Im Tiefflug über Stromleitungen: Mit dem Helikopter kontrolliert Bayernwerk sein Netz

Von Theresa Baumann · 20. April 2026 um 19:00

Knapp 1200 Kilometer Hochspannungsleitung will der Netzbetreiber Bayernwerk AG mit Sitz in Regensburg in diesem Jahr überprüfen – und zwar von oben. Die Kontrollflüge in den Regionen Nieder- und Oberbayern sowie in Teilen der Oberpfalz haben gestern begonnen. Die Helikopter-Manöver bedeuten für den Piloten: nah hinfliegen, damit der Techniker in der Maschine die Leitungen begutachten kann. Wie riskant sind diese Einsätze tatsächlich?

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Regensburg, Straubing-Bogen, Cham, Regen, Freyung-Grafenau, Deggendorf, Passau, Mühldorf am Inn, Rottal-Inn, Dingolfing-Landau, Landshut und Altötting: Wenn’s gut läuft, sind alle Stromleitungen in diesen Landkreisen in einer Woche inspiziert, sagt Christian Martens, Pressesprecher der Bayernwerk AG. Zwei Wochen seien als Puffer höchstens eingeplant.

Unterwegs ist die Bordcrew immer von 8 bis 18 Uhr. - Foto: Christian Martens, Bayernwerk

Der Helikopter übertrumpft die Drohne im Einsatz

Abhängig sei die Befliegung des Stromnetzes vom Wetter und davon, wie viele Kilometer Techniker und Pilot im Hubschrauber an einem Tag schaffen, sagt Martens. Unterwegs ist die Bordcrew immer von 8 bis 18 Uhr. Alle zwei bis drei Stunden geht es zurück auf den Boden für einen Tank-Stopp.

Über 100.000 Euro kosten den Netzbetreiber die Sicherheitsüberprüfung mit dem Hubschrauber – trotzdem ist die Maßnahme für das Unternehmen wirtschaftlich, sagt Martens. Zwar würden Problemstellen im Stromnetz punktuell auch mit Drohnen angeflogen und untersucht, für lange Distanzen sei der Hubschrauber aber deutlich von Vorteil.

Jede Stelle im Gebiet der Bayernwerk AG – das rund 9000 Kilometer Hochspannungsnetz umfasst – wird alle zwei Jahre überprüft. Wechselweise findet die Inspektion bei einer Begehung vom Boden aus statt und die Techniker gehen unter den Stromleitungen entlang oder eben mit dem Helikopter von oben. So ergibt sich für die Überflüge ein Turnus von vier Jahren. Aber was wird dabei eigentlich genau überprüft?

Gefahr entsteht immer dort, wo Dinge unkontrolliert passieren.Christian Martens

„Vom Boden kann man den Zustand von Masten, also zum Beispiel die Beschichtung oder das Fundament, leichter untersuchen. Von oben sieht man beispielsweise Vogelnester im Stromnetz und kann die Leiterseile und Traversen besser sichten“, erklärt Martens. Strommasten würden auf Schäden und Verschleiß geprüft. Außerdem dürften für einen sicheren Betrieb der Leitungen Bäume und Sträucher einen Mindestabstand nicht unterschreiten.

„Anspruchsvolles“ Manöver

Bis auf wenige Meter muss der Pilot an die Hochspannungsleitung heranfliegen, damit der Techniker gut sehen kann, sagt Martens. Denn der Einsatz sei ein bloßer Sichtungsflug, bei dem keine weiteren Hilfsmittel außer Fernglas, Handy und Spiegelreflexkamera benutzt würden. Wie nah „wenige Meter“ über der Leitung genau sind, beantwortet der Pressesprecher ebenfalls. Kurz: 20 bis 30 Meter. Die Masten selbst seien etwa 25 bis 45 Meter hoch.

„Nähe ist natürlich wichtig, um Fehler am Leiterseil zu erkennen“, sagt Martens. Gefährlich sei das Manöver aber nicht – „nur anspruchsvoll“. „Gefahr entsteht immer dort, wo Dinge unkontrolliert passieren“, sagt Martens. Die genauen Flugrouten und die Dauer der Leitungskontrolle aus der Luft planten die Techniker und der Pilot tagesaktuell und abhängig vom Wetter. Nur bei klarer Sicht heben sie ab.

Nach dem Flug ist vor dem Flug: So läuft die Reparatur

In der Vorwoche flog der Helikopter das Bayernwerk-Netz in Unterfranken ab. Abgeschlossen ist das Manöver nach dem Überflug meist noch nicht. Die Techniker führen Protokoll, an welcher Stelle nachgebessert werden muss. Das wird dann hinterher bei Reparaturflügen gemacht.

Beschädigte Leiterseile könnten oft mit einer Spirale repariert werden. „Die sieht in etwa so aus wie Stangen für die Anzucht von Tomaten. Und diese Spirale kann man dann tatsächlich vom Heli aus drüberspannen“, erklärt Martens. So werde die Stromversorgung dauerhaft sichergestellt.