Nach Brandanschlägen in der Oberpfalz: Gibt es weitere Vorfälle in Niederbayern?

Von André Baumgarten · 11. Juni 2026 um 19:00

Generalstaatsanwaltschaft und LKA Bayern ermitteln wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat in Pentling und in Regensburg. Kritische Infrastruktur war wohl das Ziel von Extremisten. Nun prüfen Ermittler weitere Vorfälle im ganzen Freistaat und auch das Bayernwerk als Netzbetreiber nimmt Stellung.

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Nach zwei Brandanschlägen auf kritische Infrastruktur in der Oberpfalz ermitteln Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat und Brandstiftung in Pentling und Regensburg. Die Ermittler haben weitere Vorfälle im Freistaat, auch in Niederbayern, ins Visier. „Wir prüfen mögliche Zusammenhänge“, bestätigt LKA-Sprecher Fabian Puchelt auf Nachfrage am Donnerstag.

Folgen, wie im baden-württembergischen Reutlingen, wo es nach einem Brandanschlag am Montag zu einem großflächigen Stromausfall kam, hatten die zeitlich fast parallelen Angriffe aus kritische Infrastruktur in der Oberpfalz nicht. So werden Einrichtungen oder Anlagen mit hoher Bedeutung für das Funktionieren des Gemeinwesens genannt. Ob es einen Zusammenhang nach Schwaben gibt, wird aber überprüft.

Zaun zur Anlage in Pentling wurde zertrennt

Was ist geschehen? Mehrere wohl aufeinander gestapelte Reifen an einem großen Strommast in Pentling (Landkreis Regensburg) sollen am Samstag „nicht funktioniert“ haben, heißt es aus Ermittlerkreisen. So gehen Täter bei ihren Attacken offenbar vor. Fakt ist: Das Feuer erlosch wohl von selbst wieder. Schaden an der Anlage entstand nicht.

„Hochspannung Lebensgefahr“ warnen gelbe Schilder von weitem. Nur zwei Baugitter am Zaun deuten darauf hin, dass hier etwas anders ist. Der Tatort des versuchten Sabotage-Akts liegt direkt an der Autobahn A3, im Norden Regensburgs. Einfach zu finden ist das Gelände nicht. Sieht man genauer hin, sind die Spuren zu erkennen: Die Maschen eines Zaunfeldes wurden an einem der hohen Pfosten etwa auf Brusthöhe wohl direkt zertrennt – so gelangten die Täter ins Innere.

In Regensburg und Pentling schlugen Unbekannte zu – Generalstaatsanwaltschaft und LKA ermitteln wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat. - Foto: Baumgarten

Was sie vor Ort zurückließen, haben Ermittler des Staatsschutzes längst sichergestellt. Spezialisten der Kriminaltechnik beim Landeskriminalamt in Bayerns Landeshauptstadt werten mögliche Spuren aus, heißt es dazu nur kurz. Mit weiteren Details ist man von offizieller Seite zurückhaltend. Kaum zu übersehen war dagegen ein Polizeihubschrauber, der am Mittwoch über Pentling kreiste und längere Zeit auch über der Donau stand, dem zweiten Tatort in Regensburg.

Am Pfaffensteiner Wehr brannte am frühen Montagmorgen dann ein Kabelschacht so massiv, dass der Rauch über die nahe Autobahn A93 zog. Die Täter hatten hier auch Erfolg. Die Flammen zerstörten wichtige Leitungen, wie ein Glasfaserkabel und die Ableitung zum Kraftwerk. „Sämtliche auf der Wehrbrücke verlegten Kabel“ seien laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau „beschädigt beziehungsweise zerstört“ worden, hieß es auf Nachfrage. Die Feuerwehr rückte nach etwa einer Stunde Löscharbeiten wieder ab; wenig später dann die Ermittler an.

„Wir gehen aktuell davon aus, dass es sich um eine extremistische Tat handelt.“Fabian Puchelt, Sprecher des Landeskriminalamts

Die für Extremismus, Terrorismus und Staatsschutz zuständige Generalstaatsanwaltschaft München und die Abteilung Staatsschutz des Landeskriminalamts Bayern führt die Ermittlungen wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat, wie Sprecher Sebastian Murer bestätigt. Zudem stünden versuchte und vollendete Brandstiftung im Raum.

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Recherchen der Mediengruppe Bayern belegen, dass ein Fokus bei den Ermittlungen auch auf „anderen Bränden“ liegt. Vorfälle im gesamten Freistaat werden überprüft, auch in Niederbayern. Dementiert wurde das vom LKA in München auf Nachfrage nicht. Für Details sei es zu früh, hieß es, die Ermittlungen stünden derzeit noch am Anfang.

Der Zaun zur Anlage in Pentling wurde zerstört, um ins Inneres des umzäunten Geländes zu gelangen. Provisorisch wurde er mit Baugittern gesichert. - Foto: Baumgarten
Der betroffene Strommast liegt unmittelbar neben der Autobahn A3 im Norden von Regensburg. - Foto: Baumgarten
Nennenswerter Schaden entstand beim Versuch, den Strommast bei Pentling zu zerstören, laut Bayernwerk Netz GmbH keiner. - Foto: Baumgarten

Michael Hitzek, Sprecher der Bayernwerk Netz GmbH, bestätigte, dass eine Anlage des Unternehmens mit Sitz in Regensburg vom „Sabotageversuch am Montag“ betroffen war. Es sei beim Versuch geblieben und habe keinen Versorgungsausfall gegeben. Nennenswerter Schaden sei ebenfalls nicht entstanden. Weitere Details – auch zu ähnlichen Vorfällen – könne man als Betreiber kritischer Infrastruktur nicht nennen. „Auch das gehört zu unserem Schutzkonzept“, so Hitzek.

Garching auch Ziel: Voller Schutz nicht möglich

Erst am Pfingstmontag waren zwei Strommasten in Garching das Ziel eines Anschlag. Dr. Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, sieht das als „offensichtlichen Beleg, dass kritische Infrastruktur mehr denn je zum Ziel gewalttätiger Attacken wird“. Man arbeite aktuell daran, den Schutz und die Resilienz der Netze wo möglich zu erhöhen. Doch: „Einen vollumfänglichen Schutz gegen extreme Gewalt wird es am Ende nicht geben können“, sagte Westphal.