Energiepreise für Bayerns Wirtschaft gesunken: Das ist aber nicht nur ein positives Zeichen

Von Lorenz Nix · 18. Dezember 2025 um 20:00

Die Energiekosten für die bayerische Wirtschaft sind auch im Oktober weiter zurückgegangen. Das geht aus dem neuesten Energiepreisindex der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hervor, der der Mediengruppe Bayern exklusiv vorliegt. Die Arbeitgeber-Organisation sieht in dem Minus aber auch ein Zeichen, wie es den Unternehmen im Freistaat geht.

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„Der Trend bei den Energiekosten geht in die richtige Richtung“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Der Index ist gegenüber dem Vormonat um 1,2 Prozent auf 108 Punkte gesunken. Ursächlich ist laut Brossardt dafür aber auch die anhaltende Konjunkturflaute: „Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass der Rückgang der Energiepreise auch auf die sinkende Nachfrage durch die wirtschaftliche Schwäche zurückzuführen ist.“

Von einer nachhaltigen Wende in der Energiepolitik könne trotz des Rückgangs noch keine Rede sein, sagt der Hauptgeschäftsführer. Das zeigt auch der Vergleich mit den Vor-Corona-Preisen: Der Index liege aktuell immer noch um etwa 29 Prozent höher als damals, kritisiert Brossardt. „Die Kosten für Energie verharren auf einem belastenden Niveau für unsere Unternehmen.“

Energiepreisindex der vbw: Braunkohle günstiger

Eine leichte Entlastung zeigte sich vor allem bei den Preisen für Primärenergie. Der entsprechende Teilindex notierte der vbw zufolge im Oktober bei 96,2 Punkten. Im Vergleich zum September bedeutet das ein Minus von 2,9 Prozent. Brossardt nennt insbesondere die um acht Prozent niedrigeren inländischen Erzeugerpreise für Braunkohle sowie einen Rückgang der Einfuhrpreise für Erdöl und Steinkohle um etwa vier beziehungsweise zwei Prozent als Gründe für diese Entwicklung.

Der Teilindex für Sekundärenergie sei „entgegen dem allgemeinen Trend“ leicht angestiegen, heißt es von der vbw. „Verglichen mit dem September lag er um 0,3 Prozent höher, und zwar bei 119,8 Punkten“, gibt Brossardt Auskunft. Besonders die Erzeugerpreise für Flüssiggas seien um 6,1 Prozent gestiegen. Bei Fernwärme gab es dem Hauptgeschäftsführer zufolge ein Plus von 0,8 Prozent. Rückgänge gab es hingegen bei leichtem Heizöl und Diesel: Hier hätten die Erzeugerpreise im Oktober gegenüber September um 3,4 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent nachgegeben, sagt Brossardt.

Der Wirtschaftsstandort Bayern brauche aus Sicht der vbw „dringend ein deutlich wettbewerbsfähigeres Energie- und Strompreisniveau“. „Eine schnelle und spürbare Entlastung der Industrie – insbesondere bei den Strompreisen – ist dringend nötig, um die bereits voranschreitende De-Industrialisierung zu stoppen“, sagt Brossardt. Die beschlossene Einführung eines Industriestrompreises im kommenden Jahr sei „ein wichtiger Schritt“. „Dieser muss aber wirksam und praxistauglich ausgestaltet werden, um seine entlastende Wirkung zu entfalten.“ Die Aussagen der vbw decken sich damit mit denen von Richard Röck, Energieexperte bei der für die Oberpfalz und den Kreis Kelheim zuständigen IHK Regensburg. Die Energiekosten seien für die Unternehmen in der Region „derzeit einer der zentralen Standortnachteile“, sagte er kürzlich gegenüber der Mediengruppe Bayern.

Hohe Industriedichte in der Oberpfalz

Röck verwies auch darauf, dass das Thema für die Oberpfalz im bayernweiten Vergleich besonders wichtig sei. Schließlich weise die Region mit 126 Industriebeschäftigten je 1000 Einwohnern die höchste Industriedichte im Freistaat auf. „Entsprechend hoch ist der Anteil energieintensiver Unternehmen, etwa aus der Grundstoff-, Metall-, Glas- und Keramikindustrie, die im harten internationalen Wettbewerb stehen und zugleich unverzichtbare Glieder der industriellen Wertschöpfungsketten sind“, so Röck.

Bei der IHK sei man aufgrund der hohen Energiekosten „ernsthaft besorgt um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Standorts“, sagte Röck. Beispielsweise mit Blick auf Strom könne der Industriestrompreis zwar „punktuell helfen, ersetzt aber keine breite, standortpolitische Entlastung, etwa durch gesenkte Netzentgelte, Stromsteuern und mehr Angebot an bezahlbarer, gesicherter Leistung“.