Umringt von Stacheldraht: Hier kommt die Strom-Autobahn SuedOstLink kurz an die Oberfläche

Von Lorenz Nix · 11. Juni 2026 um 16:21

Die Anlage im Landkreis Schwandorf hatte für Debatten gesorgt, jetzt ist sie fertig. In Pfreimd verläuft der SuedOstLink für wenige Meter nicht als Erdkabel – sondern in etwa zehn Metern Höhe. Wofür braucht es das mit Nato-Stacheldraht geschützte Bauwerk?

Video ansehen

Wer aktuell viel in der Oberpfalz unterwegs ist, stößt immer wieder auf sie: Baustellen, scheinbar im Nirgendwo – auf Feldern, in Waldschneisen, neben Bachläufen. Gebaut wird am Megaprojekt SuedOstLink. Von der Trasse der Stromautobahn, die den Norden und Süden Deutschlands miteinander verbinden soll, wird später aber wenig zu sehen sein. In Bayern befindet sie sich überwiegend als Erdkabel im Boden – mit einer Ausnahme im Landkreis Schwandorf. Dort befindet sich, abgesehen vom Endpunkt der Leitung in Niederbayern, die einzige Stelle im Freistaat, an der das Kabel über wenige Meter an der Oberfläche verläuft. Für den Betrieb des SuedOstLinks erfüllt die seit kurzem fertiggestellte Kabelabschnittsstation (KAS) in Pfreimd eine zentrale Funktion.

Über diese Bauten sollen die beiden Kabel der SuedOstLink-Leitung verlaufen, die 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Für die Leitung mit Betriebsbeginn 2030 gibt direkt daneben die gleiche Anlage. - Foto: Lorenz Nix

Seinen Platz gefunden hat das Bauwerk im Ortsteil Weihern. Die Erdkabel, an denen jeweils eine Spannung von Hunderttausenden Volt anliegt, werden dort kurzzeitig in luftige Höhen gehoben. Etwa zehn Meter hoch sind die entsprechenden Isolatorbauten, über die dann die Leitungen gelegt werden – flankiert von rund 24 Meter hohen Blitzschutzmasten.

Die Anlage sollte also nicht zu übersehen sein. Nur: Wer von der Autobahn kommend auf den Pfreimder Ortsteil Weihern zufährt, hält zunächst vergeblich nach der KAS Ausschau. Erst wenn man das Dorf über eine schmale Straße wieder verlässt, öffnet sich hinter einer Kurve der Blick auf das 1,1 Hektar große, von Stacheldraht umzäunte Gelände.

Vertreter der IHK Regensburg lobt: „Hervorragende Öffentlichkeitsarbeit“

Dass die KAS in einer Art Senke sozusagen versteckt wurde, hat einen Grund. Das Bauwerk habe Diskussionen ausgelöst, sagte Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling am Dienstag anlässlich der Fertigstellung der Station. Der CSU-Politiker sprach in seiner Rede aber von einem „guten Ergebnis“.

Auch beim Netzbetreiber Tennet zeigte man sich überzeugt, das Bestmögliche getan zu haben, damit die KAS das Landschaftsbild möglichst wenig beeinträchtigt. Das Projekt SuedOstLink hatte in Bayern zeitweise für massive Debatten gesorgt. Mittlerweile sind die Konflikte rund um die neue Stromtrasse aber in großen Teilen beigelegt. Florian Rieder, Leiter der Geschäftsstelle Nordoberpfalz der für die Region zuständigen Industrie- und Handelskammer Regensburg, lobte in diesem Zusammenhang den Netzbetreiber Tennet für dessen „hervorragende Öffentlichkeitsarbeit“.

Wie Vertreter des Unternehmens am Dienstag noch einmal bestätigten, soll die Stromautobahn im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Für eine zweite, weitgehend parallel verlaufende Verbindung ist der Start dann für 2030 geplant.

SuedOstLink soll also schon bald Windstrom aus dem Norden Deutschlands in den industriestarken Süden der Bundesrepublik transportieren. Das war einer der Hauptgründe, warum das Projekt Anfang der 2010er-Jahre angestoßen wurde. Während der jahrelangen Planungen hat sich Bayern allerdings zum Photovoltaik-Land entwickelt. Die Trasse werde deshalb auch dabei helfen, überschüssigen Solarstrom, der die Netze im Freistaat belaste, in den Norden zu bringen, sagte Frank Messerer, der im bayerischen Wirtschaftsministerium für Energiepolitik zuständig ist, nun am Dienstag in Pfreimd.

KAS in Pfreimd als „Meilenstein“ für SuedOstLink

Die dortige Fertigstellung der KAS bezeichnete ein Tennet-Vertreter gegenüber der Mediengruppe Bayern als „Meilenstein“ für SuedOstLink. Für das Großprojekt erfüllt die Anlage eine wichtige Funktion. Die unterirdischen Leitungen werden dort an die Oberfläche geführt, um für Messungen und Routineuntersuchungen direkt darauf zugreifen zu können. Die KAS teilt die lange Erdkabeltrasse außerdem in einzelne Abschnitte. Wenn es zu einer Störung kommt, lässt sich dadurch schneller feststellen, in welchem Bereich das Problem liegt. Das soll etwaige Ausfallzeiten deutlich verringern.

Janin Sörgel, bei Tennet für die sogenannten Sonderbauwerke des SuedOstLinks zuständig, erklärte die Funktion der Kabelabschnittsstation. - Foto: Lorenz Nix

Insgesamt gibt es beim SuedOstLink fünf solcher Stationen – die im Landkreis Schwandorf ist die einzige in Bayern. Dass die Trasse statt geschützt im Boden dort für kurze Zeit in etwa zehn Metern Höhe verläuft, macht die Verbindungsstelle aber auch zu einem besonders sensiblen Punkt der wichtigen Nord-Süd-Verbindung. In der jüngsten Vergangenheit kam es immer wieder zu Anschlägen auf die Strominfrastruktur. So waren nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin Anfang des Jahres Zehntausende Haushalte und Betriebe tagelang ohne Strom. Am Montag brannte es zudem in einem Umspannwerk im baden-württembergischen Reutlingen. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.

Auch in Bayern gab es bereits Vorfälle. Für Aufmerksamkeit sorgten vor wenigen Wochen zwei mutmaßliche Brandanschläge auf zwei Hochspannungsmasten bei Garching im Landkreis München. Rund 15 000 Haushalte waren für etwa 45 Minuten ohne Strom. Auch in der Region ermittelt der Staatsschutz zu zwei Fällen aus den vergangenen Tagen: Am Montag brannte ein Trafo in Regensburg. Das Feuer wurde wohl vorsätzlich gelegt. Im benachbarten Pentling versuchten Unbekannte am Samstag, Strommasten in Brand zu setzen.

Tennet hält sich bedeckt: Wie ist die KAS in Pfreimd geschützt?

„Die letzten Tage waren ein offensichtlicher Beleg, dass kritische Infrastruktur mehr denn je zum Ziel gewalttätiger Attacken wird“, sagte Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzendes Netzbetreibers Bayernwerk, kürzlich nach den mutmaßlichen Sabotageakten in Garching. Man arbeite „aktuell daran, den Schutz und die Resilienz der Netze wo möglich zu erhöhen“, so der Chef des Unternehmens mit Sitz in Regensburg. „Einen vollumfänglichen Schutz gegen extreme Gewalt wird es am Ende nicht geben können.“

Tennet ließ sich bei der Fertigstellungsfeier der Kabelabschnittsstation in Pfreimd am Dienstag nicht in die Karten schauen, wie sich das Unternehmen gegen mögliche Angriffe wappnet. Konkrete Details könne man nicht nennen, sagte Unternehmenssprecher Torsten Grampp. „Aber vieles sehen Sie ja selbst.“ Tatsächlich ist der Schutz der Anlage kaum zu übersehen: Um das Gelände zieht sich ein massiver Metallzaun. Oben ist kein gewöhnlicher Stacheldraht angebracht, sondern Nato-Draht. Außerdem gibt es Überwachungskameras.