Wie im Rausch: Thomas Burger wollte fast aufgeben – Jetzt ist er Regensburgs Oberbürgermeister

Von Philip Hell · 22. März 2026 um 23:24

Will man die Geschichte von Thomas Burgers Sieg im Rennen um das Regensburger Rathaus erzählen, beginnt man vermutlich am besten am 8. April 2025 – und hört auf am 22. März 2026 um 21.10 Uhr. Also: Legen wir los.

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April 2025: Aus der SPD sickert durch, dass Gertrud Maltz-Schwarzfischer nicht mehr für das Oberbürgermeisteramt kandidiert. Politische Beobachter hatten erwartet, dass dann Burger, immerhin Fraktionsvorsitzender, zum Zug kommt. Es kommt anders: Die SPD präsentiert Thomas Rudner als OB-Kandidaten. Burger spielt mit dem Gedanken, die Kommunalpolitik an den Nagel zu hängen. Spürt aber derart viel Rückenwind, dass er sich dem Kampf stellt – und gewinnt.

Ein kleiner Zeitsprung. Sonntagsbend im Marinaforum. Burger ist seit 34 Minuten offiziell gewählt. Er hat gejubelt, zahllose Hände geschüttelt, in unzählige Mikros gesprochen und in massig Kameras geblickt. Wie er heute auf die Sache vor einem Jahr blickt? „Es war damals emotional sehr herausfordernd.“ Es habe zum einen gezeigt, dass sich die SPD gut mit sich auseinandersetzen könne, sich aber auch gut einigen könne. Nicht erst im Wahlkampf habe sich dann aber gezeigt: „Wir halten zusammen.“

Stichwahl in Regensburg: Hat die Noch-OB Tipps für ihren Nachfolger?

Mehr als offensichtlich wurde das, als der SPD-Tross in das Marinaforum einzog. Laute „Thomas, Thomas“-Rufe gellten durch den Saal. Wie es dem so Angejubelten geht? Burger schweigt kurz. „Wunderbar.“ Er sei gerade noch dabei, das Ganze zu realisieren. „Das ist schon wie ein kleiner Rausch.“ Seit Wochen, ach was: Monaten, bediene man nur noch die Wahlkampfmaschine.

An vorderster Front dabei: Sebastian Koch, Bürgermeister von Wenzenbach und Unterbezirksvorsitzender der SPD. Die Stimmung in der Partei sei inzwischen wieder gut, sagt Koch. Natürlich habe es damals Wirbel gegeben. „Aber im Großen und Ganzen hat es gezeigt, dass Leben in der Partei steckt.“ Koch resümierte: „Egal für welchen Thomas man war, wichtig ist, dass wir wieder das Rathaus erobern – und das ist ja jetzt geglückt.“

Apropos Rathaus: Dort residiert bis zum 30. April noch Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Natürlich ist es schöner, meinem Wunsch-Nachfolger die Amtsgeschäfte zu übergeben“, sagte das Stadtoberhaupt. Thomas Burger sei definitiv der Richtige für den Posten. Ob sie einen Tipp für ihn habe? So als Noch-OB zu Bald-OB? „Das muss jeder für sich selbst entwickeln. Aber ich kann ihm sagen: Erwarte nicht, dass es so wird, wie du es dir vorstellst. Und verlier deinen Weg nicht aus den Augen.“ Die restlichen Tipps, die gebe sie nicht öffentlich, sagte das scheidende Stadtoberhaupt im Marinaforum.

Ein paar Meter weiter hinten steht das neue Stadtoberhaupt. Er hat gerade in eine Kamera gesprochen, es wartet ein Pulk Menschen auf ein Selfie. Und daneben steht Elisabeth Christoph und lächelt. Dadurch, dass Burger OB wird, zieht sie doch noch erneut in den Stadtrat ein. „Ich habe sehr mitgezittert“, gibt sie unumwunden zu. Sie habe sehr viel Wahlkampf gemacht. „Ich habe sehr gehofft, dass er OB wird. Es ist mein fünfter Wahlkampf. Das ist für mich eine Sensation.“ So ein Wahlabend, der ist emotional – dabei spielt mitunter nicht einmal das Parteibuch eine Rolle. Bestes Beispiel: Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet, der SPD-Chef Alexander Irmisch um den Hals fällt. „Es fällt gerade viel Anspannung ab, die letzten Wochen waren nicht einfach“, sagt Irmisch, als er sich aus der Umarmung gelöst hat. „Dieser Sieg der progressiven Parteien ist ein gutes Zeichen für die Stadt.“

SPD feiert ihren Wahlsieg in Regensburg: „We are the Champions“ in der Schierstadt

Szenenwechsel: Stadtamhof. Schierstadt. Alexander Irmisch steht hinter dem Tresen seines Cafés, macht und tut. Aus den Boxen dröhnt „We are the Champions“ – was auch sonst. Das Lied läuft nicht nur einmal. Die Schierstadt ist proppenvoll. Selbst Genossen scherzen, dass man das bei der SPD nicht alle Tage sehe. Neben zahlreichen Vertretern anderer (eher progressiverer) Parteien ist natürlich alles, was Rang und Namen bei den Sozialdemokraten hat, in die Schierstadt gekommen – so zum Beispiel die Bundestagsabgeordnete in Berlin. Sektchen? Sie hält eine Cola ohne Zucker in den Händen. Das Wahlergebnis? „Der Hammer“, sagt sie. „Ich habe es nicht erwartet. Da bin ich ganz ehrlich.“ Regensburg sei ein schwieriges Pflaster, die Grünen, die Brücke. „Es war ein toller Erfolg.“ Was sie Burger rate? „Ich habe ihm vorher schon gesagt, dass jetzt ein wilder Ritt auf ihn wartet. Die nächsten Tage und die nächsten sechs Jahre.“ Er müsse wirklich eine Politik machen, die spürbar das Soziale, mithin den Kern der SPD, nach vorne bringt. „Damit es in sechs Jahren eben nicht heißt, dass es wurscht ist, ob die oder die.“

Das dürfte keine ganz leichte Aufgabe sein für den neuen Oberbürgermeister. Aber Moment: Wo ist der eigentlich? Es wird halb neun, Burger lässt auf sich warten. Es wird dreiviertel neun. Wasserstandsmeldungen kursieren. „Er ist mit uns losgefahren“, behauptet ein Grüner. „Aber er halt mit dem Auto, da braucht er länger.“ Es wird neun Uhr. „Na ja, der wird sich vor lauter Händeschütteln nicht retten können“, sagt ein Partygast.

Und dann, ja dann ist der 22. März 2026, 21.10 Uhr. Thomas Burger kommt vor der Schierstadt an, grinst breit, wird geherzt von seinen Genossen – und dieser 8. April 2025? Der gehört jetzt endgültig der Vergangenheit an. Und will man die Geschichte vom Oberbürgermeister Thomas Burger erzählen, man beginnt sie wohl am besten am 22. März 2026, um 21.10 Uhr