Mehr Windräder in der Region Neumarkt genehmigt – Aber der Ausbau hat ein Problem

Von Wolfgang Endlein · 22. März 2026 um 05:00

Der Ausbau der Windkraft im Landkreis Neumarkt schreitet voran. Seit Februar gilt der Regionalplan Windkraft. Er stellt Flächen für Windräder zur Verfügung. Bereits zuvor hatte das Landratsamt mehrere Anlagen genehmigt und für weitere laufen die Verfahren. Wir geben einen Überblick.

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Aktuell hat das Landratsamt sieben neue Windräder genehmigt. Weitere 15 Genehmigungsverfahren für rund 35 Standorte laufen. Wo diese sind, das sagt die Behörde aufgrund von Datenschutz nicht. Die Verfahren betreffen teils den Neubau, teils die Erneuerung bestehender Windräder.

Vier der sieben Anlagen will die Max Bögl SRE GmbH an der Grenze zwischen Berngau und Neumarkt bauen. Hinzu kommt das Windrad von Max Bögl auf dem Winnberg (Gemeinde Sengenthal). Zudem haben ein Windrad nahe Dippersricht (Lauterhofen) und eines von Unternehmer Hermann Trollius südlich von Lauterhofen die Genehmigung.

Einige der im Landkreis Neumarkt genehmigten Windräder drehen sich frühestens 2027

Nahe Dippersricht steht der Aufbau des Turms bevor. Auf dem Winnberg starteten im Herbst die Vorarbeiten. Laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur soll die Anlage im Sommer 2027 in Betrieb gehen. Bei den restlichen fünf genehmigten Windrädern liegt die geplante Inbetriebnahme jeweils weit im Jahr 2027.

Das hat unter anderem mit Klagen zu tun. Gegen die vier Windräder auf Berngauer Gebiet wehren sich Anwohner vor dem Verwaltungsgerichtshof. Laut Gericht stehen noch keine Verhandlungstermine fest. Die Klage gegen das Trollius-Windrad wurde zurückgenommen.

Aber selbst mit einer Genehmigung in der Tasche, die zudem nicht beklagt wird, ist der Bau eines Windrades alles andere als sicher. Denn der Windkraft-Ausbau im Süden ist unter Druck. Dabei spielt die Einspeisevergütung eine entscheidende Rolle. Vereinfacht erklärt, garantiert der Staat für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom einen fixen Mindestpreis. Für windschwächere Standorte, die sich vor allem im Süden finden, werden natürliche Nachteile zusätzlich finanziell ausgeglichen.

Der Staat tut dies, weil laut Studien Windenergie im Süden zwar teurer zu erzeugen ist, dies dem Gesamtsystem aber dennoch Geld spart. Die Logik dahinter: Der Süden ist wirtschaftlich wichtig und braucht Strom. Er ist aber auf Importe aus dem Norden angewiesen. Das erzeugt ein Problem: Wenn das Netz überlastet ist, müssen Windräder im Norden abgeschaltet und teure Gaskraftwerke im Süden hochgefahren werden. Mit Windkraft im Süden kann man diese Redispatchkosten und Netzausbaukosten laut Experten senken.

Max Bögl legt Windkraft-Projekt im Landkreis Cham auf Eis

Aber beim Windkraftausbau im Süden hakt es, obwohl Bayern nach Jahren der Blockade aktuell besonders schnell Windräder genehmigt. Dennoch legten beispielsweise Max Bögl und die Regionalwerke im Landkreis Cham vor Kurzem ihre Pläne für mehrere Windparks vorerst aufs Eis.

Das Problem, das nicht nur dieses Projekt hat: An den Ausschreibungen nehmen mehr Projekte teil als Einspeisevergütungen zu vergeben sind. Das drückt den Zuschlagswert. Im November lag dieser durchschnittlich bei rund sechs Cent pro Kilowattstunde. Weil Windkraft-Projekte im Norden günstigere Bedingungen haben, können sie niedrigere Gebote abgeben. Ein Großteil der Zuschläge ging in den Norden.

Zwar gleicht das sogenannte „Referenzertragsmodell“ die Nachteile windschwächerer Standorte aus, allerdings, so bemängeln Kritiker, werden die höheren Kosten durch die Topographie, kleinteiligere Projekte und Genehmigungsverfahren im Süden nicht ausreichend berücksichtigt.

Die bayerische Staatsregierung fordert ihrerseits mehr Ausschreibungen mit mehr Volumen, damit auch Projekte im Süden an eine Einspeisevergütung kommen. Zudem müsse das Referenzertragsmodell weiter ausgebaut werden.

Michael Vogel von der Neumarkter Bürgergenossenschaft Jurenergie plädiert dabei jedoch dafür, die guten Standorte stärker zu unterstützen, nicht die schlechten. „Keiner will auf stillstehende Windräder blicken“, sagt Vogel, der die drei bei Postbauer-Heng geplanten Windräder der Jurenergie bei den guten Standorten wähnt. Er ist zuversichtlich, dass sie trotz der Entwicklung der Einspeisevergütung wirtschaftlich funktionieren.

Windräder für den eigenen Stromverbrauch im Vorteil

Ob das bei einem Projekt der Fall sei, hänge zudem nicht nur vom Staat ab, sagt Vogel. Der Projektentwickler müsse seine Hausaufgaben machen. Es gehe um den richtigen Standort, Pacht und sonstige Kosten. Gerade bei der Pacht hätte so mancher in der Vergangenheit über die Stränge geschlagen, hat Vogel beobachtet.

Wie es mit dem Ausbau weitergeht, wird die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes stark beeinflussen. Sie soll im Laufe des Jahres kommen.

Gelassener auf die Lage können Windkraft-Projekte blicken, die den produzierten Strom selbst verbrauchen. Die Vergütung ist für sie weniger wichtig. So will Max Bögl mit dem Windrad auf dem Winnberg das Werk in Sengenthal beliefern. Trollius hat das mit seiner Anlage für den eigenen Steinbruch ebenfalls vor.

Auch die Stadtwerke Neumarkt wollen den Strom ihrer zwei geplanten Windräder größtenteils in Neumarkt verwenden. Entsprechend dürfte deren Bau nichts entgegen stehen, wenn die Genehmigung da ist. Wie zu hören ist, soll dies nicht mehr lange dauern.