So gelang Thomas Burger (SPD) die Aufholjagd im Rennen ums Regensburger Rathaus

Die „Thomas, Thomas“-Rufe schallten schon durchs Marinaforum, da waren auf der städtischen Wahlparty weder der neue Oberbürgermeister Thomas Burger (SPD) da noch das Wahlergebnis. Doch um 18.50 Uhr war es absehbar, dass Burger gewinnen würde, auch wenn er mit nur 19,1 Prozent der Stimmen in die Stichwahl gegangen war gegen Astrid Freudenstein (CSU), die vor zwei Wochen noch 37,5 Prozent errungen hatte. Am Sonntagabend allerdings lag Burger dem vorläufigen Endergebnis zufolge mit 53,2 Prozent der Stimmen vorn, was er „unglaublich, einfach unglaublich“ nannte.
„Dass es eine knappe Kiste wird, damit habe ich gerechnet“, räumte er ein. „Dass das Ergebnis jetzt so schön ausfällt, ist wirklich wunderbar“, ergänzte Burger. „Ich bin meinem gesamten Team unendlich dankbar, weil es wirklich eine Gemeinschaftsleistung war, dass wir wirklich alle in der Partei zusammengestanden sind“, sagte Burger. Und die „ganze Unterstützergemeinde“ habe eine positive Energie erzeugt, die auch mich getragen hat“, sagte Burger, der damit anspielte auf die Wahlempfehlungen, die er in den vergangenen zwei Wochen erhielt. Er vermute, die Wähler habe überzeugt, dass er das „Miteinander“ lebe, „dass ich zuhöre, auf die Menschen zugehen kann“. Als Themen, denen er sich zuerst widmen wolle, nannte der neue Oberbürgermeister den städtischen Haushalt, bezahlbares Wohnen, Mobilität und Sicherheitsheitspolitik als „soziale Aufgabe“.
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Der 55 Jahre alte promovierte Physiker, der bisher als Manager in der Industrie tätig war, hatte sich zunächst parteiintern in einer Kampfkandidatur als OB-Bewerber gegen gegen den früheren Europaabgeordneten Thomas Rudner durchgesetzt, für den sich die damalige Parteispitze mehrheitlich ausgesprochen hatte. „Einen Start vielleicht nicht ohne Holpern“ nannte dies Burger am Sonntagabend.
Rekordzahl an Kandidaten im ersten Durchgang
Im ersten Durchgang der Oberbürgermeisterwahl hatten sich die Stimmen auf Kandidaten aus zwölf Parteien und Gruppierungen verteilt, ein Rekordwert. Die Grünen, deren Bewerberin Helene Sigloch nur 0,2 Prozentpunkte weniger Stimmen hatte als Burger, riefen zu einer „sozial-ökologischen Wende“ mit dem SPD-Mann auf. Wahlempfehlungen von Brücke, ÖDP und der paneuropäischen Partei Volt folgten. Auch Jakob Friedl (Ribisl-Partie) unterstützte Burger. Die Linke rief dazu auf, „Astrid Freudenstein zu verhindern“.
Die CSU-Politikerin, die in der Stichwahl 2020 gegen die noch amtierende SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer verloren hatte, stellte sich den Medien bereits um 18.45 Uhr. „Wir sind natürlich enttäuscht. Wir haben wirklich lange, lange gekämpft mit einer fulminanten Teamleistung. Aber es hat einfach nicht gereicht“, sagte die 52-Jährige. „Und das schauen wir uns dann an und schauen nach vorne.“ Die Frage nach den Ursachen beantwortete Freudenstein mit einem Verweis auf andere Großstädte. „Augsburg haben wir auch verloren“, sagte sie, dort setzte sich ebenfalls der SPD-Bewerber in einer Stichwahl durch. In München habe der SPD-Bewerber verloren, dort gewann der grüne Kandidat. „Die Städte ticken, wie sie ticken“, so Freudenstein. Sie hatte zwei Wahlempfehlungen bekommen: von den Freien Wählern sowie der jungen, CSU-nahen Liste Zukunft. Die gelernte Journalistin mit Doktortitel amtiert nach einer Station in Berlin als Bundestagsabgeordnete und Ministerialdirektorin im Verkehrsministerium seit 2020 als Sozialbürgermeisterin.
Noch-Oberbürgermeisterin ist „sehr erleichtert“
Noch-OB Maltz-Schwarzfischer zeigte sich „sehr erleichtert“, dass sie ihr Amt an ihren Wunsch-Nachfolger übergeben kann. „Ich habe von Anfang an daran geglaubt, dass er der Richtige ist“, lautete ihr Kommentar zur Wahl. Nun sei es „gut, dass es so deutlich ist“.
Auch Maltz-Schwarzfischer hatte in der Stichwahl das Mehrheitsverhältnis zu ihren Gunsten gedreht, aber sehr knapp gewonnen: mit 50,7 Prozent, Freudenstein hatte 2020 nur 946 Stimmen weniger. Die CSU war damals zunächst mit 29,5 Prozent vorn gelegen, Maltz-Schwarzfischer hatte im ersten Durchgang 22,2 Prozent der Stimmen bekommen, also etwas mehr als Burger vor zwei Wochen. Mit Burgers Sieg errang die Regensburger SPD nun zum dritten Mal in Folge das OB-Amt; seit 2014 wird die Stadt rot regiert. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,2 Prozent und damit deutlich niedriger als im ersten Wahlgang, als 57,7 Prozent abgestimmt hatten.