Kokain für Sex-Party statt zum Dealen? Verurteilter Bombenbastler widerruft Geständnis

Von André Baumgarten · 15. Juni 2026 um 19:00

Angeklagter (35) aus Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) hat düstere Vergangenheit: In Regensburg erhebt der Mann schwere Vorwürfe gegen das Landgericht und auch seine Verteidigerin. Und er packt zu Details der Vorwürfe aus. Dennoch droht der Prozess nun zu platzen.

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Anfang 2019 plante er einen feigen Bombenanschlag mit Quecksilber, um sich an Polizisten in Burglengenfeld (Lkr. Schwandorf) zu rächen. Nun steht der heute 35-Jährige erneut vor Gericht. Zunächst hatte er bei Prozessstart eingeräumt, in Obertraubling (Lkr. Regensburg) mit Drogen gehandelt zu haben. Doch Tag zwei im Prozess bot einige Sprengkraft.

Denn der Angeklagte hat am Montag sein Geständnis von vor knapp einer Woche widerrufen. Er will dazu gedrängt oder sogar gezwungen worden sein, gibt er an. Stattdessen führt er eine wilde Sexparty mit Koks an und nennt nicht nur zu diesem Vorwurf auch konkrete Namen. Seine Anwältin zieht kurz darauf die Reißleine und legt ihr Mandant nieder.

Arsenal an Waffen im Dezember sichergestellt

Von rund 100 Gramm Kokain und Crystal Meth, mit denen der 35-Jährigen Woche für Woche von seiner Wohnung in Obertraubling aus gedealt haben soll, ist in der Anklage gegen ihn die Rede. Problematischer allerdings sind die scharfen Schusswaffen, die Ermittler im Oktober in einem Beutel im Keller sicherstellen. Als die Kripo fünf Wochen später zur Durchsuchung anrückt, finden sie selbst gebaute Totschläger und auch Messer.

Eines davon, so erläuterte der Angeklagte am Montag wortreich, sei für Sexspielchen gedacht gewesen. Eine mögliche Zeugin im Sitzungssaal wird daraufhin nach draußen geschickt. Überhaupt scheint dieses Thema für den 35-Jährigen eine ganz große Rolle zu spielen. Denn auch das Koks, das im Dezember bei ihm beschlagnahmt wurde, soll einen Bezug dazu haben – es sei für ein wilde Party mit zwei Frauen gedacht gewesen, deren Namen er dem Vorsitzenden Richter Zenger auf dessen Fragen auch nannte. Sie sollen ebenfalls als Zeugen aussagen; weitere Details seiner Angaben notierte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in Regensburg fleißig mit. Nachermittlungen wurden vom Gericht sofort beauftragt.

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Gut eineinhalb Stunden erläuterte der Mann mit der düsteren Vergangenheit seine neue Sicht der Dinge und berichtigte sich nach intensiven Fragen in einem Punkt gleich nochmal. Und das alles gegen den Rat seiner Anwältin. Die habe ihn zum falschen Geständnis gezwungen, behauptete er gar, und erhob auch gleich noch Vorwürfe gegen das Regensburger Landgericht, wogegen Zenger sich jedoch vehement verwahrte. Er sei „Manns genug“, so der Angeklagte, zu Sachen aus seiner Vergangenheit zu stehen, „aber nicht zu Sachen, die ich nicht gemacht habe“, betonte er. „Das kann ich einfach nicht zulassen.“

Besagte „Sachen“ aus seiner Vergangenheit sorgten 2019 für richtig viele Schlagzeilen. Nach dem Fund einer mit Quecksilber präparierten Rohrbombe rückten in Burglengenfeld einst Spezialeinheiten an. Ziel des Anschlags war die Polizei, an der er sich für eine aus seiner Sicht zu harte Rauschgiftkontrolle rächen wollte. Als etwas später dann die Kripo anrückte, um ihn festzunehmen, war der Mann allerdings längst über alle Berge. Er wurde schließlich auf Mallorca lokalisiert, von der Guardia Civil gefasst und ausgeliefert.

Steht der Mann bald ohne Verteidigerin da?

Das Landgericht in Amberg schickte den heute 35-Jährigen 2021 für fünf Jahre und acht Monate hinter Gitter. Zudem wurde damals eine Entzugstherapie angeordnet, die der seit vielen Jahren süchtige Mann absolvierte. Er wurde aber wohl wieder rückfällig. Darauf ließen seine detaillierten Ausführungen, die er gestern selbst vor Gericht machte, durchaus schließen.

Strafverteidigerin Prabhlin Sidhu beantragte nach den erhobenen Vorwürfen die Aufhebung ihrer Beiordnung als Anwältin, da zumindest aus ihrer Sicht das Vertrauensverhältnis „endgültig zerstört“ sei. Der 35-Jährige schien das ganz anders zu sehen. „Ich entlasse Sie nicht“, sagte er zu ihr auf dem Gang vorm Sitzungssaal, ehe Polizeibeamte ihn wegführten. Er sitzt sei der erneuten Verhaftung in U-Haft.

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte über seine Verteidigerin Prabhlin Sidhu (li.) einen Teil der Taten noch eingeräumt. Nun folgte der Widerruf. - Foto: Baumgarten

Zeugen, die derweil draußen gewartet hatten –darunter ein möglicher Abnehmer des Mannes, der selbst aus dem Gefängnis vorgeführt wurde– wurden unverrichteter Dinge wieder heimgeschickt. Sie wurden vorläufig auf den nächsten Termin umgeladen, wenngleich sich Vorsitzender Richter Zenger „in dem Verfahren nur noch bedingt wage, Prognosen zu stellen“, wie er anmerkte. Über Sidhus Antrag wolle die fünfte Strafkammer am Regensburger Landgericht eingehend beraten und „dann im Bürowege“ entscheiden.

Aussicht auf mildere Strafe dürfte dahin sein

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, müsste der Prozess mit einem neuen Anwalt komplett neu aufgerollt werden. Mit dem Widerruf des Geständnisse dürften auch die maximal acht Jahre und drei Monate, die das Landgericht dem Mann dafür in Aussicht gestellt hatte, vom Tisch sein. Sollte er in der Beweisaufnahme der angeklagten Taten überführt werden, drohen dem 35-Jährige nun sehr wahrscheinlich mehr als neun Jahre im Gefängnis.