Nach Brand in Maxhütte: SV Fischbach bittet um Spenden für „unseren Siggi“

Von Thomas Rieke · 2. Juli 2026 um 19:00

Seinen 57. Geburtstag wird Siegfried Galli so schnell nicht vergessen. Nicht weil so großartig gefeiert worden wäre. Wenige Tage später, konkret in der Nacht zum 22. Juni, hat der Familienvater durch einen Brand alles verloren, was er sich aufgebaut hatte. Der Schaden am Eigenheim in der Semmelweisstraße in Maxhütte-Haidhof (Landkreis Schwandorf) geht in die Hunderttausende. Doch jetzt gibt es eine bemerkenswerte Hilfsaktion.

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Der Ursprung dieser Aktion liegt in Fischbach, dem Heimatdorf des 57-Jährigen. Vor allem mit dem Sportverein, wo er viele Jahre Fußball gespielt hat, fühlt sich Galli bis heute eng verbunden, obwohl er bereits vor 25 Jahren umgezogen ist. Er ist überzeugtes, engagiertes Mitglied und bei den Kameraden sehr beliebt. Das Unglück, das ihrem „Siggi“ widerfahren ist, hat sie jedenfalls tief berührt.

So steht es sinngemäß in dem Spendenaufruf, den Jugendleiter Dominik Igl vor wenigen Tagen auf der Online-Plattform GoFundMe gestartet hat. Siggi und seine Familie stünden nach dem verheerenden Brand vor dem nichts. In dieser schweren Zeit wolle der SV seinen Kameraden nicht allein lassen und ihn beim Neuaufbau so gut wie möglich unterstützen. Jede Spende sei willkommen – und ein Zeichen der Solidarität.

Transparenz genießt hohen Stellenwert

Die Idee, Familie Galli unter die Arme zu greifen, stammt laut Igl vom 2. Vorsitzenden des Hauptvereins, Tobias Heyne, der auch die Fußballabteilung leitet. Er suchte Kontakt zu Igl, um mit ihm zu besprechen, wie man am besten vorgehen sollte. Der riet dazu, GoFundMe zu nutzen. Das Geschäftsmodell des US-amerikanischen Unternehmens ist die Vermittlung von Spenden über eine Internet-Plattform. Die Anwendung ist einfach und transparent. Letzteres ist Igl besonders wichtig. Niemand dürfe Eindruck gewinnen, dass das gesammelte Geld irgendwo versickere.

Die Erstellung eines Aufrufs ist kostenlos, von jeder Spende wird aber eine „branchenübliche Transaktionsgebühr“ von 2,9 Prozent zuzüglich 0,25 Euro für die Zahlungsabwicklung abgezogen. Schnell waren sich die Sportsfreunde einig, die technische Umsetzung des Appells nahm Igl in die Hand. Um möglichst schnell möglichst viele Leute zu erreichen, wurde die Aktion in der WhatsApp-Gruppe des Vereins bekannt gemacht.

Messlatte liegt aktuell bei 10.000 Euro

Binnen 48 Stunden waren bereits zahlreiche Spenden eingetroffen, berichtete Igl. Wenig später trafen auch immer öfter Beträge von auswärts ein, was damit zu erklären ist, dass Galli als erfolgreicher Stockschütze des SV Heselbach über die Landkreisgrenzen hinweg bekannt ist. Als sich abzeichnete, dass das ursprünglich gesetzte Ziel von 2500 Euro bald erreicht sein würde, wurde die Messlatte höher gelegt – auf 10.000 Euro.

Galli nimmt das Engagement mit tiefer Dankbarkeit zur Kenntnis. Seine Verzweiflung konnte dadurch bisher aber nur wenig gemildert werden. Die MZ traf den 57-Jährigen diese Woche zufällig auf dem Grundstück seiner Doppelhaushälfte, die er vor 25 Jahren errichtete, um seinem Arbeitsplatz näher zu sein.

Verzweifelte Suche nach Autoschlüsseln

Die Spuren der Brandnacht sind schon vom Ende der Stichstraße aus unübersehbar. Die Fassade ist an vielen Stellen großflächig rußgeschwärzt, die Kunststoffrollos haben durch die Hitze groteske Formen angenommen, auch die Fensterrahmen hat es verzogen. Im Inneren bietet sich ein Bild der Verwüstung.

Galli und sein Sohn waren am Dienstag zurückgekommen, um im Haus nach Autoschlüsseln zu suchen. Die waren nämlich in der Hektik der Brandnacht zurückgeblieben – und ohne sie können die Autos der Familie, die auf der Garageneinfahrt stehen, nicht bewegt werden.

Vater und Sohn staksten vorsichtig durch die verkohlten Reste der Inneneinrichtung, fündig wurden sie nicht. Resignation stand Siegfried Galli ins Gesicht geschrieben. Wie es ihm gehe? Ob er schon wieder Orientierung gefunden habe? Der 57-Jährige schüttelte nur den Kopf. Nein, Durchblick habe er noch überhaupt keinen, und er habe keine Ahnung, wann das wieder der Fall sein sollte.

Nachbarin stellte Wohnung zur Verfügung

Das Ausmaß der Zerstörung sei einfach zu groß, und der Schock sitze tief. Zwar habe sich mittlerweile ein Sachverständiger der Versicherung einen Eindruck vor Ort verschafft, doch was letztlich an Schadenersatz geleistet werde und wann Geld fließe, stehe in den Sternen. Sicher sei nur, dass der Wiederaufbau viel Kraft und Zeit kosten werde.

Untergebracht sind die Gallis aktuell übrigens in einer Wohnung einer Nachbarin, also nur wenige Meter vom Unglücksort entfernt. Die Bleibe, welche die Stadt unmittelbar nach dem Brand als Notquartier zur Verfügung gestellt hatte, habe sich als ungeeignet erwiesen, berichtete Galli. „Da waren nicht einmal Möbel drin.“

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Das Angebot der Nachbarin sei daher sehr willkommen und wegen der Nähe zum bisherigen Zuhause ein doppelter Glücksfall gewesen. Allzu lange möchte er die Hilfe jedoch nicht in Anspruch nehmen, sagte Galli.

Die Nachricht von der Sammelaktion des SV-Mitglieds Dominik Igl ist ebenfalls Balsam auf die Seele. Doch selbst wenn das aktuelle Ziel erreicht werden sollte: Galli fürchtet, „dass das auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein wird“.

Markt in Franken macht vor, was möglich wäre

Bis Donnerstag, 2. Juli, hatten 72 Bürger 3610 Euro beigesteuert. Die meisten haben 50 Euro locker gemacht, die höchste Spende liegt derzeit bei 200 Euro. Fast alle Unterstützer sind mit Klarnamen registriert, nur wenige legten Wert auf Anonymität. Die Initiatoren hoffen, dass die Spendenbereitschaft wieder an Dynamik gewinnt und der Appell weitere Kreise zieht.

Was möglich ist, ist an einem Beispiel in der fränkischen Marktgemeinde Eckental zu sehen. Auch dort hatte sich unlängst ein ähnliches Unglück wie in Maxhütte ereignet und es war ebenfalls über GoFundMe eine Spendenaktion ins Leben gerufen worden. Das Ergebnis bis Ende Juni: Überwältigende 72.000 Euro. Doppelt so viel sollen es noch werden.