Der Waldkindergarten – eine feste Größe in Burglengenfelds Betreuungsangebot

Von Thomas Rieke · 24. Juni 2026 um 17:00

Die für ihre Familienfreundlichkeit mehrfach prämierte Stadt Burglengenfeld hat für ihren Nachwuchs ein breites Spektrum an Betreuungseinrichtungen zu bieten. Eine ganz besondere unter ihnen feiert am Sonntag, 5. Juli, ihr zehnjähriges Bestehen – der Waldkindergarten „Eidexln“ unter der Trägerschaft des Roten Kreuzes.

Ein wunderschöner Morgen an einem Tropentag im Juni: Die Vögel zwitschern, Bäume mildern die Hitze, links und rechts erfreut ein Sammelsurium verschiedenster Pflanzen das Auge. Kurzum: Schon der Weg zum Kindergarten am Karlstein ist eine Wohltat. Der Fußmarsch entschleunigt und schärft die Sinne für die Wunder der Natur.

Empfangen wird der Besucher von Leiterin Nadine Koller. Die 42-jährige Erzieherin arbeitet seit 2017 in der „Frischluft-Kita“ und kann sich gut an die Anfänge erinnern. Im ersten Jahr habe sich die Nachfrage in Grenzen gehalten, berichtet sie. Zwei Fachkräfte hätten sich um sechs bis sieben Zwergerl gekümmert. Doch rasch habe die Einrichtung, die im Übrigen auf eine Initiative der CSU-Stadtratsfraktion zurückgeht, an Beliebtheit gewonnen, so dass die Aufnahmeobergrenze von 25 bald erreicht gewesen sei.

Der Bauhof leistete wertvolle Unterstützung

Ein schlichter Container für schlechte Tage, eine überdachte Terrasse aus Holz, durch Sonnensegel geschützte Sitzgelegenheiten, eine Vogelnestschaukel, ein Sandkasten – recht viel mehr zählt nicht zur Ausstattung des Kindergartens unweit des Bienenhauses der Imker. Doch, halt: Das Häusl mit Herz darf nicht vergessen werden. Männer vom Bauhof haben es liebevoll gezimmert – und „es funktioniert!“, versichert Koller mit einem Lächeln.

Das Spartanische sei genau so gewünscht, sagt die Erzieherin. Bewusst habe man weder einen Strom-, noch einen Wasseranschluss. Das bisschen Nass, das man fürs Händewaschen benötige, werde in Kanistern gebracht. Die Einschränkung sei kein Mangel, sondern Gewinn, erklärt Koller. So würden die Kinder schnell begreifen, wie wertvoll manches sei und dass man deshalb sparsam damit umgehen sollte. Außerdem: Durch den geringen Aufwand wurde auch die Stadtkasse geschont. Laut Informationen der MZ hat der Waldkindergarten nur rund 41 000 Euro gekostet.

Dieses Häusl haben Mitarbeiter des Bauhofs erstellt und mit dem typischen Herzerl an der Tür verziert. - Foto: Thomas Rieke

Das Gespräch im Freien findet begünstigt von einem lauen Lüftchen und in wohltuender Ruhe statt. Bis einige Kinder von der Terrasse aufs Gelände stürmen, die Schaukel belegen und an einer Werkbank zu hämmern beginnen. Nagelbilder werden gebastelt. Koller schmunzelt über den irritierten Besucher. Klar, Kinderlärm ist für sie bis zu einem bestimmten Punkt normal. Und hier, in ihrem Reich, müsse man den Nachwuchs nun wirklich nicht ständig in die Schranken weisen.

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Was Koller wundert – und auch ein wenig ärgert, sind Vorurteile, die sich hartnäckig zu halten scheinen. Manche Eltern hätten die Vermutung, der Waldkindergarten sei nur für „Wilde“ geeignet, und die Vorbereitung auf den „Ernst des Lebens“, die Schule, komme zu kurz. Die Leiterin stellt klar: Auch in ihrer Einrichtung werde nicht nur herumgetobt. Es existiere ein breit gefächertes Bildungsangebot. Der Unterschied zur gewöhnlichen Kita sei, dass die meisten Aktivitäten nach draußen verlagert würden. Und die Basis für viele Arbeiten sei Material aus der Natur. Baumscheiben, Blätter und Fichtenzapfen zum Beispiel. Lego-Steine, sonst überall ein Muss, sucht man hier vergebens.

Bei uns wird nicht nur herumgetobt, auch wir sind ein Bildungsort. Unsere Kinder können einen Stift halten und mit Schere und Klebestift umgehen.Nadine Koller, Leiterin des Waldkindergartens

Freilich: Das Wetter meint es nicht immer gut mit den Eidexl und ihren Betreuerinnen. Manchmal kann es daher anstrengend werden, räumt Koller ein. Doch es gibt eine Kuschelecke, und bei frostigen Temperaturen sorgt ein Holzofen schnell für wohlige Wärme. Insgesamt, so betont Koller, seien die Kinder sehr anpassungsfähig. Selbst wenn es draußen ungemütlich sei, drängten sie gern ins Freie. Von den Eltern seien sie dafür bestens ausgerüstet.

Ein Holzofen sorgt bei ungemütlichem Wetter für wohlige Wärme. - Foto: Thomas Rieke

Auch für den Fall, dass sich extreme Wetterereignisse ankündigen und ein Aufenthalt im Wald gefährlich werden könnte, ist laut Koller vorgesorgt: Die Eidexl dürfen dann in der Burg Zauberstein, also dem BRK-Kindergarten neben der Pfarrkirche St. Josef, unterschlüpfen. Einschlägige Warn-Apps hat die Erzieherin stets im Blick. Insgesamt aber begegnet sie möglichen Risiken mit wohltuender Unaufgeregtheit. Der Eichenprozessionsspinner beispielsweise, vor dem aktuell vielerorts gewarnt wird, ist für Koller kein Aufreger. Betroffene Stellen seien markiert, und der Bauhof tue sein Bestes, um dem Problem zu begegnen.

Bürgermeister lobt das pädagogische Konzept

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen derzeit die Vorbereitungen für den zehnjährigen Geburtstag der Einrichtung. Laut einer Mitteilung von Elternbeirätin Denise Mürling öffnet der Kindergarten an der frischen Luft am 5. Juli, 15 bis 18 Uhr, erstmals seine Pforten für die breite Öffentlichkeit und freut sich auf Neugierige, die sich einen Eindruck davon verschaffen möchten, was einen Waldkindergarten ausmacht.

Der Nachmittag wird bunt und abwechslungsreich, heißt es in der Einladung. Die Vorschulkinder bereiten ein Kasperltheater vor. Für die kleinen Besucher gibt es zudem eine Kreativ-Station, an der aus Ästen, Blättern und Steinen Kunstwerke entstehen können. Eine Tombola lockt mit Gewinnen. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Es gibt Kaffee und Kuchen sowie Fleischpflanzerl und ein Salatbuffet.

Sind ein Team: Lenka Zdrahalova, Bettina Deml, Nadine Koller, Jasmin Hofmann, Claudia Schmalzbauer und Yvonne Lobensteiner (v. l.). - Foto: Carolin Svec, Natürlichverliebt Fotografie

Bürgermeister Martin Antretter (SPD), erst seit wenigen Monaten im Amt, ist ein Fan der Einrichtung. Sie habe sich längst zu einem „festen und geschätzten Bestandteil der Kinderbetreuung in unserer Stadt entwickelt“. Und mit ihrem Konzept leiste sie einen „wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen, zukunftsorientierten und naturverbundenen Bildung unserer jüngsten Bürger“.

Pläne, den Waldkindergarten eventuell auszubauen, gibt es laut Antretter aber nicht. Das widerspräche dem Konzept der Institution, denn eine ihrer Stärken sei die geringe Größe.