Cheikho kündigt Rückzug als Wirt des Burglengenfelder Stadthallen-Lokals Gustl an

Paukenschlag in Burglengenfelds (Landkreis Schwandorf) Gastro-Szene: 15 Monate nach der lang ersehnten Wiedereröffnung des Stadthallen-Restaurants im Naabtalpark deutet sich schon wieder eine Zäsur an. Der Pächter des Lokals, Imad Cheikho, teilte der Verwaltung kürzlich mit, dass er das Mietverhältnis nicht fortsetzen möchte.
Auf Anfrage der Redaktion erklärte Bürgermeister Martin Antreter (SPD), eine formelle Kündigung stehe zwar noch aus, aber es liefen bereits „konstruktive Gespräche“, wie das bestehende Pachtverhältnis und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen bis zur regulären Beendigung erfüllt werden können. Antretter betonte, die Zusammenarbeit mit Cheikho sei stets zufriedenstellend gewesen. Umso mehr bedaure er die aktuelle Entwicklung.
Vor Wiedereröffnung wurde viel investiert
Rückblende: Die Stadt trennte sich 2023 von Roland Konopisky, der das Lokal von Beginn an bewirtschaftet hatte. Offiziell hieß es zunächst, die Trennung sei einvernehmlich gewesen, was Konopisky später widerrief. Bei der Neuausschreibung, auf die freilich nur einige wenige Gastronomen reagierten, machte Imad Cheikho das Rennen. Der 45-Jährige hatte 2001 in der Innenstadt seinen ersten Betrieb eröffnet und sich in der Szene rasch etabliert. 2007 eröffnete er am Marktplatz seine Lounge. Nun suchte er eine weitere Herausforderung.
Der gebürtige Syrer stellte aber Bedingungen. Die Wirtschaft neben der Stadthalle sollte umfangreich modernisiert werden. Die dafür ins Spiel gebrachten Summen stießen bei mehreren Stadträten auf Unverständnis, so dass der Betrag zunächst auf 50 000 Euro gedeckelt wurde, um ihn ein paar Monate später dann doch um rund 20 000 Euro aufzustocken.
Wiedereröffnung mehrfach verschoben
Der Umbau zog sich in die Länge, so dass die Wiedereröffnung länger auf sich warten ließ als geplant. Mitte März vergangenen Jahres aber war es soweit: Cheikho empfing erstmals in der Gaststätte, die fortan den Namen „Gustl“ tragen sollte, Gäste. Mitte April 2025 wurde die offizielle Eröffnung mit dem damaligen Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) nachgeholt. Dieser betonte, nicht nur wegen des erfahrenen Wirts glaube er fest an eine gute Zukunft des Lokals. Das Umfeld mit Stadthalle und Baugebeten biete großes Potenzial.
Cheikho selbst hatte sich schon im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt und ein Konzept entwickelt, das aufhorchen ließ. Typische bayrische Küche wollte er mit französischer Raffinesse kombinieren, die Speisekarte las sich vielversprechend.
Das Lokal wurde nach Informationen der MZ im Prinzip gut angenommen und war für so manche Veranstaltung die erste Adresse. Allerdings vermisste Cheikho bald das Interesse von Sportlern, sich beispielsweise nach dem Training bei ihm zu stärken. Umgekehrt gab es seitens der Gäste plötzlich kritische Stimmen, die sich auf Wartezeiten und den Service bezogen.
Beim Jubiläum des TV im Betriebsurlaub
Als Cheikho ausgerechnet am Jubiläumswochenende des TV Burglengenfeld im Oktober Betriebsurlaub machte, stieß das bei nicht wenigen Vereinsmitgliedern auf Unverständnis. Die Kritik hielt Cheikho für unberechtigt, weil er den Verantwortlichen rechtzeitig mitgeteilt habe, dass er aus bestimmten Gründen für das Jubiläum nicht zur Verfügung stehen könne.
Wirklich geschadet hat der Konflikt Cheikho nicht. Das Lokal lief weiter – und schließlich feierte der 45-Jährige auf anderen Ebenen Erfolge, die für seine Beliebtheit sprechen: Er wurde als Vorsitzender des Wirtschaftsforums wiedergewählt und schaffte im März als Kandidat der Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) auf Anhieb den Sprung in den Stadtrat – mit dem besten Ergebnis seiner Gruppierung.
Der Chef selbst spielt regelmäßig den Joker
Was die Gastronomie betrifft, so hatte Cheikho freilich schon früher immer wieder darüber berichtet, wie schwierig es sei, qualifiziertes Personal zu finden und dieses dauerhaft zu binden. Die Situation hat sich offenbar nicht gebessert, sondern, im Gegenteil, zugespitzt. Bei der Frage, was der Grund für die angekündigte Aufhebung des Pachtvertrags sei, kam Cheikho jedenfalls sofort wieder genau auf dieses Thema zu sprechen. Das Geschäft sei hart, er selbst sehe sich gezwungen, immer wieder als Joker einzuspringen – im Service, hinter der Theke oder auch in der Küche.
Gleichwohl so versicherte Cheikho, wolle er nun auch in der Stadthalle noch einmal alles geben. In den nächsten Wochen stünden einige größere Veranstaltungen im Kalender.
Bürgermeister Antretter glaubt an den Standort
Was bedeutet Cheikhos bevorstehender Ausstieg für die Stadt und ihre Gastro-Immobilie im Naabtalpark? Hat die Kommune eine fast sechsstellige Summe zum Fenster hinaus geworfen? Ist das Lokal an sich zu retten?
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Bürgermeister Antretter bestreitet, dass die Renovierung eine Fehlinvestition gewesen sei. Immerhin gehöre es zu den Aufgaben der Kommune, ihre Gebäude instand zu halten und gegebenenfalls aufzuwerten. Unabhängig vom Pachtverhältnis verfüge die Stadt damit über eine hochwertig ausgestattete Liegenschaft.
Auch sei die Annahme falsch, das Lokal ließe sich wegen seiner Lage außerhalb der Kernstadt grundsätzlich nicht mehr wirtschaftlich betreiben, meint der Bürgermeister. Vielerorts gebe es für seine Einschätzung Belege. Im konkreten Fall werde das weitere Vorgehen derzeit intern beraten – und zu gegebener Zeit kommuniziert.