In der Oberpfalz und im Kreis Kelheim gibt es nur wenige Bürgermeisterinnen: Woran liegt das?

Männlich, mittleren Alters und seit Generationen im Ort verwurzelt: Das ist der typische Bürgermeister in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim - auch nach der Kommunalwahl. Der Anteil an Bürgermeisterinnen liegt bei gerade einmal zwölf Prozent. Warum haben es Frauen so schwer, in dieses Amt zu gelangen? Und was muss sich ändern? Wir haben bei drei neugewählten Bürgermeisterinnen nachgefragt.
Es hätte gut zusammengepasst: In diesem Jahr fiel die Kommunalwahl auf den 8. März – den Internationalen Frauentag. Zumindest in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim wurde die Kommunalwahl aber nur selten zum Frauentag. Denn auch nach der Wahl sind dort die typischen Bürgermeister und ihre Stellvertreter vor allem das: männlich, im mittleren Alter und seit vielen Generationen in ihrem Ort verwurzelt.
Hacer Aslan ist dritte Bürgermeisterin von Kelheim
Auf Hacer Aslan (SPD) trifft nichts davon zu. Sie ist erst 31 Jahre alt, hat einen türkischen Migrationshintergrund und wurde Mitte Mai zur dritten Bürgermeisterin von Kelheim gewählt. Als solche vertritt sie nun Bürgermeister Dennis Diermeier (Freie Wähler). „Das bedeutet mir sehr viel“, erzählt Aslan. Einerseits wegen ihrer familiären Wurzeln.
Ihre Großeltern seien in den 1960er-Jahren als Gastarbeiter nach Kelheim gekommen. Andererseits wegen der vielen positiven Rückmeldungen, die sie seit ihrer Wahl bekommen hat: „Viele Leute finden, dass ein wichtiges Zeichen gesetzt wurde: dass junge Frauen Verantwortung übernehmen und politische Ämter aktiv mitgestalten können“, sagt die SPD-Politikerin, die die Kreisstadt auch schon als Festkönigin repräsentiert hat.
Trotzdem seien Geschlecht, Alter und Herkunft bei ihrer politischen Laufbahn immer wieder ein Thema gewesen, erzählt Aslan. „Von einer jungen Frau Anfang 30 mit Migrationshintergrund werden gesellschaftlich oft andere Rollenbilder erwartet als ein politisches Führungsamt.“ Für sie ist jedoch klar: Von solchen Erwartungen will sie sich nicht einschränken lassen. „Gerade im 21. Jahrhundert sollten wir offen dafür sein, bestehende Muster zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.“ Doch bestehende gesellschaftliche Rollen seien noch immer stark verankert, findet Aslan.
Gerade im 21. Jahrhundert sollten wir offen dafür sein, bestehende Muster zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.Hacer Aslan (SPD), dritte Bürgermeisterin von Kelheim
Von Frauen werde erwartet, familiäre, berufliche und gesellschaftliche Aufgaben gleichzeitig zu erfüllen. „Ein politisches Amt bringt jedoch einen hohen zeitlichen Aufwand mit sich, vor allem am Abend und am Wochenende. Da ist diese Vereinbarkeit nicht immer einfach.“ Außerdem würden Frauen in Führungsrollen immer noch kritischer beurteilt werden als Männer. Es braucht dringend mehr Vertrauen und Offenheit gegenüber Frauen und jungen Menschen in politischen Führungspositionen, findet Aslan.
Zudem sei es wichtig, Frauen aktiv zu fördern, damit künftig mehr Bürgermeisterposten weiblich besetzt werden. „Vielfalt entsteht nur, wenn Chancen wirklich gegeben und auch angenommen werden können.“ Außerdem rät Hacer Aslan jungen Frauen, sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen oder Vorurteilen beirren zu lassen. „Seid mutig und traut euch, euren Weg zu gehen.“
Petra Lutz ist Bürgermeisterin von Hemau
Rund 20 Kilometer nordwestlich von Kelheim liegt Hemau (Landkreis Regensburg). Seit dem 1. Mai regiert dort Petra Lutz (SPD). Sie gewann in der Stichwahl mit 56,2 Prozent gegen den CSU-Amtsinhaber. Lutz ist schon lange kommunalpolitisch aktiv. In dieser Zeit hat 61-Jährige festgestellt: Der Anteil von Frauen in Spitzenämtern bleibt auf niedrigem Niveau und verändert sich kaum. „Das ist natürlich schade“, sagt die SPD-Politikerin. Auch sie findet, dass alte Rollenbilder noch immer zu stark in den Köpfen verankert sind.

Lutz vermutet, dass viele Frauen vor einem politischen Amt zurückschrecken, wenn daheim Haushalt und Kinder warten. „Du bist ja immer auch noch Mutter.“ Ihre eigene Tochter ist inzwischen erwachsen. „Aber mit kleinen Kindern hätte ich es wahrscheinlich auch nicht gemacht.“ Wie viele Frauen es in Spitzenämter schaffen hänge aber auch von der Struktur der jeweiligen Partei ab, sagt sie.
Mittlerweile würde politisches Engagement für Frauen aber eine größere Rolle spielen. „Das wächst jetzt, aber nur langsam. Sowas geht nicht von heute auf morgen“, sagt Lutz. Aber es sei wichtig: Schließlich sei Politik für Frauen genauso wichtig wie für Männer. „Natürlich ist das Amt der Bürgermeisterin nicht leicht. Aber man sollte sich trotzdem trauen und keine Bedenken haben.“
Veronika Traurig ist Bürgermeisterin von Pemfling
So wie Veronika Traurig (CSU). Sie wurde im März zur Bürgermeisterin von Pemfling (Landkreis Cham) gewählt – mit gerade einmal 27 Jahren. Den Satz „Mensch, du traust dich was!“ hat sie oft gehört, erzählt die neue Rathauschefin. Dass sie eine junge Frau ist, sei im Wahlkampf aber gar nicht thematisiert worden. „Auch deshalb, weil ich das von Anfang an nicht zum Thema werden ließ.“

Es braucht vor allem mehr Mut
Denn für Traurig zählt vor allem der Mut, ein solches Amt zu übernehmen. „Viele Frauen trauen sich zu wenig zu. Auch bei mir hat Mut dazugehört.“ Und auch für sie ist die klassische Rollenverteilung eine Ursache für den niedrigen Frauenanteil in Bürgermeisterämtern. Oft würde der Mann noch immer mehr verdienen. „Und für die Frau bietet es sich dann eben an, zuhause bei den Kindern zu bleiben.“
In vielen Köpfen sei auch noch das Bild verbreitet, dass sich nur Frauen um den Haushalt kümmern können. „Ich sehe keinen Grund dafür, warum ein Mann das nicht auch kann“, sagt sie mit einem Schmunzeln. Für Traurig steht fest: Frauen müssen sich Gehör verschaffen und sich auch gegenseitig bei Wahlen unterstützen. „Traut euch, verstellt euch nicht und lasst euch nicht die Schneid abkaufen“, betont sie.