Überraschende Wende im Prozess um Vergewaltigung in Regensburg: Droht Mann (44) Psychiatrie?

Nach ausführlichen Erklärungen zu der „Gehirnwäsche“, die in Wirklichkeit nur die Persönlichkeit des 44-Jährigen weiterentwickelt haben soll, fordert die Nebenklage eine intensive Prüfung seiner psychiatrischen Gesundheit. Der Gutachter im Gerichtssaal schrieb fleißig mit. Dem Mann wird vorgeworfen, im Frühjahr 2024 seine Ehefrau vergewaltigt zu haben.
Wegen Vergewaltigung in der Ehe steht ein 44-Jähriger seit Montag vor Gericht. An Tag drei nahm der Prozess gegen den Mann, der einst in führender Position tätig war, eine unerwartete Wende: Ihm droht womöglich die Unterbringung in der Psychiatrie. In einer Erklärung nach der nichtöffentlichen Aussage der Noch-Ehefrau verlor er sich in wirre Ausführungen über das Lesen morphischer Felder, Lichtfeldspektralanalysen seiner Persönlichkeit und forderte sogar einen Vaterschaftstest für die Kinder.
Die Vorfälle, die den Akademiker vor das Landgericht gebracht hatten, datieren auf 2024. Im Frühjahr soll er laut Anklage seine Ehefrau vergewaltigt haben. Zu Prozessauftakt bestritt er das vehement und zog die Echtheit eines direkt nach einer Tat aufgezeichneten Gesprächs in Zweifel. Alles wäre immer einvernehmlich gewesen, gab er zu Protokoll. Das mutmaßliche Opfer sagte am Donnerstag aus, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Einiges davon, was die Frau vor Gericht aussagte, war am Freitag dann erneut Thema.
Noch-Ehefrau vertraute sich früh der Schwester an
Denn der Angeklagte erklärte sich dazu ausführlich. Die Wende in seinem Leben, so schilderte er es, sei ein wohl esoterischer Wochenendkurs und die folgende einjährige Intensivbegleitung von einem „Kurt“ gewesen. Er habe seinen Job gekündigt, sich als Berater selbstständig gemacht, „einen Weg gefunden, aufzuräumen“ und seine Persönlichkeit entwickelt. Von einer Wesensänderung, die mehrere Zeugen aus dem Umfeld in ihren Aussagen beschrieben, wollte er hingegen nichts wissen. Der 44-Jährige will nur gelernt haben, „auf mein Bauchgefühl zu hören und Grenzen zu setzen“.
Was die Noch-Ehefrau ihrer Schwester weit vor dem nächtlichen Polizeieinsatz und seiner Verhaftung schilderte, klang da anders: Schon zwei Jahre vorher erfuhr die Zeugin von Handgreiflichkeiten und regelmäßigen sexuellen Grenzüberschreitungen. Besagten Wochenendkurs habe sie ihm empfohlen. Dort sei nach den Worten des Angeklagten ein „roter Drache in ihn gefahren“ und er nannte sich nur mehr „der Auserwählte“, so die Zeugin. Sie sprach gar von „Gehirnwäsche“, die der Angeklagte wohl erfuhr.
Auch Kinder berichteten wohl von den Übergriffen
Auch ihre Eltern berichteten von unübersehbaren Veränderungen bei dem Mann, der einst der Traum-Schwiegersohn gewesen sei. Was in den vier Wänden ihrer Tochter geschah, hätten sie lange Zeit gar nicht mitbekommen. Blaue Flecken seien als Sportunfälle abgetan worden. Deutlichere Auffälligkeiten aber zeigten wohl die Kinder des Paares und berichteten bei ihnen von Angriffen auf ihre Mutter. Vorwürfe von Beleidigungen, die der Angeklagte in seiner ersten Einlassung erhoben hatte, bestritten sie vehement.
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Die Nebenklage regte am Ende des langen Sitzungstages am Freitag an, auch eine mögliche Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik ernsthaft zu prüfen. Aus der Sicht von Anwalt Shervin Ameri sei der 44-Jährige unbehandelt gefährlich. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Thomas Wenske soll im Verlauf des Prozesses ohnehin angehört werden. Er machte sich intensiv Notizen.
Vier weitere Verhandlungstage hat die neunte Strafkammer der Regensburger Landgerichts noch angesetzt. Nach derzeitiger Planung soll ein Urteil im Juli fallen.