Schmuggel-Zigaretten: Ein schmutziges Geschäft, das auch in der Region boomt

Von André Baumgarten · 15. Mai 2026 um 19:00

Millionen illegale Glimmstängel und Hunderte Kilo Shisha-Tabak stellt der Zoll jedes Jahr sicher – auch in der Oberpfalz und Niederbayern. Auffällig: Die Transporteure, die an der Autobahn gestellt werden, kommen immer wieder aus demselben Land in Südosteuropa. Eine Spurensuche.

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Fast neun Millionen Schmuggel-Zigaretten haben Zollfahnder in Niederbayern und der Oberpfalz 2025 sichergestellt. Das illegale Geschäft boomt – und es deutet einiges darauf hin, dass die Drahtzieher dahinter in der Türkei sitzen. Auffällig oft sind Tausende Stangen in Lkws aus dem Bosporus versteckt. Ein aktueller Fall aus Regensburg bestätigt das: Ein türkischer Trucker, der seit einem Aufgriff auf der A6 im November in U-Haft saß, hat jetzt ausgepackt. Dafür, dass er seinen Boss verriet, gab es am Ende doch Bewährung.

Beamten des Regensburger Hauptzollamts fiel der Mann im großen Sattelzug am 13. November auf der A6 auf. Er war unterwegs in Richtung Nürnberg, wurde für eine Kontrolle nach Wernberg-Köblitz (Lkr. Schwandorf) gebracht. Bilder der Lkw-Röntgenanlage bestätigten den Verdacht: Der 30-Jährige hatte Ladung, die nicht in seinen Papieren stand – in 60 Kartons fanden die Fahnder 3000 Stangen Zigaretten. Der Steuerschaden liegt laut Staatsanwaltschaft bei 125.000 Euro.

Spuren führen immer wieder in die Türkei

Fälle wie dieser sind jedoch Alltag für Oberpfälzer Zöllner. Der letzte größere Fang ging ihnen im Dezember ins Netz: In speziell präparierten Paletten stellten sie auf der Ladefläche eines Lastwagens 1,5 Millionen Zigaretten sicher. Schmuggelverstecke wie diese sind den Fahndern längst bekannt. Auffällig: Wieder ist es das Fahrzeug einer türkischen Spedition. Das bestätigte Nadine Striegel, Sprecherin des Hauptzollamts in Regensburg auf Nachfrage.

Der Zoll passe seine Kontrollen „ständig an neue Schmuggelmethoden an“, betonte sie. Täter würden immer kreativer und versteckten unversteuerte Zigaretten oft professionell und zwischen legalen Waren. Moderne Technik wie die vollmobile Röntgenanlage seien daher unverzichtbar. Hinter dem lukrativen Geschäft mit Schmuggel-Zigaretten „stehen häufig organisierte Gruppen“, so Striegel. Deshalb bleibe die Bekämpfung des Phänomens „ein wichtiger Schwerpunkt des Zolls“.

Die Fahnder aus Regensburg haben eine eigene Röntgenanlage für Lkw-Kontrollen. - Foto: Zoll

Die Zahlen für die Oberpfalz und Niederbayern (inklusive kleiner Teilen Oberbayerns und -frankens) sind durchaus ernüchternd: 28,2 Millionen unversteuerte Zigaretten wurden seit 2021 nur hier beschlagnahmt. Zuständig ist neben Regensburg auch das Hauptzollamt in Landshut. Ein Fund im März vergangenen Jahres sorgte hier für eine Verzehnfachung der Zahlen vom Vorjahr. Neben Paletten mit Toilettenpapier hatte ein Lastwagen zig Kartons mit mehr als 4,6 Millionen Zigaretten geladen. Der Steuerschaden lag bei fast einer Million Euro. Und wieder war es ein Transportunternehmen mit Sitz am Bosporus; am Steuer ein damals 55-jähriger Türke.

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Ein Grund, warum das Land immer wieder als Ursprung für den illegalen Handel mit Zigaretten auftaucht, ist der Preis: Statt 9,20 Euro, die eine Schachtel hierzulande im Durchschnitt kostet, sind in der Türkei teilweise zwei Euro oder weniger fällig. Die Gewinnmargen sind also exorbitant hoch. Das Risiko, erwischt zu werden, gemessen daran niedrig. Obgleich die Drahtzieher hinter dem Zigaretten-Schmuggel – ganz ähnlich wie bei Drogen – sich kaum bis gar nicht um Kuriere oder Fahrer scheren, die in Deutschland meist im Gefängnis landen, wenn sie erwischt werden.

So wie bei dem Mann, dem in Regensburg nun der Prozess gemacht wurde. Der 30-Jährige, dessen zwei Kinder seit Monaten auf den Vater verzichten mussten, machte reinen Tisch. Er legte nicht nur ein Geständnis ab, sondern räumte mehr ein, als in der Anklage wegen Steuerhinterziehung stand. Und er benannte den Chef des Unternehmens in der Türkei als den wahren Auftraggeber.

Verrat lohnte sich: Fahrer kriegt Bewährungsstrafe

Dieser Verrat sollte sich lohnen: Er bekam ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung, verließ das Gericht als freier Mann und durfte zurück in seine Heimat. Ungeklärt blieb, was mit dem sichergestellten Lkw und den Steuerschulden wird. Dazu steht ein Verfahren gegen die Firma des Mannes aus – deren Antrag, den Prozess zu vertagen, lehnte Richter Dr. Patrick Tschech ab. Haftsachen wie diese seien jedoch dringlich zu behandeln.

Der angeklagte Mann (re.) legte im Prozess vor dem Schöffengericht in Regensburg ein Geständnis ab und verpfiff zudem seinen Boss. - Foto: Baumgarten

Das Geschäft mit den am Fiskus vorbeigeschmuggelten Tabakwaren floriert: Laut Zoll-Jahresstatistik wurden nur vergangenes Jahr bundesweit 256 Millionen Stück beschlagnahmt. Auch das aber ist nur die Spitze des Eisberges: Sogar illegale Fabriken, wo mitten in Deutschland in Millionen-Stückzahl produziert wird, gibt es, wie ein Fall von Februar belegt.

Und auch Shisha-Tabak wird mehr und mehr zu einem Problem – hier gelang dem Zollfahndungsamt in München im Februar ein großer Fang: Ein 23-Jähriger soll bundesweit Ware verkauft haben. 245 Kilo Wasserpfeifentabak wurde bei einer Razzia sichergestellt. Und wieder führt eine Spur nach Niederbayern. In Straubing soll nämlich ein Abnehmer der syrischstämmigen Gruppierung sitzen.