es auf einmal erschließen oder aufteilen. Auch in den Ortsteilen möchte ich junge Leute, die bauen wollen, unterstützen.
Es ist aber kein Geheimnis, dass nicht mehr jeder das nötige Kleingeld für ein Haus mit Garten hat.
Lutz: Für mich ist es Aufgabe der Stadt, günstigen Wohnraum zu schaffen. Hier sehe ich das Bleicher-Anwesen als Option. Beim kommunalen Wohnungsbau gibt es gute Projekte. Auch ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt würde passen. Für Mieter soll Hemau natürlich ebenfalls attraktiv bleiben.
Ich habe gemerkt, dass junge Leute viele gute Ideen haben.Petra Lutz (SPD), Bürgermeisterin von Hemau
Als frühere Seniorenbeauftragte liegt Ihnen auch die ärztliche Versorgung am Herzen. Wie könnte hier die Zukunft aussehen?
Lutz: Bisher hatten wir eine gute ärztliche Versorgung. Doch unsere Ärzte werden älter. Wir müssen schauen, dass Ärzte nachkommen. Es gab auch die Idee eines Versorgungszentrums in städtischer Trägerschaft. Das wäre vom Aufwand her nicht machbar. Aber wenn ein Investor da ist, unterstütze ich gerne. Welche Rolle das Projekt „Sorgende Stadt“ spielen kann, wird die Zukunft zeigen.
Beim Thema Windkraft wird es mitunter emotional. Wie wollen Sie hier die Leute ins Boot holen?
Lutz: Ich bin kein Gegner von Windkraft. Aber ich bin ein Gegner davon, Orten zu viel abzuverlangen. Im Stadtrat wollten wir stets die 1000 Meter Abstand wahren. Das will ich weiterhin. Ansonsten bin ich natürlich eine Befürworterin von Klimaschutz.
Dafür bietet sich ja auch das neue Naherholungsgebiet als „grüne Lunge“ an.
Lutz: Für mich sind Grünanlagen wichtig. Beim nächsten Bauabschnitt will ich Ideen für Klimaschutz reinbringen. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten.
Bei allen Projekten: Es ist nicht unendlich Geld da. Wie schätzen Sie die finanzielle Lage ein?
Lutz: Es geht uns nicht schlecht. Aber durch unsere Projekte müssen wir ein Auge auf den Haushalt haben. Niemand weiß, wie es sich entwickelt, gerade auch wegen der weltpolitischen Situation. Irgendwann werden wir auch mehr sparen müssen.
Jetzt aber genug mit Politik: Wie verbringen Sie Ihre knapp bemessene Freizeit?
Lutz: Einfach daheim im Garten, mit meiner Familie und mit meinen Katzen Lilli und Leo. Oder im Jahnstadion...
Dass Sie glühender Fan des SSV Jahn Regensburg sind, ist ja bekannt. Was haben der Jahn und die SPD eigentlich gemeinsam?
Lutz: Nicht nur die Farbe Rot. Sowohl der Jahn als auch die SPD erleben viel Auf und Ab. Ich kenne das Gefühl also gut.
Ob Sport oder Politik: Rot scheint Ihre Lieblingsfarbe zu sein. Das sieht man Ihnen oft auch an. Wie viele rote Kleider und Blazer haben Sie im Schrank hängen?
Lutz: (lacht) Mein Mann sagt: „viel zu viele“. Rot ist halt eine schöne Farbe. Aber ich habe auch viele schwarze Kleider. Ich bin schließlich Bürgermeisterin für Hemau und nicht für die SPD. Da wird die Farbe Rot nur bei der Kleidung eine Rolle spielen.
Das Interview führte David Santl.