Das Bayernwerk steckt Milliarden in den Netzausbau: Wird dann auch der Strom teurer?

Einige Stromversorger in Deutschland haben zum Jahreswechsel ihre Kosten gesenkt. Hintergrund sind niedrigere Netzentgelte – und das, obwohl Verteilnetzbetreiber wie das Regensburger Bayernwerk Milliarden in ihre Infrastruktur stecken. Wie passt das zusammen?
Strom wird im aktuellen Jahr für viele günstiger. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervor. Allerdings fallen die Entlastungen regional unterschiedlich aus. Wie aus einer Mitteilung des Unternehmens hervorgeht, sinken die Preise der örtlichen Strom-Grundversorgung mit rund 8,5 Prozent in Sachsen am stärksten. In Bayern betrage das Minus hingegen nur 0,8 Prozent.
Grund für die in vielen Fällen geringere Kosten sind niedrigere Netzentgelte. Hintergrund ist laut Verivox ein Zuschuss der Bundesregierung. Insgesamt steuert der Bund 6,5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übertragungsnetzkosten in bei. Auf diese Förderung verweist auch der Regensburger Verteilnetzbetreiber Bayernwerk. Unter anderem deshalb könne man die eigenen Netzentgelte um etwa 25 Prozent senken, sagt eine Bayernwerk-Sprecherin. „Für einen typischen Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3500?Kilowattstunden bedeutet dies eine Entlastung von etwa 92 Euro pro Jahr in den Netzentgelten beziehungsweise 2,63 Cent je Kilowattstunde.“
Stromkosten: Rewag in Regensburg hat Preise gesenkt
Allerdings: „Aus der Entwicklung der Stromnetzentgelte kann keine Ableitung zur Entwicklung der Höhe der Endkundenpreise getroffen werden“, betont die Sprecherin der Oberpfälzer Eon-Tochter. Denn die Kosten für die Stromleitungen sind nur ein Teil der Stromrechnung. Der Preis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, etwa aus den Kosten für den Strom selbst, Steuern und Abgaben sowie den Preisen der Anbieter. Steigen diese an anderer Stelle, bleibt von der Entlastung unter Umständen wenig oder sogar gar nichts übrig. Verivox drückt das so aus: Da „die Kalkulationen der Stromversorger unterschiedlich sind, werden nicht alle Haushalte beim Strompreis entlastet“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte des Vergleichsportals.
Billiger wurde es zum Beispiel für viele Verbraucher in Regensburg. Beim städtischen Energieversorger Rewag sank der Preis für die Kilowattstunde Strom in der Grundversorgung zum Jahreswechsel um 4,67 Cent, in den Sonderprodukten mit fester Laufzeit teils sogar um bis zu mehr als sieben Cent. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden würden die Jahreskosten dabei bei Sonderprodukten um bis zu knapp 200 Euro sinken, erklärte Vorstandschef Robert Greb im November im Rahmen einer Pressekonferenz. Ursächlich seien unter anderem die günstigeren Netzentgelte, die die Rewag an ihre Kunden weitergeben will – „um hier ein fairer Partner zu sein“, wie Greb sagte.
Bayernwerk: 40.000 Kilometer neue Stromleitungen
Dass die Gebühren, die für die Nutzung der Stromnetze anfallen, sinken, wirkt allerdings widersprüchlich. Das Bayernwerk beispielsweise steckt derzeit Milliarden in seine Netzinfrastruktur. Das ist notwendig, weil immer mehr dezentrale Energieerzeuger einspeisen – und das im Gegensatz zu den früheren großen Kraftwerken nicht konstant, sondern beispielsweise im Fall von Photovoltaikanlagen je nach Sonnenschein. Für die Stromnetze bedeutet das eine enorme Herausforderung. Für den Ausbau und die Instandhaltung der Energienetze in Ostbayern habe man im vergangenen Jahr etwa 540 Millionen Euro aufgewendet, heißt es vom Bayernwerk. Neben Neubaumaßnahmen zählt dazu auch die digitale Umrüstung von Knotenpunkten. Insgesamt stecke man Rekordsummen in die Infrastruktur – 2025 und 2026 über vier Milliarden Euro, sagt die Sprecherin.
Wie Bayernwerk-Chef Egon Westphal erst vor wenigen Tagen erklärte, wolle das Regensburger Unternehmen bis 2030 rund 40.000 Kilometer neuer Stromleitungen bauen – „das entspricht einmal rund um den Äquator“, so der Vorstandsvorsitzende.
Müssten dann aber nicht die Netzentgelte eher steigen anstatt sinken? Dass dem nicht unbedingt so ist, zeigt eine Studie der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) aus dem November. Daraus geht hervor: Staatliche Zuschüsse können Netzentgelte zumindest kurzfristig deutlich dämpfen. Durch die 6,5 Milliarden Euro im aktuellen Jahr könne das ein Minus zwischen 17 und 27 Prozent bedeuten, heißt es von den Studienautoren der in München ansässigen Forschungsstelle für Energiewirtschaft, die die Untersuchung im Auftrag der vbw durchgeführt hat.
Kritik der vbw: Keine Planungssicherheit für Firmen
Unternehmen dürften sich dementsprechend über „temporäre Entlastungen“ freuen. Für Planungssicherheit sorgen die Zuschüsse laut Studie aber nicht – „da Umfang und Fortführung politisch determiniert und kurzfristig disponiert sind“.
Welche Bedeutung die Bundeszuschüsse haben, zeigte sich 2024: 5,5 Milliarden Euro Unterstützung waren damals vorgesehen, wurden dem vbw-Papier zufolge aber nie ausgezahlt. „In der Folge verdoppelten sich die Übertragungsnetzentgelte gegenüber dem ursprünglich erwarteten Niveau“, heißt es in der Studie.
Eine Rolle bei den niedrigeren Netzentgelten spielt allerdings auch, dass Investitionen in die entsprechende Infrastruktur meist über Jahre, teilweise Jahrzehnte abgeschrieben werden. Langfristig werden die Entgelte deshalb wohl moderat ansteigen, heißt es in der vbw-Untersuchung.