Große Umfrage der IHK Regensburg: So bewerten Firmen den Standort Oberpfalz-Kelheim

Alle fünf Jahre bewerten Unternehmen aus der Oberpfalz und dem Kreis Kelheim ihren Wirtschaftsstandort. Seit der letzten Umfrage hat sich der Anteil der Firmen mit Erweiterungsplänen halbiert.
Gerade weil sich auch Ostbayerns Wirtschaftsunternehmen seit rund drei Jahren in einer konjunkturell durchaus schwierigen Phase befinden, kommt es entscheidend darauf an, dass die Bedingungen am eigenen Standort stimmen. Nur auf diese Weise können neue Impulse für Wachstum und Investitionen gesetzt werden. Vor diesem Hintergrund stellt die IHK Regensburg alle fünf Jahre den Wirtschaftsstandort Oberpfalz-Kelheim auf den Prüfstand – und zwar nicht mit Hilfe amtlicher Statistik, sondern aus dem unternehmerischen Blickwinkel. Vor allem deshalb betrachten IHK-Präsident Christian Volkmer und Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes die gestern vorgestellte Standortumfrage als durchaus „ernstes Alarmsignal“.
28 Prozent der Firmen in der Oberpfalz und im Kreis Kelheim planen Ausbau
Obwohl die knapp 730 befragten Unternehmen unterm Strich mit ihrem Standort in Ostbayern weiter zufrieden sind und im Schnitt die Schulnote 2,5 – elf Prozent sogar „sehr gut“ – vergeben, muss der Blick in die Zukunft tatsächlich als besorgniserregend eingestuft werden. Jenseits der guten Note sei jedenfalls noch eine Menge „Luft nach oben“ vorhanden. Schließlich hat sich der Anteil der Unternehmen mit Erweiterungsplänen seit der Umfrage 2020 inzwischen sogar halbiert. Diese Investitionszurückhaltung kommt laut der IHK-Konjunkturexpertin Sibylle Aumer, die die Umfrage ausgewertet hat, insbesondere darin zum Ausdruck, dass lediglich 28 Prozent der Unternehmen bis 2030 an einen Ausbau ihres Standorts in Ostbayern denken und gar nur fünf Prozent „zusätzlich“ im IHK-Bezirk investieren wollen.
Dagegen erwägen acht Prozent der befragten Unternehmen eine Schließung ihres Standorts, und dieselbe Zahl von Betrieben zieht künftig eine Verkleinerung in Betracht. Überdurchschnittlich viele Unternehmen planen nach dieser Umfrage in den Branchen Verkehr, Handel und Dienstleistungen ihren regionalen Standort aufzugeben. Mit Blick auf die Betriebsgröße seien speziell kleinere Unternehmen (bis 49 Mitarbeiter) von dieser Entwicklung betroffen. Als Handlungsfelder der Politik – nicht zuletzt mit Blick auf die Kommunalwahlen im März 2026 – nennt die Kammer für die gesamte Region besonders fünf Standortnachteile. Neben der Dauer staatlicher Genehmigungsverfahren und dem Mangel an digitaler Verwaltung geben die Unternehmen als „standortschwächende Defizite“ die geringe Verfügbarkeit beruflich Qualifizierter und von Auszubildenden sowie den Strompreis an.
Energieversorgung als Stärke der Region Oberpfalz-Kelheim
Andererseits hat die Studie über alle Branchen und Regionen hinweg die Zuverlässigkeit und die Qualität der Energieversorgung als standortprägende Stärken im Raum Oberpfalz-Kelheim herausgearbeitet. Aber auch die Umwelt- und Lebensqualität, die Loyalität und Motivation der Mitarbeiter oder die Frage, wie Mitarbeiter und Kunden das Unternehmen über das Straßennetz erreichen können, wurden als Vorzüge eines Firmenstandorts in Ostbayern bewertet.
Neben dieser Pauschalbeurteilung der Wirtschaftsregion Oberpfalz-Kelheim hat die Studie auch speziell einzelne Branchen abgefragt. So zeigen sich besonders die Industrieunternehmen sehr zufrieden mit der in Ostbayern angebotenen Kooperation zu regionalen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie deren Ausbildungsmöglichkeiten. Prägnant verändert hat sich die Haltung gegenüber dem Strompreis: Waren vor fünf Jahren „nur“ 21 Prozent der Unternehmen mit der Situation unzufrieden, so hat sich dieser Anteil inzwischen verdoppelt. Im Dienstleistungssektor bewerten die Unternehmen ihren Standort pauschal als sehr gut. Unzufrieden zeigen sie sich dagegen hinsichtlich des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), dem Angebot von E-Ladesäulen sowie der Verfügbarkeit von beruflichen Qualifizierten und Azubis. Mit der hohen Zufriedenheit in puncto Kooperation mit Forschung und Hochschulen liegt die Branche mit der Note 2,11 auf Platz zwei hinter den Industrieunternehmen.
Gute Lebensqualität im IHK-Bezirk Regensburg
Auch wenn die Handelsunternehmen ihren Standort pauschal als sehr gut einschätzen, klagt diese Branche am stärksten von allen Sektoren über die mangelnde Attraktivität der Innenstädte oder Ortszentren. Die Hälfte der befragten Firmen sieht hier einen hohen Besserungsbedarf.
Neben den Themen „öffentliche E-Ladesäulen“ und ÖPNV-Angebot und -Taktung bereiten dem Verkehrssektor vor allem die Grundstücks- und Immobilienpreise erhebliche Sorgen. Aber auch die überregionale Straßenanbindung wird von der Branche am schlechtesten bewertet. Die Attraktivität der Tourismusregion Ostbayern kommt schließlich in der sehr guten Benotung der Umwelt- und Lebensqualität zum Ausdruck – mit der Note 1,7 durch die Gastronomiebetriebe.