Eichenprozessionsspinner sorgt auch im Städtedreieck Burglengenfeld für Stress

Das Thema schien sich heuer fast schon erledigt zu haben, doch dann schlug Burglengenfelds Bürgermeister (Landkreis Schwandorf) Martin Antretter (SPD) Alarm: Der sogenannte Eichenprozessionsspinner habe sich zu einem riesigen Problem entwickelt. In einigen Stadtgebieten sei der Befall „schockierend“, berichtete der Rathauschef dem Stadtrat. Grund genug für einen kurzen Überblick.
Der Eichenprozessionsspinner (EPS) ist eigentlich ein kleiner Schmetterling, der nachts unterwegs und daher eher unscheinbar ist. Das Problem sind seine Gelege, die insbesondere in Eichen zu finden sind und aus denen sich Raupen entwickeln, die nicht nur den Wirtsbaum schädigen. Ihre Brennhaare können bei Mensch und Tier verschiedenste Symptome hervorrufen: Rötungen oder Entzündungen, schmerzhaften Husten, ja sogar Atemnot.
Klimaveränderung begünstigte Ausbreitung des Falters
Die globale Erwärmung, so die übereinstimmende Expertenmeinung, hat dazu geführt, dass sich der Falter, der von Juli bis September unterwegs ist, immer weiter ausgebreitet hat. Kein Bundesland ist heute noch frei von Prozessionsspinnern.
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Der Raupenbefall scheint indes stark davon abhängig zu sein, welche Wetterbedingungen im Frühjahr vorherrschen. Heuer dürften sie ideal gewesen sein. Ob in Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof oder Teublitz – die Männer der Bauhöfe hatten und haben alle Hände voll zu tun, um befallene Stellen abzusichern und eine Bekämpfung in die Wege zu leiten.
Lage in der Höllohe hat sich wieder beruhigt
Die Stadt Teublitz setzte beispielsweise auf die professionelle Hilfe der Baumpflege- Zentrale Burglengenfeld, berichtet Pressesprecher Thomas Stegerer. Einen vollständigen Schutz könne die Kommune freilich nicht gewährleisten, weil die gesundheitsgefährdenden Haare der Raupen auch durch Wind verbreitet würden. Die Stadt lege deshalb auch großen Wert auf Prävention und Information. Die Bevölkerung sowie Besucher würden regelmäßig über die städtischen Kanäle, insbesondere die sozialen Medien, auf mögliche Gefahren hingewiesen.
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Ein Kapitel für sich ist in Teublitz der Wildpark Höllohe, für den der Landkreis zuständig ist. In der Einrichtung, die nicht nur in den Ferien ein beliebtes Ausflugsziel für Familien darstellt, stehen verhältnismäßig viele Eichen. Insofern ist es nur logisch, dass es viele Raupennester gibt. Höllohe-Leiter Lukas Reichel berichtet von 40 bis 50 Bäumen, die befallen gewesen seien. Das sei auch für den Wildpark ungewöhnlich. Mittlerweile habe sich die Lage aber wieder beruhigt. Eine Fachfirma habe die Gespinste abgesaugt. Klagen von Besuchern, die trotz aller Vorkehrungen durch Kontakt mit Brennhaaren zu Schaden gekommen wären, sind der Behörde nicht zu Ohren gekommen.
Auch Maxhüttes Bauhof wird von Fachfirma unterstützt
Maxhüttes Bürgermeister Rudolf Seidl (UWM) bestätigt ebenfalls, dass seine Stadt heuer vermehrt mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun hatte und hat. Der Bauhof werde bei der Bekämpfung durch eine Fachfirma unterstützt. Betroffene Bereiche würden erfasst und dann priorisiert. Vorrang bei Bekämpfungsmaßnahmen hätten Kindertagesstätten, Schulen, Spielplätze, das Naturbad Tegelgrube sowie weitere Bereiche mit hohem Publikumsverkehr. Andere Fundorte im öffentlichen Raum würden vorerst lediglich abgesperrt und mit Warnschildern gekennzeichnet.
Dass die Maßnahmen nicht ganz billig sind, versteht sich von selbst. Laut Seidl beliefen sich die Kosten für die Entfernung der EPS-Nester bisher bereits auf rund 5000 Euro.
In Burglengenfeld waren bisher nur vereinzelt Absperrungen und Warnschilder aufgefallen. Doch das Problem ist deutlich größer, als vermutet. Bürgermeister Antretter berichtete Mitte vergangener Woche von erschreckenden Ausmaßen des Naturphänomens. Betroffen seien unter anderem Bereiche am Hirtberg, am Galgenberg, am Augustenhof, die Verbindung zwischen Jura- und Dieselstraße sowie der Bereich hinter dem Vereinsheim in Pilsheim.
Stadt Burglengenfeld hofft auf Kooperationsbereitschaft
Erschwerend komme hinzu, dass sich die befallenen Eichen nicht nur auf öffentlichen Flächen befänden, wo die Stadt notfalls selbst sofort aktiv werden könne, sondern auch auf Privatgrund. Ergo sei man darauf angewiesen, dass auch die privaten Eigentümer entsprechende Maßnahmen ergriffen.
MZ-Recherchen haben ergeben, dass Geschäftsleiter Wolfgang Weiß zwischenzeitlich offenbar versucht hat, Privatpersonen zu sensibilisieren. Mindestens in einem Fall stieß er dabei auf offene Ohren.

Eine Grundbesitzerin berichtete, sie selbst habe noch gar nicht gewusst, dass ihr Biotop betroffen sei. Für den Hinweis sei sie dankbar. Nachdem sich die fraglichen Stellen in direkter Nachbarschaft zu Wohnanwesen befänden, fühle sie sich trotz der Kosten „natürlich verpflichtet zu handeln“. Das Problem sei nur, schnell eine geeignete Firma zu finden. Diese seien derzeit sehr gut ausgelastet, und natürlich habe die Hitze der vergangenen Tage die Arbeiten auch sehr erschwert.
Die Aufmerksamkeit der Stadt konzentriert sich unterdessen aktuell auf einen Bereich in Pilsheim. Dort befinden sich laut Pressereferentin Ulrike Pelikan befallene Eichen in unmittelbarer Nähe eines Spielplatzes. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes sei hier besonders schnelles Handeln erforderlich.
Stadt will natürliche Fressfeinde etablieren
Bis die Gespinste durch fachkundiges Personal abgesaugt und sachgerecht entsorgt sind, bittet die Stadt die Bürger, unter Eichen besondere Vorsicht walten zu lassen. Langfristig setze Burglengenfeld auf vorbeugende Maßnahmen, berichtet Pelikan. Geplant sei unter anderem die Förderung natürlicher Fressfeinde wie der Kohlmeise durch das Anbringen von Nistkästen, vorzugsweise im Umfeld von Eichen. Darüber hinaus werde geprüft werden müssen, ob besonders stark oder wiederholt befallene Eichen durch andere, widerstandsfähigere Baumarten ersetzt werden können.