SEK-Einsatz rückt in Neutraubling mit Lanzen an – nun kommt der Fall vor Gericht

Ein 52-Jähriger soll seine Nachbarin bedroht haben, aber schon früher auffällig geworden sein. Nun ist in Regensburg der Prozess gestartet. Zeugen berichten, er auch soll Kinder auf einem Spielplatz angesprochen und andauernd bei der Polizei angerufen habe. Dem Mann droht eine lange Zeit in der Psychiatrie.
Der Einsatz des Spezialeinsatzkommandos der Polizei sorgte im Juli 2025 in Neutraubling für Aufsehen. Mitten in einem Wohngebiet rüsteten die Elitepolizisten sich mit Lanzen, Schildern, Kettenhemden und feuerfester Kleidung für den Zugriff. Nachbarn verfolgten das aus sicherer Distanz mit Sorgen. Es war nicht der erste SEK-Einsatz, den ein 52-Jähriger auslöste, es könnte aber der vorerst letzte gewesen sein: Seit gestern steht der Mann jetzt in Regensburg vor Gericht.
Auffällig, das berichteten damals auch Anwohner in der Schlesischen Straße , war der Beschuldigte wohl bereits länger. „Wir haben Angst“, erklärte eine Zeugin nun im Prozess vor dem Landgericht. „Der will uns umbringen.“ Genau damit hatte er laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft am 18. Juli auch gedroht. Zuvor soll er die Frau bespuckt, ihr mit dem Tode gedroht und dann auf Messer sowie vermeintliche Molotow-Cocktails verwiesen haben, die vor ihm auf der Fensterbank lagen.
Fühlt sich vom Geheimdienst und Verbrechern verfolgt
Unbekannt war der 52-Jährige nicht, wie ein Polizeibeamter schilderte. Schon vor einigen Jahren rückte demnach das SEK an. Details zu diesem Einsatz seien aber nicht mehr im System recherchierbar. Zuletzt habe er Tag und Nacht immer wieder angerufen, von Geheimdienst und Verbrecherbanden erzählt, die ihn verfolgen würden. Er habe auch auf Lautsprecher geschaltet und „ihn einfach reden lassen – ohne Punkt und Komma“. Um von staatlicher Seite aktiv zu werden, wäre es zu wenig gewesen.
Bis zu eben jenem Freitag vor fast einem Jahr: Flaschen voll mit grün-gelblicher Flüssigkeit hätten den Einsatz zur Sache des SEK gemacht, so der Beamte. Im Nachgang habe sich herausgestellt, es war Urin. Nach Telefonaten mit der Verhandlungsgruppe der Polizei habe der Mann aufgegeben und den Schlüssel aus dem Fenster geworfen. In seinem Zimmer habe sich der 52-Jährige dann widerstandlos festnehmen lassen. Zuvor hatte er mehrere Stunden lang am Fenster gestanden und wirkte äußerst aufgebracht.

Der erste ernstzunehmende Vorfall soll das aber gar nicht gewesen sein: Auf einem Spielplatz soll er Tage zuvor aufdringlich Kinder angesprochen haben. Nachbarn berichteten vor Gericht von „Zwillingen da oben“, die „man fertigmachen“ müsse. Wer damit gemeint sei, wisse keiner. Zuletzt sei der 52-Jährige noch aufdringlicher geworden. Selbst sein Betreuer fand keinen Zugang zu ihm. Klar wurde aber, dass sich der Beschuldigte in jüngerer Vergangenheit bereits im Bezirksklinikum behandeln ließ.
Staatsanwaltschaft hält Mann für schuldunfähig
Laut Ärzten leidet der Mann aus Neutraubling unter paranoider Schizophrenie – die Staatsanwaltschaft geht daher von einer Schuldunfähigkeit für die Bedrohung aus, die ihm vorgeworfen wird. Im laufenden Sicherungsverfahren soll die siebte Strafkammer des Regensburger Landgerichts nun klären, ob von dem Mann eine Gefahr ausgeht. Ihm droht also keine Strafe, sondern die weitere Unterbringung in der Psychiatrie.
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Sollte die Kammer von Vorsitzendem Richter Dr. Guth das anordnen, wäre das zeitlich unbeschränkt. Eine Krankheitseinsicht jedenfalls zeigt der 52-Jährige, der schon seit dem Vorfall vor einem Jahr dort ist, bisher keine. Die Entscheidung fällt voraussichtlich am 15. Juli.