Wegen Haarausfall: Frauen kommen bis aus Zypern zu Stylistin Evelyn Eckert nach Bruck

Von Bernd Hofmann · 9. Juni 2026 um 17:00

Hormonelle Probleme, erblich bedingter Haarausfall oder die Folgen einer Chemotherapie: Die Frauen, die zu Evelyn Eckert nach Bruck (Landkreis Schwandorf) kommen, leiden wegen ihrer Haare. Mit einer Technik, die sie aus ihrer afrikanischen Heimat mitgebracht hat, hilft die 39-Jährige den Frauen – und hat damit Erfolg, der auch international erkannt wird.

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Ganz versteckt, im ersten Stock eines Wohnhauses in der hinteren Marktstraße, hat Eckert ihren Haarsalon. Sie arbeitet mit sogenannter „Mesh Integration“, einer „afrikanischen Art“ von Extensions, wie sie es selbst nennt. Seit 2015 ist die gebürtige Nigerianerin in Deutschland, genauso lange hat sie auch schon ihr Geschäft. „Ich arbeite mit Haar, seit ich klein bin“, erinnert sich Eckert.

Wir sind nicht nur Stylisten, sondern auch Freunde und Therapeuten.Evelyn Eckert

Bei der „Mesh Integration“ werde ein Haarnetz an die bestehenden Haare eingeflochten, nicht mit Kleber oder Hitze wie bei Toupets, so die Stylistin. Zwischen acht und zwölf Wochen würden die Haarnetze halten, bis die eingesetzten Haare erneut eingeflochten werden müssen. „Ich möchte den Frauen lange, gesunde Haare machen“, sagt die Bruckerin. Gelernt hat Eckert ihr Handwerk im Friseursalon ihrer Mutter in Nigeria.

Kunden kommen bis aus Dänemark und Zypern nach Bruck

Für die Haarnetze kommen die Kundinnen aus ganz Europa. Wer bei ihr am Wochenende einen Termin haben will, müsse mit einer Wartezeit von rund einem Jahr rechnen, erzählt sie. Aus Dänemark, Belgien, der Schweiz, Österreich und Zypern wären schon Frauen nach Bruck gekommen. Sie überlege sogar schon, eine Unterkunft in ihrem Haus einzurichten. Im Umgang mit den Kundinnen sei es wichtig, den Frauen richtig zuzuhören. „Wir sind nicht nur Stylisten, sondern auch Freunde und Therapeuten.“ Die Arbeit mit den Kundinnen sei hochemotional.

Für die Extensions nutzt Eckert Echthaar, das zu großem Teil aus Europa kommt. - Foto: Bernd Hofmann

Eine Kundin blieb ihr besonders in Erinnerung: eine Jugendliche, die nach ihrer Chemotherapie nach Bruck kam. Für ihre Abschlussfeier wollte sie unbedingt wieder Haare haben. Eckert tat sich schwer, sie musste für das „Mesh“ die sehr kurzen Haare der Jugendlichen verlängern, um das Netz einflechten zu können. Aber es war ein Erfolg: „Die Mama hat geheult, der Papa hat geheult, die Tochter hat geheult, ich hab geheult“, erinnert sich Eckert.

Im Internet werden Vorher-Nachher-Transformationen veröffentlicht

Ihre Arbeit teilt Evelyn Eckert auf Social Media - und findet dort Erfolg. Insgesamt rund 300.000 Nutzer folgen ihr auf Tiktok und Instagram. Dort teilt sie unter anderem Vorher-Nachher-Transformationen ihrer Kundinnen – ein Muss, findet Eckert, die sich selbst als kamerascheu beschreibt.

Die Bruckerin will sich vergrößern. Wichtig sei ihr, dass sich die Unterstützung für ihren Salon bereits mit der Netz-Technik auskenne. Deshalb komme die zukünftige Kollegin ebenfalls aus Nigeria und beherrsche das „Mesh“-System. Allerdings würden die Mühlen der Bürokratie bekanntlich langsam mahlen: Seit sechs Monaten warte man auf einen Termin bei der deutschen Botschaft in Nigeria, erzählt Eckert.

Die Chefin will weiter selbst hinter dem Stylistenstuhl stehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen“, sagt sie. Schon während ihrer Zeit an der Universität in Nigeria war sie von der Arbeit ihrer Mutter begeistert. „Mama hat mir verboten, dass ich an der Uni einen Laden aufmache“, erinnert sie sich.

Dem widersetzte sie sich zwischenzeitlich und fing, in ihrer Studentenwohnung, mit dem Frisieren an – schon damals mit Erfolg. In ihrer Universitätszeit lernte sie online ihren Mann kennen und zog, einige Zeit nach ihrem Abschluss, nach Bruck. In der Marktgemeinde fühle sie sich aufgehoben, vor allem in der Familie ihres Mannes, so Eckert. „Ich kann mir nicht vorstellen, aus Bruck auszuwandern“, sagt die Stylistin.