Besonderer Bayernwerk-Standort: Im Kreis Schwandorf lagert die Energiewende

Von Lorenz Nix · 14. Mai 2026 um 05:00

Das Bayernwerk investiert Millionen, um sein Stromnetz in der Oberpfalz zukunftsfähig zu machen. Ohne einen ganz bestimmten Standort des Unternehmens in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) würde auf den zahlreichen Baustellen aber nichts vorangehen.

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Wo sich sonst Schaltschränke, Bauteile für Trafostationen oder Kabelmuffen bis unter die Decke stapeln, herrscht gähnende Leere. Baut das Bayernwerk sein Stromnetz so rasant aus, dass dem Zentrallager des Unternehmens im Landkreis Schwandorf das Material ausgeht? Nicht ganz. Das Gebäude in Maxhütte-Haidhof bekommt ein neues Regalsystem. Doch damit ist der Umbau noch nicht beendet: Sobald die erste Halle wieder einsatzbereit ist, ist die Nachbarhalle an der Reihe. Die Tausenden Teile, die dort lagern, müssen dafür nach nebenan umgeschichtet werden. Für den Bayernwerk-Standort ist das ein enormer Aufwand – zusätzlich zu dem, den die Energiewende ohnehin schon täglich verlangt.

Denn deren Dynamik ist nach Ansicht des Verteilnetzbetreibers mit Sitz in Regensburg ungebrochen. „Neue Berechnungen zeigen, dass sich die Erzeugungsleistung der Erneuerbaren, überwiegend aus Photovoltaik und Windkraft, bis 2045 verdreifachen wird“, sagte Peter Ketterl, Leiter Technik Ostbayern, am Dienstag bei einem Pressetermin im Zentrallager. Ihm zufolge flossen im vergangenen Jahr 220 Millionen Euro in die Oberpfälzer Mittel- und Niederspannungsnetze des Bayernwerks. 2026 sei dieses „Rekordbudget“ nochmals um 27 Prozent auf 280 Millionen Euro gestiegen, sagte Ketterl.

Alte Trafohäuser weichen in der Oberpfalz Hightech-Stationen

Die Leiter der drei Oberpfälzer Bayernwerk-Kundencenter in Schwandorf, Weiden und Parsberg im Kreis Neumarkt gaben Einblicke, wofür die Millionensummen benötigt werden: Zwischen Regensburg und Tirschenreuth werden zum Beispiel zahlreiche alte Trafohäuser als sogenannte digitale Ortsnetzstationen neu gebaut. Mit der Hightech darin könne man 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche genau beobachten, wann wie viel Strom durch den Netzknotenpunkt fließe, erklärte Ketterl.

Eingebettet sind die Erneuerungen der Trafostationen meist in Projekte, bei denen beispielsweise alte Mittelspannungsfreileitungen unter die Erde verlegt werden – unter anderem, weil sie im Wald verlaufen und deshalb besonders störanfällig sind.

Die alten Regalsysteme werden bald ausgetauscht. - Foto: Nix

Beim Pressegespräch wurde deutlich: In der Oberpfalz gibt es aktuell eine Reihe solcher Baumaßnahmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Zentrallager in Maxhütte-Haidhof. Man stelle die Versorgung der Baustellen mit Stromkabeln, Schaltschränken und vielem mehr sicher, sagte Standortchef Georg Wallaschek. Für das laufende Jahr plane man mit einem Umschlag von 3000 Kilometern Kabeln. Insgesamt arbeite der Standort mit etwa 60 Baufirmen zusammen, die Material in Maxhütte-Haidhof abholten. Ein Großteil der Unternehmen komme aus der Region, ergänzte André Zorger, Leiter Kommunalmanagement Ostbayern: „Da wir unsere Aufträge, wo möglich, an bayerischen Firmen geben, verbleiben laut einer Studie von jedem ausgegebenen Euro 64 Cent in Bayern.“

Das Zentrallager spielt aber neben der Versorgung der Baustellen auch eine weitere wichtige Rolle für den Netzbetrieb des Bayernwerks: Sollte es zu Stromausfällen und anderen Störungen kommen, gibt es im Ortsteil Ponholz das passende Ersatzteil. So könne man „in kurzer Zeit die Leute wieder ans Stromnetz bringen“, so Wallascheck.

Bamberg, Dachau, Eggenfelden und Maxhütte-Haidhof

Sollte doch einmal etwas nicht vorrätig sein, könne zudem einer der vier anderen Bayernwerk-Zentrallager einspringen. Neben dem Oberpfälzer Standort gibt es ähnliche Einrichtungen in Bamberg, Dachau und seit vergangener Woche in Eggenfelden im Landkreis Rottal-Inn. Das Lager in Maxhütte-Haidhof ist mit einer Fläche von 50 000 Quadratmetern der größte der vier Standorte.

Die erste Halle wurde bereits saniert – nun fehlen noch die neuen Regale. - Foto: Nix

Während der Modernisierung der Regalsysteme und der damit einhergehenden Sanierung steht dem Unternehmen dort allerdings weniger Platz zur Verfügung als normalerweise. Weil bis zum Abschluss des Umbaus immer nur eine der beiden Hallen zur Verfügung stehe, habe man Flächen bei einem externen Dienstleister angemietet, sagte Wallaschek. Er sprach beim Pressegespräch von einer „logistischen Meisterleistung“, die man aktuell zu bewältigen habe.

Teil des Standorts ist auch eine Materialprüfung. Die Bauteile, die im Stromnetz zum Einsatz kommen, werden dort auf Herz und Nieren geprüft sowie kontrolliert an ihre Grenzen gebracht. Besteht beispielsweise ein kleines Teil eines Kabels, die Tests nicht, wird die komplette Charge beim Bayernwerk aus dem Verkehr gezogen und nicht verbaut. Außerdem gibt es eine Salzwasser-Beregnungsanlage, mit der die witterungsbedingte Korrosion eines Schaltschranks am Straßenrand wie im Zeitraffer dargestellt und gemessen werden kann.