Umstrittenes Baugebiet Annahaid in Nittenau: Benachbarte Fläche steht zum Verkauf

Von Cornelia Lorenz · 9. Juni 2026 um 11:00

Die Pläne für das Baugebiet Annahaid in Nittenau haben vor allem bei Anwohnern und Naturschützern in den vergangenen Jahren für einige Aufregung gesorgt. Seit März 2025 ruhen die Planungen. Doch nun gibt es vor Ort eine neue Entwicklung: Ein benachbartes, gut 5200 Quadratmeter großes Grundstück soll ebenfalls für Wohnbebauung vermarktet werden.

Auf einem Immobilienportal im Internet wird die Lage des Areals im Stadtteil Bergham angepriesen: Es handle sich um ein Grundstück in einem ruhigen Wohngebiet in zweiter Reihe am Waldrand, bei dem man nicht an einen Bebauungsplan gebunden sei. Das Grundstück könne in mehrere Parzellen aufgeteilt werden, sei interessant für Bauträger und Investoren und „eine echte Rarität in idyllischer Lage“, heißt es in dem Inserat weiter.

„Es hat bislang ein allgemeines Gespräch mit dem Grundstückseigentümer gegeben. Konkrete Vereinbarungen, Zusagen oder abgestimmte Planungen mit der Stadt Nittenau bestehen derzeit nicht.Alexandra Oppitz, Rathaussprecherin

Zudem könne das Grundstück in enger Kooperation mit der Stadt Nittenau erschlossen werden und mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern, Villen oder Bungalows bebaut werden. Handelt es sich dabei etwa um ein Areal, das sich, so wie die nahe gelegene Annahaid-Fläche, derzeit noch im Besitz der Stadt befindet, aber nun veräußert werden soll? Rathaus-Sprecherin Alexandra Oppitz erklärte auf Nachfrage, die Stadt sei nicht Eigentümerin, vielmehr handle es sich um Privatbesitz.

Stadt hält Bebauungsplan für wichtig

Eine Kooperation in Sachen Erschließung, wie sie im Inserat angesprochen werde, sei bislang nicht vereinbart. „Es hat bislang ein allgemeines Gespräch mit dem Grundstückseigentümer gegeben. Konkrete Vereinbarungen, Zusagen oder abgestimmte Planungen mit der Stadt Nittenau bestehen derzeit nicht“, so Oppitz weiter.

Das Grundstück sei im aktuell rechtskräftigen Flächennutzungsplan als allgemeines Wohngebiet dargestellt. Zwar gibt es derzeit keinen Bebauungsplan, doch aus Sicht der Stadt sollte sich das ändern. „Um eine geordnete, städtebauliche Entwicklung sicherzustellen, wird bei Überplanung des Areals die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans oder ein alternatives Planungsinstruments vorgeschlagen. Die Planung muss sich in die Umgebung einfügen und anpassen“, heißt es dazu aus dem Rathaus weiter. Die Stadt selbst habe derzeit kein Interesse am Erwerb des Grundstücks.

Annahaid-Planungen liegen seit Frühjahr 2025 offiziell auf Eis

Das ist nicht weiter überraschend, schließlich hat die Stadt im Frühjahr 2025 die Weiterentwicklung des direkt angrenzenden Baugebiets Annahaid vorerst auf Eis gelegt. Bürgermeister Benjamin Boml (FW) hatte Ende März 2025 bei einer Ratssitzung darüber informiert, dass die Stadt die weiteren Planungen zurückstelle, da noch viel Nachweis- und Klärungsbedarf bestehe.

Zuvor hatte das Thema Annahaid die Stadt aber über einen längeren Zeitraum hinweg intensiv beschäftigt. Im Januar 2022 hatte sie bekannt gegeben, dass es ihr nach längeren Bemühungen endlich gelungen sei, aus privater Hand Flächen zu erwerben, um ein knapp vier Hektar großes Areal für ein neues Baugebiet nördlich des Annahaidwegs zu schaffen. 40 Einfamilienhäuser und zwölf Doppelhaushälften sollten hier laut Stadtratsbeschluss möglich sein. Bei Anwohnern und Naturfreunden sorgten diese Pläne für jede Menge Widerstand.

Bei der Stadt gingen 25 Stellungnahmen ein

Im November 2022 hatte der Stadtrat beschlossen, für das Annahaid-Areal einen Bebauungsplan aufzustellen und den Flächennutzungsplan zu ändern, um dort Wohnbebauung zu ermöglichen. Im Januar 2023 wurden im Stadtrat mehrere Varianten für die Gestaltung des neuen Baugebiets vorgestellt. Fünf Monate später folgte im Gremium der Billigungs- und Auslegungsbeschluss.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung waren bei der Stadt 25 Stellungnahmen eingegangen, darunter 18 von Behörden und Trägern öffentlicher Belange. Dabei wurden vor allem Sorgen wegen steigender Verkehrsbelastung und der Rodung des Waldes geäußert. Auch wurden Bedenken angemeldet, ob der Bedarf für ein neues Baugebiet im Außenbereich von Nittenau tatsächlich vorhanden sei – besonders angesichts vorhandener Baulücken im Innenbereich.

Flächennutzungsplan wird derzeit aktualisiert

Auch wenn die Planungen für die Entwicklung des Annahaid-Wohngebiets aktuell ruhen: Gestorben seien sie nicht, betont Bürgermeister Boml. Derzeit arbeitet das Planungsbüro TB Markert weiterhin an der Aktualisierung des Flächennutzungsplan für die Stadt Nittenau. Hier warte man bei einigen Punkten immer noch auf Rückmeldungen von Behörden. Den Bedarf für das städtische Baugebiet Annahaid könne man aber nachweisen, so Boml.