Mit Wehmut und kritischen Tönen: Hemauer Bürgermeister erklärt seine Amtszeit für beendet

Von David Santl · 29. April 2026 um 15:00

Mit Ablauf des 30. April scheiden der Hemauer Bürgermeister Herbert Tischhöfer (CSU) und fünf Stadträte offiziell aus dem Amt. Am vergangenen Dienstag, in der letzten Sitzung des aktuellen Gremiums, hielt das bisherige Stadtoberhaupt seine Abschiedsrede. Er sei mit sich im Reinen, betonte er. Doch eine gewisse Bitterkeit über seine Wahlniederlage und über einen rauer gewordenen Umgangston konnte Tischhöfer nicht verbergen.

„So, jetzt g’langts“, sagt Herbert Tischhöfer (CSU) leise zu sich selbst. Der Hemauer Bürgermeister ist emotional sichtlich angefasst. Nur Sekunden zuvor hat er seine sechsjährige Amtszeit mit einer letzten Ansprache für beendet erklärt. Jeder Stadtrat, jeder Besucher konnte sehen, wie schwer ihm diese Rede fiel – und wie sehr ihn die Niederlage gegen seine Nachfolgerin Petra Lutz (SPD) noch immer schmerzt.

Nach der Stichwahl am 22. März hat sich Tischhöfer fast komplett zurückgezogen. Er meldete sich nicht mehr öffentlich zu Wort, nahm kaum noch offizielle Termine wahr, verzichtete auf seinen Sitz im Stadtrat. Mit Ablauf des heutigen 30. April scheidet er offiziell aus dem Amt. Zwei Tage zuvor, in der letzten Stadtrats-Sitzung der Wahlperiode, wollte Tischhöfer sich aber nochmal an seine Weggefährten wenden.

Er sei mit sich im Reinen, fühle innere Ruhe und gehe erhobenen Hauptes, sagt er. „Ich habe das Amt mit vollem Einsatz ausgeübt und bin mir treu geblieben.“ Doch eine gewisse Bitterkeit kann Tischhöfer nicht verbergen. Manchmal habe er das Gefühl gehabt, dass in Diskussionen die sachliche Ebene verlassen worden sei. „Die Zusammenarbeit im Gremium war nicht immer einfach. Da sollte sich auch jeder selbst hinterfragen“, hielt er den Stadträten vor – und beklagte, der Umgangston sei generell rauer geworden.

Eintrag ins Goldene Buch - Foto: David Santl

Als er dann seiner Familie dankt, kann Tischhöfer die Tränen kaum zurückhalten. „Ihr seid in schweren Phasen an meiner Seite gestanden. Und davon gab es einige.“ Zum Schluss wünscht er der neuen Bürgermeisterin Petra Lutz „eine glückliche Hand und weniger Misstrauen.“ Sein Rat an das neue Gremium: „Habt Mut und seht nicht bei allem erst die Nachteile, sondern die Chancen!“

„Vieles wird erst noch seine Wirkung entfalten“

Dieser Leitsatz spiegelte sich nicht nur in seiner Amtszeit wider, sondern auch in seiner Abschiedsrede. „Wir haben viel auf den Weg gebracht. Und vieles wird erst in den nächsten Jahren seine Wirkung entfalten.“

Der zweite Bürgermeister Robert Pollinger (CSU) führte diesen Gedanken zuvor in seiner Laudatio genauer aus. Tischhöfer habe die Stadt mit Herzblut und klarer Haltung geprägt, sagt Pollinger: seit 2014 als Stellvertreter und seit 2020 dann als Bürgermeister. „Und man sieht gar nicht, wie viele persönliche Opfer dieses Amt fordert.“ Dann zählt Pollinger die Projekte auf, die die Amtszeit von Tischhöfer prägten: Schulsanierung, Kinderhaus, Baugebiet Sixenfeld, Katastrophenschutz. „Und Sie haben den sozialen Zusammenhalt gestärkt“, so Pollinger und nennt die „Sorgende Stadt“ oder den Rufbus Elma.

Ein Bürgermeister ist nicht nur Amtsperson, sondern auch ein Mensch mit Gefühlen.Herbert Tischhöfer (CSU), scheidender Bürgermeister von Hemau

Mit Blick, zum Beispiel auf das Naherholungsgebiet, greift Robert Pollinger dann seinen Leitgedanken auf: „Ein großer Teil Ihres Wirkens wird erst mit Abstand sichtbar. Ich wünsche Ihnen, dass neben aller Enttäuschung auch Stolz seinen Platz findet.“ Er wisse, wie sehr es Tischhöfer schmerzt, dass sein Weg auf diese Art endet. „Aber eine Wahl entscheidet über ein Amt. Und nicht über den Wert Ihrer Arbeit und über den Respekt, den Sie verdienen.“

Bürgermeister Tischhöfer (2. v. l.)verabschiedete die ausscheidenden Stadträte (v. l.): Peter Ostenrieder (Grüne/fraktionslos), Florian Meyer und Gottfried Riepl (beide CSU). Nicht auf dem Bild sind Franz Ziegaus (FW) und Josef Staudigl (SPD). - Foto: David Santl

Vor Tischhöfers Abschied standen aber zunächst die ausscheidenden Stadträte im Fokus: Florian Meyer, Gottfried Riepl (beide CSU), Franz Ziegaus (Freie Wähler), Peter Ostenrieder (Grüne/fraktionslos) und Josef Staudigl (SPD). Tischhöfer betonte: „Hinter jeder Amtszeit stehen Menschen, die bereit waren, sich in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.“

Florian Meyer zum Beispiel sei als CSU-Fraktionssprecher eine prägende Persönlichkeit gewesen, hob Tischhöfer hervor. Gottfried Riepl habe sich durch Besonnenheit und Sachverstand ausgezeichnet. Bei Peter Ostenrieder lobte Tischhöfer dessen Verlässlichkeit und Engagement. Auch Franz Ziegaus, der seit 2002 im Stadtrat war, verdiene für seinen langjährigen Einsatz höchste Anerkennung. Und Josef Staudigl gehörte dem Gremium bereits seit 2001 an. „Diese Zeitspanne beeindruckt“, bemerkte der scheidende Bürgermeister.