Paukenschlag: Gemeinderat Bodenwöhr einstimmig gegen Rewe-Ansiedlung in Bruck

Von Jonas Neubauer · 29. Januar 2026 um 19:00

Die geplante Ansiedlung eines Rewe-Marktes in der Nachbarkommune Bruck war nun auch im Gemeinderat Bodenwöhr das bestimmende Thema. Dabei ging es um mögliche Auswirkungen im gemeinsamen Unterzentrum. Am Ende gab das Gremium einstimmig eine negative Stellungnahme ab.

Grundlage der Beratungen war ein erster Sachstandsbericht aus der Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungskonzepts, mit dem das Münchner Beratungsunternehmen CIMA seit Dezember 2025 betraut ist. Nach Darstellung von Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) zeigen die bisherigen Ergebnisse bereits eine klare Tendenz.

Versorgung abgedeckt durch bestehende Vollsortimenter

„Die Versorgungssituation in beiden Orten ist derzeit durch Vollsortimenter abgedeckt. Die verbleibenden Umsatzpotenziale sind begrenzt“, sagte Hoffmann. Nach derzeitigem Stand reichten diese nicht aus, um einen weiteren Markt wirtschaftlich tragen zu können. Entscheidend sei nicht nur die absolute Kaufkraft, sondern deren Verteilung innerhalb des bestehenden Angebots.

Projektleiter Herbert Brunner von der CIMA Beratung + Management GmbH erläuterte dem Gremium die bisherigen Analyseergebnisse. Grundlage seien unter anderem aktuelle Einwohnerzahlen, Kaufkraftkennziffern, das Kaufverhalten sowie die bestehende Angebotsstruktur im gemeinsamen Einzugsgebiet von Bodenwöhr und Bruck. „Wir sehen bereits heute eine relativ hohe Kaufkraftbindung im gemeinsamen Grundzentrum“, erklärte Brunner. Die noch vorhandenen Entwicklungsspielräume seien gering und müssten mit Blick auf die bestehende Struktur bewertet werden.

Nach den vorläufigen Berechnungen müsse bei einer zusätzlichen Ansiedlung mit deutlichen Umsatzverlagerungen gerechnet werden. „Diese Umsätze entstehen nicht neu, sondern würden von bestehenden Anbietern abgezogen“, sagte Brunner. In der frühen Einschätzung der CIMA seien Umsatzverluste in einer Größenordnung von 15 bis 20 Prozent realistisch, abhängig von Standort, Größe und Ausgestaltung des geplanten Markts. Besonders betroffen wären demnach Anbieter im unmittelbaren Umfeld.

Besondere Aufmerksamkeit galt im Gemeinderat den möglichen Folgen für den einzigen Vollsortimenter in Bodenwöhr. Hoffmann berichtete von Gesprächen mit dem Betreiber, in denen deutlich geworden sei, dass ein weiterer Markt in unmittelbarer Nähe erhebliche Risiken berge. „Uns wurde sehr klar signalisiert: Kommt dieser Markt, ist für den Edeka in Bodenwöhr kein wirtschaftlicher Betrieb mehr möglich“, sagte der Bürgermeister. Ein Wegfall dieses Angebots hätte nach Einschätzung der Gemeinde weitreichende Folgen für die Nahversorgung, aber auch für Frequenz und Stabilität der Ortsmitte insgesamt.

Auch aus fachlicher Sicht sprach sich Brunner gegen eine zusätzliche Ansiedlung aus. „Die wenigen vorhandenen Ausbaupotenziale sollten genutzt werden, um die bestehenden Standorte zu sichern und weiterzuentwickeln“, sagte der Projektleiter. Ein zusätzlicher Markt würde „nicht zu einer Verbesserung der Versorgung führen, sondern zu einem Verdrängungswettbewerb zulasten der vorhandenen Betriebe“.

CIMA sieht Schwächen bei vorhandenem Gutachten

Im weiteren Verlauf der Sitzung thematisierte das Gremium ein bereits vorliegendes Auswirkungsgutachten zum geplanten Marktprojekt in Bruck. Nach Einschätzung der CIMA weist dieses an mehreren Stellen methodische Schwächen auf. „Es gibt handwerkliche Fehler und Unschärfen in der Bewertung, insbesondere bei der Betrachtung der Umsatzverlagerungen“, sagte Brunner.

Aus Sicht der Gutachter würden nicht alle relevanten Angebotsformen einbezogen, zudem sei die tatsächliche Belastung für bestehende Märkte teils zu niedrig angesetzt worden. Die laufende Fortschreibung des Einzelhandelsentwicklungskonzepts solle deshalb eine fachlich belastbare Grundlage liefern, um die Auswirkungen nachvollziehbar und vergleichbar darzustellen.

Am Ende der Beratung folgte der Bodenwöhrer Gemeinderat den Ausführungen. Einstimmig beschloss das Gremium, im laufenden Bauleitplanverfahren eine negative Stellungnahme abzugeben. „Aus unserer Sicht würde das geplante Vorhaben die bestehende Nahversorgung nicht stärken, sondern gefährden“, erklärte Hoffmann. Brunner ergänzte: „Auf Basis der bisherigen Ergebnisse können wir eine zusätzliche Marktansiedlung fachlich nicht empfehlen.“

Zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Georg Hoffmann die Vereidigung von Stefan Fritsch vornommen, der als Nachrücker für die Freien Wähler in den Gemeinderat einzieht. Stefan Fritsch folgt auf Johann Fritsch, der kürzlich verstorben ist. Das Gremium fasste die notwendigen Beschlüsse. Hoffmann hieß Stefan Fritsch im Gemeinderat willkommen.

Bürgermeister Georg Hoffmann (l.) nahm Stefan Fritsch im Gemeinderat Bodenwöhr den Eid ab. - Foto: Jonas Neubauer