Verurteilter Bombenbastler präsentiert in Regensburg nächste Version und erklärt die alte Tat

Von André Baumgarten · 9. Juli 2026 um 05:00

35-Jähriger aus Burglengenfeld (Kreis Schwandorf) steht wegen Drogenhandel und Waffenbesitz in Obertraubling vor Gericht. Nach viel Hin und Her über Sex-Partys und dafür beeinflusste Zeuginnen hat ein psychiatrischer Gutachter nun eine Sicherungsverwahrung für den Mann bejaht.

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Ist ein 35-Jähriger so gefährlich, dass er in Sicherungsverwahrung gehört? Eine Antwort darauf wird das Landgericht, wo sich der Mann für bewaffneten Drogenhandel und Waffenbesitz in Obertraubling zu verantworten hat, erst im Urteil geben. Laut eines Gutachters ist er „zwar kein Hochrisiko-Proband“, alle Voraussetzungen für das schärfste Schwert der Justiz aber bejahte der Sachverständige. Das wollte der Angeklagte nicht hinnehmen und präsentierte seine nächste Version zur Anklage.

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Dass eine Sicherungsverwahrung in Betracht kommt, liegt an der Vorgeschichte des Mannes: Er hatte 2019 eine Rohrbombe gebastelt und einen Helfer losgeschickt, um sie an der Polizeiinspektion in Burglengenfeld zu deponieren. Der andere aber bekam kalte Füße und alles flog auf. Fünfeinhalb Jahre kassierte der 35-Jährige dafür und musste eine Drogentherapie machen. Doch er geriet erneut ins Milieu und soll laut Anklage im ganz großen Stil mit Rauschgift gehandelt haben.

Hin und Her mit immer neuen Einlassungen

Das bestritt der Mann gestern aber erneut vehement. Das Hin und Her seiner Einlassungen ergänzte er nun um eine weitere Version. Doch wie so vieles von dem, was er als Erklärung präsentiert hatte, hielt kritischen Nachfragen wenig bis nicht stand. Zunächst hatte der Mann gestanden, dann widerrufen und von Sex-Partys mit zwei Frauen berichtet. Dass er zu deren Aussagen vor Gericht wohl „ein bisschen nachgeholfen“ habe, räumte er erneut ein.

Offenbar hatten er und mehrere Personen aus seinem Umfeld die Zeuginnen beeinflusst. Die Staatsanwaltschaft in Regensburg ermittelt bereits und auch Angehörige sollen im Fokus stehen. Als das alles aufflog, bezichtigte er einen anderen Mann, der Besitzer des im Dezember in Obertraubling beschlagnahmten Stoffs zu sein. Auch den Namen des vermeintlichen Lieferanten von scharfen Waffen, die Teil der Anklage sind, hatte er genannt.

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In den Details aber verzettelte er sich immer mehr. Schlüssige Erklärungen zu recht eindeutigen Chats über Drogengeschäfte konnte der 35-Jährige bei der erneuten „Verbesserung“ seiner Einlassung auf Nachfragen von Gericht und Anklage nicht liefern. Vorsitzender Richter Zenger wurde da erneut deutlich: „Mindestens drei Versionen widersprechen sich.“

So etwas wie Einsicht ist aber nicht zu erkennen – vielmehr wird offenkundig, dass aus dem Angeklagten wohl die Drogen sprechen. „Ohne Meth fühle ich mich nicht als Mensch“, erklärte er. Nur mit funktioniere „alles besser oder normal für mich“. Eine Suchtabhängigkeit bestätigte Gutachter Dr. Dietmar Wirtz denn auch, Chancen für eine zweite Therapie sah er allerdings nicht. Vier Jahre lang habe der Angeklagte eine solche bereits absolviert. „Ich wüsste nicht, was man ihm therapeutisch anbieten könnte“, so Wirtz.

Angaben zur Rohrbombe gegen die Polizei

Nach dem psychiatrischen Sachverständigen versuchte der 35-Jährige aufs Neue wortreich, auch die mit Quecksilber gefüllte Rohrbombe von 2019 zu erklären. Mit der attestierten Kränkbarkeit habe das nichts zu tun, gab er an. Rückblickend, räumte er ein, sei das damals „nicht meine Sternstunde gewesen“. Es sei ihm um Vergeltung gegangen, nicht um Hass, wie das Landgericht in Amberg es einst bewertete. „Das war der größte Fehler, den ich gemacht habe in meinem ganzen Leben.“

Ob für ihn nach einer wohl sehr langen Haft tatsächlich eine Sicherungsverwahrung steht, ist offen. Fakt ist: Er bestreitet nach wie vor, jemals mit Drogen gedealt zu haben. Waffen hätten eine große Faszination auf ihn – doch er lehne jede Form von Gewalt ab. Ein „abstraktes Risiko“ für künftig schwere Gewalttaten aber gebe es sicher, so der psychiatrische Gutachter auf Nachfrage.

Ende Juli soll es nun weitergehen im Prozess. Ob der 35-Jährige aus Burglengenfeld dann mit Beweisanträgen und womöglich einem Wahlverteidiger aufwartet, blieb vorerst offen. Auf der Suche ist er jedenfalls noch einem solchen, wie am Rande des Prozesstages klar wurde.