Akzente der Kommunalwahl: Warum es im Bayerischen Wald überraschende Ergebnisse gab

Die jüngsten Gewinner, die Kandidaten mit Promistatus und Bürgermeister, die nicht kandidierten, aber gewählt wurden: So hat die Oberpfalz und Niederbayern gewählt und dabei mehrere bayernweite Besonderheiten hervorgebracht.
Kommunalwahlen sind spannend. Man weiß nie, wie sie ausgehen. Schließlich geht es weniger um Parteizugehörigkeit als um Persönlichkeit. Das bekam auch die AfD am Sonntag empfindlich zu spüren. Der klassische Protestwähler verschaffte der Partei keine Oberbürgermeister- oder Landratsposten. Aber auch bei Kandidaten der sogenannten Altparteien gab es am Wahlabend bisweilen lange Gesichter. Und das nicht nur in München bei OB Dieter Reiter. Wir werfen einen Blick auf die Besonderheiten in Ostbayern. Auf die Youngsters, die Promi-Kandidaten und besondere Ergebnisse.
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■ Die Abräumer: 80 oder gar über 90 Prozent der Wählerstimmen – davon konnten die meisten Kandidaten am Sonntag nur träumen. Und doch gibt es sie, diese Abräumer. Zu ihnen gehört Sebastian Gruber (CSU). Der bisherige Amtsinhaber holte im Kreis Freyung-Grafenau 89,1 Prozent der Stimmen bei der Landratswahl. Er hatte einen Gegenkandidaten. Im Landkreis Deggendorf glänzte Bernd Sibler (CSU) mit 73,1 Prozent der Stimmen bei zwei Mitbewerbern. Im Vergleich zur Wahl 2020 konnte der frühere Wissenschaftsminister mehr als 20 Prozent zulegen. Trotz eines Minus von 7,8 Prozent zählt auch die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (FW) mit 60,3 Prozent zu den erfolgreichsten Stimmensammlern in Bayern, ebenso wie Andreas Meier (CSU) der mit 64,8 Prozent als Landrat in Neustadt an der Waldnaab bestätigt wurde. Mit 63,8 Prozent sicherte sich auch der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger (CSU) seine Wiederwahl – trotz Verlusten von über zehn Prozent. In Beratzhausen (Lkr. Regensburg) konnte Bürgermeister Matthias Beer (CSU) mit 86,1 Prozent der Stimmen seine Wiederwahl gegen einen Gegenkandidaten der Grünen sichern. Beer wirkte am Montagmorgen überwältigt von der Zustimmung. Er habe zunächst gar nicht realisiert, was das bedeute, sagte er. Er sei „total geflasht“.
Die Gen Z erobert die Rathäuser und Landratsämter
■ Die Youngster: Ist man mit Mitte 20 schon reif genug, um die Verantwortung für eine Kommune zu übernehmen? In mehreren Markt- und Gemeinderäten darf nun die Gen Z ihre Führungskompetenz unter Beweis stellen. Eine Überraschung gab es etwa in Nittendorf (Lkr. Regensburg). Dort übernimmt der 28-jährige Johannes Bawidamann (CSU) die Geschäfte von Amtsinhaber Helmut Sammüller (FW), der sich zum dritten Mal zur Wahl stellte. Bawidamann reagierte bei der Bekanntgabe mit Kopfschütteln und feuchten Augen auf das Wählervotum. Mit der 27-jährigen Veronika Traurig (CSU) dürfte die wohl jüngste Bürgermeisterin Bayerns im Landkreis Cham zu Hause sein. Traurig setzte sich mit gut 61 Prozent der Wählerstimmen deutlich gegen ihren Mitbewerber ab und übernimmt nun im Rathaus Pemfling die Amtsgeschäfte. In Günzburg wurde mit Michael Jahn (SPD/FW) ein 30-Jähriger Oberbürgermeister, in Kulmbach der 27-jährige Jonas Gleich (CSU) Landrat.

■ Die Promis: Man kennt sie aus Kochsendungen, dem Sport oder der Werbung. Auch Prominente haben in Bayern kommunalpolitische Verantwortung übernommen. In Kulmbach wurde TV-Koch Alexander Herrmann („The Taste“) für die CSU in den Kreisrat gewählt, obwohl er auf dem 50. und letzten Listenplatz kandidierte. Die aus der Werbung bekannte „Kaffee-Gräfin" Stephanie von Pfuel ist für die Liste der CSU angetreten und wieder zur Bürgermeisterin von Tüßling gewählt worden. Ein Amt, das sie bereits bis 2020 innehatte. Mit Max-Emanuel Montgelas (29) wurde ein Ur-ur-ur-urenkel des Staatsreformers Maximilian von Montgelas, zum CSU-Bürgermeister in Gerzen bei Landshut gewählt. Rennrodler und Olympiasieger Alexander Resch muss in Berchtesgaden in die Stichwahl als Bürgermeister. Er tritt für die CSU an. Ski-Legende Hilde Gerg sitzt künftig für die CSU im Gemeinderat Schönau am Königssee. Extremkletterer Alexander Huber wollte mit der Bürgerliste in den Marktgemeinderat Marktschellenberg einziehen. Er bekam allerdings nicht das notwendige Wählervotum.

Zwei Bürgermeister, die gar nicht kandidiert haben
■ Die Kuriosa: Nicht ganz freiwillig startet der 64 Jahre alte Bürgermeister der Gemeinde Philippsreut im Bayerischen Wald in eine weitere Amtszeit. Helmut Knaus hatte nicht mehr kandidiert. Doch die Bürger haben ihn dennoch wiedergewählt. Nun hängt er noch einmal sechs Jahre an. Ähnlich ergeht es auch Florian Adam in Eschlkam (Lkr. Cham). Er ist zum Bürgermeister der Marktgemeinde gewählt worden, obwohl auch er nicht kandidiert hatte. „Das ist das krasseste Zeichen, das eine Demokratie setzen kann“, sagte Adam in einer ersten Stellungnahme. Ein anderes Kuriosum gibt es in Breitbrunn am Chiemsee: Dort muss Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) mit 47,7 Prozent Wählerstimmen in die Stichwahl, obwohl er keine Konkurrenten hatte. Der Gegenkandidat? Noch unklar.
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Überblick über die Erfolge der Parteien in Ostbayern
CSU: Die CSU dominiert in Ostbayern. In Schwandorf, Neustadt/Waldnaab und Amberg-Sulzbach setzen CSU-Kandidaten ihre Arbeit fort. In Neumarkt, Cham, Tirschenreuth gehen CSU-Kandidaten in der Stichwohl, ebenso wie für die OB-Ämter in Regensburg, Schwandorf und Weiden. In den Kreisen Deggendorf und Freyung-Grafenau und der Stadt Passau siegten CSU-Amtsinhaber. In Passau siegte die CSU/BU, in Dingolfing-Landau die CSU/JBL. In die Stichwahlen in Kelheim, Straubing-Bogen und Dingolfing-Landau geht die CSU mit Stimmenvorsprung.
Freie Wähler: Der Landkreis Regensburg bleibt in der Hand der Freien Wähler. Neben Tanja Schweiger konnte sich die Partei zwei weitere Landratsposten in Schwaben und Unterfranken sichern. In Niederbayern geht die Partei mit Vorsprung in Rottal-Inn und Landshut in die Stichwahl.
AfD: Der aussichtsreichste AfD-Landratskandidat Stephan Protschka schaffte es im Kreis Dingolfing-Landau nicht in die Stichwahl. Auch der ehemalige Regensburger Landtagskandidat Benjamin Nolte belegte in Weilheim-Schongau nur Platz 4 bei der Landratswahl.