Sensation in Hemau: Petra Lutz (SPD) wird neue Bürgermeisterin - CSU verliert Hochburg

Sie hat es tatsächlich geschafft: Petra Lutz (SPD) wird neue Bürgermeisterin von Hemau. Bei der Stichwahl am Sonntag siegte sie mit 56,2 Prozent gegen den amtierenden Bürgermeister Herbert Tischhöfer (CSU). Er kam auf 43,8 Prozent. Damit steht fest: Zum ersten Mal nach 30 Jahren verliert die CSU das Hemauer Rathaus. Die 9700-Einwohner-Stadt galt bislang als sichere Bastion der Christsozialen im Landkreis Regensburg. Ab dem 1. Mai wird Hemau außerdem erstmals von einer Frau regiert werden.
Als Lutz im Rathaus ankommt, ringt sie merklich um Fassung. „Boah, i bin sprachlos!“, ist ihre erste spontane Antwort auf die Frage, wie sie ihr Ergebnis einordnet. In ihren Augen glitzert die eine oder andere Träne. „Ich freue mich riesig auf die Arbeit im Stadtrat und auf hoffentlich offene und faire Gespräche“, schiebt sie dann hinterher.
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Dass es ein so deutliches Ergebnis wird, hätte sich die 61-Jährige nicht träumen lassen. „Ich dachte eigentlich, das wird total knapp.“ Dann kramt sie in ihrer Tasche und holt eine Ein-Cent-Münze raus. „Vielleicht hat es geholfen, dass ich heute Vormittag beim Spazierengehen einen Glückscent gefunden habe“, sagt sie mit einem Lachen, ehe sie mit Glückwünschen und Umarmungen überhäuft wird.
Zu den ersten Gratulanten zählt auch der bisherige Bürgermeister Herbert Tischhöfer. Dem 59-Jährigen geht das Ergebnis sichtlich nahe, dennoch wirkt er gefasst. „Ich gratuliere Petra Lutz und wünsche ihr viel Spaß und Erfolg im Amt“, lautet seine erste Reaktion auf den Wahlausgang.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich ein so gutes Ergebnis bekomme.Petra Lutz (SPD), designierte Bürgermeisteirn von Hemau
Mehr will Tischhöfer nicht sagen. Auch zur Frage nach seiner persönlichen politischen Zukunft wollte sich der abgewählte Bürgermeister am Wahlabend nicht äußern. Nachdem die ersten Wahlbezirke ausgezählt waren, sah es nach einem sehr knappen Rennen aus. Kurzzeitig trennten die beiden nur zwei Stimmen. Dann baute Lutz ihren Vorsprung nach und nach aus und behielt ihn bis zum Schluss.

Dass auf dem Tangrintel Wechselstimmung herrscht, hatte sich schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen angedeutet. Bereits dort landete die SPD-Kandidatin bei der Bürgermeisterwahl überraschenderweise vor dem CSU-Amtsinhaber – mit gerade einmal 13 Stimmen Vorsprung. Lutz erreichte 38,4 Prozent, Tischhöfer lag bei 38,1 Prozent. Außerdem verloren die Christsozialen zum ersten Mal seit langer Zeit ihre absolute Mehrheit im Stadtrat. Stattdessen haben nun Lutz’ SPD und die Freien Wähler eine Mehrheit von elf Sitzen im Gremium.
Ich gratuliere Petra Lutz und wünsche ihr viel Spaß und Erfolg im Amt.Herbert Tischhöfer (CSU), bisheriger Bürgermeister von Hemau
Bei der Kommunalwahl 2020 war die Lage noch eine andere. Schon damals kam es zum Duell Lutz gegen Tischhöfer. Bei dieser Wahl setzte sich der CSU-Mann mit 63,74 Prozent souverän gegen Petra Lutz durch und beerbte den langjährigen Bürgermeister Hans Pollinger (CSU). Im Vorfeld der Stichwahl war außerdem eine Frage besonders spannend: Wie entscheiden sich die Anhänger des in der ersten Runde ausgeschiedenen Dominik Faulhammer (Freie Wähler)? Der kommunalpolitische Quereinsteiger erzielte mit 23,5 Prozent immerhin einen Achtungserfolg. Offenbar entschieden sich die meisten seiner Wähler bei der Stichwahl für Lutz. Das unterstreicht das kollegiale Verhältnis, das SPD und Freie Wähler in Hemau traditionell pflegen.
Mit dem Wahlsieg von Petra Lutz wiederholt sich ein Stück Hemauer Politikgeschichte auf spektakuläre Art und Weise. Schon ihr Vater Klaus Zäuner (ebenfalls SPD) wurde in den 1990er-Jahren zum Bürgermeister in der Tangrintelstadt gewählt. Bei einer außerordentlichen Wahl im Jahr 1994 siegte der vor drei Jahren verstorbene Zäuner überraschend gegen den damaligen Bürgermeister und späteren Regensburger Landrat Herbert Mirbeth (CSU).
Es war zugleich das letzte Mal, dass die SPD das Hemauer Rathaus von der CSU erobern konnte. Nun, etwa 31 Jahre später, schafft seine Tochter Petra Lutz das gleiche Kunststück. „Ihn habe ich vorher natürlich auch am Grab besucht“, erzählt die frischgebackene Bürgermeisterin.