Energiewende als Fußballmatch: Bayernwerk geht mit zwölf Milliarden Euro in die zweite Halbzeit

Von Lorenz Nix · 21. April 2026 um 17:03

Viele Fußball-Vergleiche zog Bayernwerk-Chef Westphal bei der Jahrespressekonferenz des Regensburger Unternehmens am Dienstag. „Das Tempo im Spiel ist enorm“, sagte er über die Energiewende – und forderte neue Spielregeln.

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Bayern bleibt Sonnenland: Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 2330 Megawatt – ähnlich wie 2024 – hat das Bayernwerk im vergangenen Jahr neu ans Netz genommen. Zum Vergleich: Das entspricht der Leistung von etwa zwei mittelgroßen Atomkraftwerken. Bayernwerk-Chef Egon Leo Westphal verglich die Energiewende bei der Jahrespressekonferenz am Dienstag mit einem temporeichen Fußballspiel: „Der Ball rollt. Und er rollt schnell.“ Nun stehe die zweite Halbzeit an. Und für die will das Regensburger Unternehmen entsprechend investieren: von 2026 bis 2030 rund zwölf Milliarden Euro.

Allein in diesem Jahr sollen der Eon-Tochter zufolge 2,2 Milliarden Euro in Projekte in Bayern fließen. Beim Netzausbau sei man „stabil auf Kurs“, sagte Westphal. So habe man im vergangenen Jahr 15 Umspannwerke in Betrieb genommen, das Netz sei um 3400 Kilometer gewachsen. Das entspreche einer Strecke von Regensburg bis in die marokkanische Hafenstadt Casablanca, verglich der Bayernwerk-Chef.

Bayernwerk-Chef Westphal über Netzsicherheit: „Das haben wir im Griff“

Dabei immer im Fokus: Alles muss reibungslos funktionieren. „Der technische Netzbetrieb ist sicher“, sagte Westphal. Jeden Tag stelle die Infrastruktur des Unternehmens ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis. So liege die Höchstlast des Netzes bei acht Gigawatt. Dem stehe ein Einspeiserekord von rund 13 Gigawatt gegenüber. Gewaltige Strommengen zu regeln und zu verteilen, sei „hoch komplex, aber mittlerweile Tagesgeschäft im Netzbetrieb“, sagte Westphal. „Das haben wir im Griff.“

Allerdings: Die Energiewende ist noch längst nicht vorbei. Man habe eine sehr erfolgreiche erste Halbzeit gespielt, so der Bayernwerk-Chef. Die Erneuerbaren Energien habe man „entfesselt“, sodass nun über eine Million Einspeise-Anlagen auf das Netz des Unternehmens einwirkten. Nun beginne aber die zweite Halbzeit, sagte Westphal. Und die werde spielentscheidend. Es stehe die „Entfesselung des neuen Energiesystems“ an.

Nach dem Wiederanpfiff – um beim Fußballvergleich zu bleiben – geht das Spiel dem Vorstandsvorsitzenden zufolge – nun „in eine noch heißere Phase“. Das Bayernwerk geht davon aus, dass die Erneuerbaren in Bayern bis 2045 dreimal so viel Leistung erzeugen werden wie heute. Im gleichen Zeitraum rechnet das Unternehmen zudem mit einer Verdopplung des bayerischen Stromverbrauchs.

Durch neue Akteure wie beispielsweise energieintensive Rechenzentren oder immer mehr Großspeicher wird es auf dem Spielfeld also zunehmend enger. Das Bayernwerk präsentierte bei seiner Jahrespressekonferenz daher die Idee eines neuen Ordnungssystems: das „Gartenzaun-Prinzip“. „Innerhalb des Gartenzauns ist die Spielwiese der Kunden“, sagte Westphal. Die könnten sich dort energetisch nach ihren Plänen aufstellen und die eigene Versorgung optimieren. „Aber nur bis zum Gartenzaun“, so der Vorstandsvorsitzende. Denn da beginne mit dem Netzanschlusspunkt das öffentliche Netz. „Ab hier gelten die technischen Spielregeln des öffentlichen Energiesystems.“ Das „Gartenzaun-Prinzip“ schaffe für die Kunden Freiheiten und sorge für klare Schnittstellen und Verantwortlichkeiten.

Solche neue Ordnungen sind nach Ansicht Westphals notwendig, weil die Energiewende in der ersten Halbzeit ein Stück weit „aus dem Ruder gelaufen“ sei. „Jeder auf dem Platz rennt nur noch dem Ball hinterher.“ Es brauche „neue Spielregeln“, sagte der Firmenchef.

Neue Energiewende-Spielregel: Priorisierung statt Windhundprinzip

Eine davon sei zum Beispiel die Priorisierung. Netzkapazitäten müssten gezielter vergeben werden. Westphal verwies auf den Bayerischen Stromnetzgipfel im vergangenen September, bei dem eine klare Reihenfolge genannt wurde: an erster Stelle die Industrie, gefolgt von Rechenzentren. Bisher läuft es so: Wer als erstes anfragt, wird als erstes ans Netz angeschlossen. Nun müsse die Politik Verantwortung übernehmen. „Denn Netzbetreiber können keine Strukturpolitik machen“, sagte Westphal.

Außerdem brauche es eine optimale Auslastung der Netze, nannte er eine weitere neue Spielregel. So sollen beispielsweise bestehende Anschlusspunkte stärker genutzt und neue Projekte gezielter daran angebunden werden.

Das Bayernwerk wolle auch künftig „Spielgestalter und Spielmacher der bayerischen Energiezukunft sein“, sagte Westphal. Zur Verfügung stehen dafür Milliarden-Budgets. Bereits im vergangenen Jahr habe man die Zwei-Milliarden-Grenze übersprungen, sagte Finanzchefin Daniela Groher. Für dieses Jahr stünden 2,2 Milliarden Euro bereit, 2027 ähnlich viel. Von 2026 bis 2030 will das Regensburger Unternehmen insgesamt zwölf Milliarden Euro für die Energiewende ausgeben.