Abgewählte Amtsinhaber, gescheiterte Kandidaten: CSU verliert Wahl in der Oberpfalz und Kelheim

Von David Santl · 23. März 2026 um 16:11

Die politische Landkarte in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim färbt sich neu ein: Künftig dominiert nicht mehr das CSU-Schwarz, sondern das Orange der Freien Wähler. Sie knöpfen den Christsozialen unter anderem drei Landratsämter und einen OB-Posten ab. Bei der SPD überstrahlt der Wahlsieg von Thomas Burger in Regensburg alles.

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Satte Ausbeute für die Freien Wähler

Egal, wo es in der Region ein Kandidat der Freien Wähler in die Stichwahl um ein Spitzenamt schaffte: Er gewann. Besonders ragt der neue Kelheimer Landrat Christian Nerb heraus. Er siegte mit 66,6 Prozent deutlich gegen den CSU-Amtsinhaber Martin Neumeyer. Einen Überraschungssieg feiern die Freien Wähler in Amberg. Dort wird Michael Fritz (54,6 Prozent) neuer Oberbürgermeister – obwohl er im ersten Wahlgang mit 13,8 Prozent meilenweit hinter CSU-Kandidat Stefan Ott landete.

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Zwei Wahlsiege der Freien Wähler gehen in die Geschichtsbücher ein. Seit dem Zweiten Weltkrieg kamen sowohl im Landkreis Cham als auch im Landkreis Neumarkt alle Landräte aus der CSU. Damit ist Schluss: Mit Christian Schindler (Cham) und Martin Meier (Neumarkt) sitzen künftig zwei FW-Männer auf den Chefsesseln in den Landratsämtern. Schindler und Meier lagen im ersten Wahlgang noch hinter ihren CSU-Konkurrenten.

Die Wahlsieger im Überblick:

Der neue Kelheimer Landrat Christian Nerb (FW) - Foto: Rutrecht
Wirkt erstaunt: Ambergs neuer OB Michael Fritz (FW). - Foto: Wein
Chams neuer Landrat Christian Schindler (FW) - Foto: Tschannerl
Martin Meier (FW) wird Landrat von Neumarkt. - Foto: Endlein
Dennis Diermeier (FW) ist Kelheims neuer Bürgermeister. - Foto: Forster
Schwandorfs OB Andreas Feller siegt mit neuer Liste. - Foto: Kellermeier

Schindler setzte sich in der Stichwahl dann aber mit 53,3 Prozent durch und Meier schaffte einen hauchdünnen Sieg mit 50,2 Prozent. Es ging aber auch noch knapper: Der neue Kelheimer Bürgermeister Dennis Diermeier bezwang den CSU-Amtsinhaber Christian Schweiger mit gerade einmal zehn Stimmen Unterschied. Einen Erdrutschsieg konnte dagegen die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger bereits vor zwei Wochen feiern. Sie kam in der ersten Runde auf 60,3 Prozent. Der CSU-Landtagsabgeordnete Patrick Grossmann (26,1 Prozent) wurde ihr nicht ansatzweise gefährlich.

CSU bringt vielerorts den Vorsprung nicht ins Ziel

Das OB-Amt in Regensburg: nicht zurückerobert. In Stadt und Landkreis Kelheim: abgewählt. Bei der Nachbesetzung bisher gehaltener Spitzenposten: gescheitert. Unterm Strich ist die CSU der Verlierer der Kommunalwahl. Die Regensburger OB-Kandidatin Astrid Freudenstein verspielte ihren klaren Vorsprung aus der ersten Runde und konnte zum zweiten Mal das Rathaus nicht von der SPD zurückzugewinnen.

Sie ist nicht die Einzige, die ihrer Favoritenrolle nicht gerecht wurde: In Amberg verlor Stefan Ott die OB-Wahl, obwohl er in der ersten Runde satte 27 Prozent vor dem Kandidaten der Freien Wähler lag. Gegen die Freien Wähler hatte die CSU generell das Nachsehen. Sowohl der Kelheimer Bürgermeister Christian Schweiger als auch der Kelheimer Landrat Martin Neumeyer verlieren ihre Posten an die FW-Herausforderer.

In den Landkreisen Cham und Neumarkt schafften es Michael Multerer und Katharina Ziegler nicht, die scheidenden CSU-Landräte zu beerben. Gescheitert ist auch CSU-Kandidat Andreas Wopperer in Schwandorf. Er konnte seinen Ex-Parteifreund und amtierenden OB Andreas Feller nicht besiegen. Dieser trat mit einer eigenen Liste an, nachdem ihn die CSU nicht mehr nominiert hatte. Die einzigen Lichtblicke: In Weiden gewann Benjamin Zeitler klar gegen OB Jens Meyer (SPD). Und im Regensburger Umland konnte die CSU am 8. März einige Gemeinden von den FW zurückerobern – zum Beispiel Lappersdorf, Nittendorf und Obertraubling.

Licht und Schatten bei der SPD

Vor der Stichwahl deutete vieles darauf hin, dass die SPD den Regensburger OB-Posten an die CSU verlieren könnte. Es kam anders: Thomas Burger setzte sich mit 53,2 Prozent gegen die favorisierte Astrid Freudenstein durch. Er beerbt seine Parteikollegin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die sich nicht zur Wiederwahl stellte. Schmerzhaft für die Sozialdemokraten ist dagegen der Wahlausgang in Weiden. Amtsinhaber Jens Meyer verlor mit 34,3 Prozent klar gegen seinen CSU-Herausforderer.

Bei allen anderen Rennen um Landratsämter oder Bürgermeisterämter in Kreisstädten blieb die SPD außen vor. Auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder schaffte es im Landkreis Schwandorf nicht, CSU-Landrat Thomas Ebeling in die Stichwahl zu zwingen. Erfolge kann die SPD dafür in zwei anderen Städten feiern: In Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) gewann Martin Antretter die Bürgermeisterwahl und in Hemau (Landkreis Regensburg) machte Petra Lutz das Rennen.

Die Grünen scheitern, aber teils nur knapp

Für die Grünen war die Wahl schon nach der ersten Runde gelaufen. Kein Kandidat der Öko-Partei schaffte es in die Stichwahl um einen Spitzenposten. Teils fehlte allerdings nicht viel. Die Regensburger OB-Kandidatin Helene Sigloch verpasste mit 18,9 Prozent die zweite Runde nur um Haaresbreite. Lediglich 0,2 Prozent trennten sie vom deutlich bekannteren und erfahreneren künftigen OB Thomas Burger (SPD). In Amberg landete OB-Kandidat Hans-Jürgen Bumes zwar lediglich auf Platz Fünf, dennoch lag auch er nur 1,5 Prozent hinter dem Stichwahl-Kandidaten und designierten OB Michael Fritz (FW). Auf dem Land blieben die Grünen chancenlos.

Bei Spitzenämtern bleibt die AfD außen vor

Es war eine große Frage vor der Wahl: Schafft es ein AfD-Kandidat in eine Stichwahl? Die klare Antwort: Nein. Zwar spekulierten im Landkreis Cham manche, dass Landratskandidatin Christl Fischer die zweite Runde erreichen könnte. Mit 14,4 Prozent blieb sie weit davon entfernt. Auch die anderen OB- und Landratskandidaten in der Region landeten lediglich im mittleren oder unteren zweistelligen Bereich und verfehlten die Stichwahl.