Burglengenfelder in Regensburg vor Gericht: Dealte verurteilter Bombenleger groß in Obertraubling?

Ein 35-Jähriger mit sehr düsterer Vergangenheit und viel Hass auf die Polizei steht in Regensburg vor Gericht. Mit einem Sprengsatz voll Quecksilber und seiner Flucht nach Mallorca machte der Mann vor Jahren Schlagzeilen. Sogar Extremismus-Spezialisten aus München ermittelten. Jetzt stehen mehr als sieben Jahre Knast im Raum.
Koks und Crystal Meth soll ein 35-Jähriger über knapp zwei Jahre verkauft haben – im großen Stil. Von Drogen im Kilobereich ist laut Ermittlern die Rede. Auch seine Leidenschaft für Waffen spiegelt sich in der Anklage wider. Denn der Mann aus Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) ist kein Unbekannter: 2019 plante er aus Rache einen Bombenanschlag mit Quecksilber auf die dortige Polizei.
Rückblick: Im Februar vor sieben Jahren waren Spezialkommandos in einem Neubaugebiet nötig, weil eine Rohrbombe gefunden wurde. Knapp drei Wochen später war der mutmaßliche Bombenleger identifiziert und die Kripo rückte zur Durchsuchung bei ihm an. Doch der Mann war da längst über alle Berge und hatte sich nach Mallorca abgesetzt.
Generalstaatsanwälte führten die Ermittlungen
In einem Ferienhaus in Peguera, im Südwesten der Baleareninsel, hielt er sich versteckt. Die Guardia Civil nahm ihn fest, als er den Müll wegbrachte. Später sprachen spanische Behörden gar von „engen Kontakten“ des Mannes zu rechtsextremistischen Kreisen und Reichsbürgerbewegung – bestätigt hatte sich das am Ende allerdings nicht.
Viel mehr wurde bis zum Prozess vor dem Amberger Landgericht über den Fall auch nicht bekannt. Alle Ermittlungen führte die für Terrorismus und Extremismus zuständige Zentralstelle (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft in München. Sie vertraten letztlich auch die umfangreiche Anklage gegen den heute 35-Jährigen und einen Helfer, der involviert war.




Vor Gericht räumte der Angeklagte dann ein, die Bombe im Keller gebastelt zu haben. Er habe sich für eine Polizeikontrolle zu Jahresbeginn rächen wollen – im Sprengsatz war eine Glasröhre mit Quecksilber verbaut, um die Beamten zu vergiften, so Experten. Fünf Jahre und sechs Monate kassiert der als Drogenkonsument seit Jahren bestens bekannte Burglengenfelder im Januar 2021.
Die Richter vorordneten dem heute 35-Jährigen einst zudem einen Entzug. Eine Chance für den Suchtkranken, die offenbar keinen nachhaltigen Erfolg hatte – im neuen Prozess vor der fünften Strafkammer des Regensburger Landgerichts geht es nun um organisierten Drogenhandel. Wöchentlich soll er rund 100 Gramm Kokain und Methamphetamin verkauft haben. Angeklagt sind jedoch nur einzelne Fälle im Herbst 2025.

Zudem geht es um Nötigung, Bedrohung, Waffenbesitz und wieder eine Bombe. Im November soll er einem Schuldner gedroht haben, sein Haus zu sprengen, wenn er offene Rechnungen nicht zahle. „Ich kann 2 Sachen gut c verkaufen und bomben bauen.“ So steht es im Chat, den Ermittler auswerteten. Anfang Dezember vergangenen Jahres griffen sie zu und stellten Drogen und ein Arsenal an Waffen sicher – inklusive selbst gebastelter Totschläger.
Drei Tage hat Vorsitzender Richter Zenger für den Prozess gegen den Mann aus Burglengenfeld angesetzt, der zuletzt in Obertraubling lebte und hier sein Rauschgiftgeschäft betrieben haben soll. Dem 35-Jährigen droht nun erneut eine längere Haftstrafe. Die Anklage lautet auf bewaffnetes Handeltreiben mit Drogen in nicht geringer Menge, Nötigung, Bedrohung und verschiedenste Waffendelikte.
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Zu Prozessbeginn am Dienstagnachmittag bat Strafverteidigerin Prabhlin Sidhu, die den Angeklagten vertritt, zunächst um ein Rechtsgespräch. Hinter verschlossenen Türen wurden dann die Details nichtöffentlich besprochen. Zu einem Deal kam es zwar nicht, aber es erfolgte dann eine Teileinlassung zu den schweren Vorwürfen gegen ihn. Einiges von dem, was in der Anklage steht, ließ der 35-Jährige seine Anwältin vehement bestreiten. Zwei Anklagepunkte waren da bereits eingestellt worden.
Sicherungsverwahrung ist nicht ausgeschlossen
Die Richter hatten dafür dennoch eine Strafe von deutlich über sieben Jahren in den Raum gestellt. Noch empfindlicher jedoch dürfte für den Mann sein, dass auch eine Sicherungsverwahrung nicht ausgeschlossen scheint. Ein Gutachten dazu lag allerdings erst seit Montag vor.

Anwältin Sidhu sieht vielmehr dringenden Therapiebedarf für ihren Mandanten. Beim ersten Versuch seien in der Nachsorge und auch -betreuung aus ihrer Sicht grobe Fehler passiert. Ob das Landgericht der Argumentation folgt, wird sich zeigen. Die Voraussetzungen für eine Maßregel wurden im Herbst 2023 deutlich verschärft.
Ein Urteil in dem Fall soll wohl erst Anfang Juli fallen. Zu den drei vom Vorsitzenden Richter Zenger bereits geplanten Sitzungsterminen wurde am Dienstag ein weiterer festgelegt.