Pilotprojekt: In der Oberpfalz entsteht ein Batteriespeicher, der bundesweit Vorbild sein soll

Das oberbayerische Unternehmen MaxSolar aus Traunstein will bereits im September den ersten „netzdienlichen“ Batteriespeicher ans Bayernwerk-Netz anschließen. Die Anlage im Landkreis Cham soll bundesweite Beachtung finden: „Der Anspruch ist, hier ein Pilotprojekt zu schaffen, das man dann deutschlandweit kopieren kann“, sagte der Unternehmenschef.
Die Sonne brennt vom Himmel – und trotzdem liefert die eigene Photovoltaik-Anlage keinen Strom? Gerade in Bayern kommt das im Sommer immer wieder vor. Aus einem einfachen Grund: Laut Bayernwerk-Chef Egon Leo Westphal liegt die Höchstlast im Netz des Regensburger Unternehmens bei 8000 Megawatt. Demgegenüber habe im vergangenen Jahr ein Einspeiserekord von rund 13 000 Megawatt gestanden, sagte Westphal bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens im April. Und: „Neue historische Einspeiserekorde bahnen sich unaufhaltsam an.“
Die Folge: Wenn zu viel Strom gleichzeitig ins Netz drückt, müssen Anlagen zeitweise abgeregelt werden. In der Oberpfalz soll nun ein großer Batteriespeicher helfen, genau solche Spitzen abzufangen. Das Besondere: Die Anlage soll nicht vor allem dem Stromhandel dienen, sondern dem Netz. Nach Angaben der Projektpartner könnte es sich um den ersten Speicher dieser Art in Europa handeln.
Das ist der Unterschied zwischen „marktdienlich“ und „netzdienlich“
Dabei sind Batteriespeicher keine brandneue Erfindung. Die Technologie stehe mittlerweile bereit, sagte Westphal beim Spatenstich für das neue Projekt in der Gemeinde Wald im Landkreis Cham am Montag. Bislang gibt es für Netzbetreiber aber häufig ein Problem: Große Speicher können die Netze auch unter Druck setzen – beispielsweise, wenn sie Strom einspeisen, obwohl bereits genug Energie vorhanden ist. Das kann zum Beispiel passieren, wenn sich Speicher lediglich am europäischen Strommarkt orientieren.
Das bedeutet: Wenn dort die Preise hoch sind, wird Energie ins Netz eingespeist. Oft ist das unproblematisch. Hohe Preise bedeuten schließlich, dass der Strom eher knapp ist. Aber nicht immer: So kann es zum Beispiel vorkommen, dass zwar insgesamt vergleichsweise wenig Energie verfügbar ist, ausgerechnet in Bayern aber die Sonne viel stärker scheint als anderswo und es dort deshalb mehr als genug Photovoltaikstrom gibt. Setzt ein großer Speicher genau dann das regionale Netz noch weiter unter Druck, könnte das fatale Folgen haben.
Einige Speicher werden heute deshalb bereits „netzneutral“ gesteuert. Das bedeutet: Der Betreiber kann damit frei wirtschaften, allerdings nur innerhalb zuvor festgelegter Grenzen. Das Bayernwerk geht in der Oberpfalz gemeinsam mit dem Energieunternehmen MaxSolar aus dem oberbayerischen Traunstein sogar noch einen Schritt weiter: Der Speicher im Landkreis Cham soll „netzdienlich“ betrieben werden.
Enge Abstimmung zwischen Bayernwerk in Regensburg und MaxSolar
Erforderlich ist dafür eine enge Abstimmung zwischen dem Speicherbetreiber MaxSolar und dem Netzbetreiber Bayernwerk. Konkret heißt das: Zu bestimmten, vom Netzbetreiber vorgegebenen Zeiten müssen die Batterien leer genug sein, um überschüssigen Solarstrom aufnehmen zu können – und zu anderen Zeiten voll genug, um das Netz bei Engpässen zu unterstützen.
Das Projekt ist nach Angaben der beiden Partner der erste „netzdienliche“ Großspeicher in Deutschland, wenn nicht sogar in ganz Europa. Zwar gibt es auch anderswo entsprechende Planungen, die Anlage im Kreis Cham wird aber voraussichtlich als erstes ans Stromnetz angeschlossen. Und ist daher auch so etwas wie ein Experiment.

Dass MaxSolar sich darauf einlasse und man sich auf die Bayernwerk-Ausschreibung beworben habe, habe man sich gut überlegt, sagte der Geschäftsführer des Unternehmens Christoph Strasser am Rande des Spatenstichs. Es sei natürlich eine Herausforderung, nicht genau zu wissen, wie viel Geld man mit dem Speicher einnehme. Zwischen Bayernwerk und MaxSolar gebe es aber einen „guten Austausch“, so Strasser. Ihm zufolge blicken beide Unternehmen deshalb mit viel Zuversicht auf das Projekt.
Bereits im September könnte der Speicher ans Netz angeschlossen und erstmals getestet werden. Sowohl MaxSolar als auch das Bayernwerk „werden unglaublich viel lernen“, prognostizierte Strasser. „Der Anspruch ist, hier ein Pilotprojekt zu schaffen, das man dann deutschlandweit kopieren kann.“

Der Netzbetreiber Bayernwerk plant laut Vorstandsvorsitzendem Westphal bereits weitere solcher Anlagen. „Die netzdienlichen Speicher sind ohne Wenn und Aber das Richtige“, erklärte er beim Spatenstich. Pilotprojekte wie das im Kreis Cham seien für die Akzeptanz allerdings sehr wichtig. Der Unternehmenschef zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese Art von Batteriespeichern die Zukunft sind: „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das skalieren und dann in großem Maßstab ins System integrieren.“
Die Anlage im Walder Gemeindeteil Wutzldorf ist noch vergleichsweise klein dimensioniert. Nach Angaben von Christoph Strasser soll der Speicher eine Leistung von fünf Megawatt und eine Kapazität von 25 Megawattstunden haben. Vier Millionen Euro investiert MaxSolar dafür. Das Unternehmen plant dem Geschäftsführer zufolge aber bereits den nächsten netzdienlichen Speicher in Nürnberg – mit 20 Megawatt Leistung und 100 Megawattstunden Kapazität deutlich größer. „Alles, was wir hier gelernt haben, können wir da schon anwenden“, sagte Strasser am Montag in der Oberpfalz.