Rewe kommt wohl doch nicht nach Bruck – Baut jetzt ein anderer Lebensmittelriese?

In Mögendorf bei Bruck (Landkreis Schwandorf) werden wohl keine rot-weißen Fahnen wehen. Nach MZ-Informationen hat Rewe seine Pläne für die Schöngraser Straße derzeit auf Eis gelegt. Die jahrelange Diskussion um die Ansiedlung eines Lebensmittelvollsortimenters an der Stelle nimmt damit eine überraschende Wende. Doch es ist weiter möglich, dass hier ein Supermarkt entsteht. Denn nun ist ein weiterer Name im Rennen.
Der MZ-Redaktion liegt eine E-Mail aus dem Hause Rewe vor. Darin teilt ein Manager mit, dass man das Vorhaben, an der Schöngraser Straße in Bruck einen Rewe-Markt anzusiedeln, aktuell nicht mehr weiterverfolgen werde. Man habe den Investoren im Januar 2026 ein Mietpreisangebot gemacht – das diese bis heute aber nicht angenommen hätten.
Sind die Rewe-Pläne für Bruck also offiziell Geschichte? Auf MZ-Nachfrage machte das Unternehmen zu dieser Frage keine Angaben. Man bitte um Verständnis dafür, dass Rewe „keine weitergehende Stellungnahme“ abgebe, teilte ein Sprecher von Rewe Süd schriftlich mit.
Auch Edeka hat Interesse am Standort Bruck
Auch die Investoren, die Kiermeier Unternehmensgruppe aus Straubing, und die Biber Holding aus Regensburg, äußerten sich zu den Entwicklungen. Gerhard Stierstorfer, Geschäftsführer der Biber Holding, erklärte auf Nachfrage, die bisherigen Planungen in Bruck hätten auf einen Vollsortimenter abgezielt. Gleichzeitig bringt er einen weiteren Namen ins Spiel: Sowohl Rewe als auch Edeka seien dieser Kategorie zuzuordnen. Eine Festlegung auf einen Betreiber gebe es bislang nicht. „Fakt ist, dass sowohl Rewe als auch Edeka bisher am Standort in Bruck Interesse haben“, so Stierstorfer.
Ob das für uns finanziell machbar ist, wird derzeit geprüft, da dieser Vorschlag ausschließlich zu unseren Lasten geht.Gerhard Stierstorfer
Der Investor teilte darüber hinaus mit, seines Wissens nach sei von Edeka angedacht, den bestehenden Markt in Bodenwöhr „unabhängig von der Entwicklung in Bruck zeitnah zu schließen“. Allerdings habe Edeka nun der Investorengruppe gegenüber Bereitschaft signalisiert, „im Zuge einer Gesamtlösung“ auch den bestehenden Markt in Bodenwöhr zu erhalten – und sei zwischenzeitlich mit einem konkreten Vorschlag auf die Investoren zugekommen.
„Sofern wir Edeka in Bruck wirtschaftliche Zugeständnisse machen, bietet Edeka an, in den bestehenden Markt in Bodenwöhr zu investieren und diesen weiterzubetreiben. Ob das für uns finanziell machbar ist, wird derzeit geprüft, da dieser Vorschlag ausschließlich zu unseren Lasten geht“, so Stierstorfer.
Investor bringt neuen Standort Nittenau ins Spiel
Auf die Frage, ob die Investorengruppe am Standort in Mögendorf festhalten oder auch einen anderen in Bruck in Betracht ziehe, erklärte Stierstorfer, dass die Gesamtentwicklung im Großraum bisher noch nicht öffentlich betrachtet worden sei. „Kommt der Vollsortimenter in Bruck nicht, wird dafür wohl zusätzlich ein Markt in Nittenau entstehen. Durch die Konzentration in Nittenau gehen dann Bruck und Bodenwöhr leer aus und haben auf Jahrzehnte hinaus keine Versorgung“, so die Einschätzung des Investors.
Bruck ist für Edeka ein interessanter Standort, wie aus der Unternehmenszentrale des Vollsortimenters verlautete. „Wir können bestätigen, dass wir uns mit allen relevanten Beteiligten in Gesprächen zur zukünftigen Nahversorgung in der Region befinden. Ziel ist eine wirtschaftlich tragfähige Gesamtlösung für einen möglichen neuen Markt in Bruck als auch für den bestehenden Standort in Bodenwöhr“, teilte Edeka Südbayern der Mittelbayerischen auf Nachfrage mit. Man bitte um Verständnis, dass man sich darüber hinaus aktuell nicht weiter äußern werde.
Idee wurde im vor knapp fünf Jahren in Bruck vorgestellt
Schon seit Herbst 2021 beschäftigt das Thema Lebensmittelversorgung die Brucker. Damals war das Vorhaben in der Marktgemeinde öffentlich bekannt gemacht worden – eine Projektentwicklungsgesellschaft aus dem Raum München, die sich später zurückzog, hatte den Markträten die Pläne zum Bau eines Vollsortimenters an der Schöngraser Straße im Brucker Ortsteil Mögendorf vorgestellt.
Es folgten kontroverse Diskussionen und Proteste vor allem von Mögendorfer Bürgern. Einige sammelten gemeinschaftlich rund 530 Unterschriften gegen eine Rewe-Ansiedlung und übergaben sie an die Marktgemeinde. Daraufhin einigten sich die Markträte darauf, die Brucker im Rahmen eines Bürgerentscheids über einen zusätzlichen Lebensmittelmarkt abstimmen zu lassen – mit klarem Ergebnis: 65,2 Prozent der Teilnehmer votierten für einen Vollsortimenter an der Schöngraser Straße.
In Bodenwöhr sieht man die Zukunft des eigenen Edeka-Standorts in Gefahr
Doch damit verstummten die Kritiker nicht und äußerten weiterhin Bedenken gegen das Projekt. Sie beklagten die drohende Flächenversiegelung und befürchteten Verkehrsprobleme und eine Gefahr für die bestehenden Brucker Geschäfte. Zudem formierte sich eine Bürgerinitiative, und auch die Gemeinde Bodenwöhr machte ihre Bedenken gegen das Rewe-Projekt öffentlich. In der Nachbarkommune ist man in Sorge um die Zukunft des eigenen Edeka-Marktes nahe der Gemeindegrenze zu Bruck – durchaus berechtigt, wie Äußerungen der Investoren nun zulassen.