Immer wieder Probleme bei Zügen über Schwandorf: Wo hakt es beim RE2 und RE25?

Der RE2 zwischen Hof und München sowie der RE25 zwischen Prag und München fahren beide über Schwandorf. Und beide schnitten zuletzt denkbar schlecht ab, wenn es um die Betriebsqualität ging. Im jüngsten Ranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), veröffentlicht im Dezember 2025, belegen die Verbindungen jeweils den letzten Platz. Wo liegt das Problem?
Ob man nun die BEG oder die Eisenbahnunternehmen fragt, in einem sind sich alle einig: Es ist kompliziert. Der RE2 wird seit Dezember 2023 von der DB Regio Bayern bedient. Für den RE25, gemeinhin als „Alex“ bekannt, ist hingegen die Länderbahn zuständig. Doch trotz unterschiedlicher Betreiber teilen sich die Verbindungen ein Problem: Sie belegen im Betriebsqualitäts-Ranking für 2024, veröffentlicht von der BEG, mit 79,4 Prozent jeweils den letzten Platz. Neuere Bewertungen liegen bisher nicht vor.
Bei der Länderbahn war vor allem die Pünktlichkeit der große Knackpunkt. Der „Alex“ kommt hier auf einen Wert von nur 43,7 Prozent. Die DB Regio schneidet hingegen bei der Regelzubildung mit 49,5 Prozent besonders schlecht ab – dieser Wert definiert, ob die Sitzplatzkapazitäten eingehalten wurden, wie sie die BEG bestellt hat. Aus der Pünktlichkeit, Zugfahrquote, Regelzugbildung und Anschlussquote wird im Ranking ein Gesamtwert gebildet. Zum Vergleich: Das Netz „Kissinger Stern“, betrieben von der Erfurter Bahn, belegte mit 99,0 Prozent den Bestwert.
Aber wo hakt es nun? Auch da liegen die Meinungen gar nicht so weit auseinander. „Die strukturellen Herausforderungen sind auf beiden Linien immens“, teilt die Pressestelle der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mit. Eine überlastete Infrastruktur, der schlechte Zustand der Infrastruktur oder der Richtungs- und Traktionswechsel: All das seinen „wesentliche Einflussfaktoren“, die sich laut BEG auf die Betriebsqualität auswirken.
Strecke bis nach Regensburg ist nicht elektrifiziert
So ist die Strecke bis nach Regensburg nicht elektrifiziert, zudem ist der Abschnitt zwischen Schwandorf und Pilsen nur eingleisig. Auch seien der Abschnitt Regensburg-Freising-München sowie der Bahnknoten Regensburg stark ausgelastet. Beim RE25 waren die Grenzkontrollen, die bis August 2024 stationär im Bahnhof Furth im Wald stattfanden, noch ein zusätzlicher Problemfaktor. Nach Angaben der BEG seien diese durchaus „zeitintensiv“ gewesen.
Auch Eugen Rubinstein, Geschäftsführer der Länderbahn, ist mit dem Ergebnis des „Alex“ im BEG-Qualitätsranking nicht zufrieden. Das Problem liegt für ihn hauptsächlich in der Infrastruktur – ebenso wie in der fehlenden Elektrifizierung. Es sei insgesamt zu wenig Kapazität auf dieser Infrastruktur vorhanden, sagt der Geschäftsführer im MZ-Gespräch. Er betont zugleich, dass andere Verbindungen der Länderbahn – etwa die Oberpfalzbahnen – im Ranking besser abschneiden. „Das ist ein deutliches Zeichen, dass die Infrastruktur nicht mehr hergibt.“
Die Betriebsqualität im Jahr 2024 wird unserem Anspruch an Zuverlässigkeit für unsere Fahrgäste nicht gerecht.Eine Bahnsprecherin zum RE2 zwischen Hof und München
Weil die Strecke zwischen Schwandorf und Pilsen nur eingleisig ist, brauche es viele Kreuzungspunkte, damit entgegenkommende Züge ausweichen können. Neben dem Alex seien auch die Oberpfalzbahn sowie der Güterverkehr auf der Strecke unterwegs. Das Problem: Wenn eine Verspätung auftritt, überträgt sich diese zwangsläufig auf die entgegenkommenden Züge.
Einstweilen habe die Länderbahn in Zusammenarbeit mit der BEG durchaus Maßnahmen ergriffen, um Probleme abzufedern, betont Rubinstein. In München komme nun beispielsweise eine Wendelok zum Einsatz. Wenn der Zug in den Kopfbahnhof eingefahren ist, wird vorne also gleich eine neue Lok angekoppelt – das aufwendige Rangieren entfällt so. Und die ursprüngliche Lok verlässt erst den Bahnhof, wenn der Zug wieder abgefahren ist. Dieses System sei überall eingeführt worden, wo ein Wechsel stattfindet.
Doch die Möglichkeiten, das Problem mit eigenen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, sind nach den Worten Rubinsteins „in gewissem Maße begrenzt“. Sein großer Wunsch wäre daher ein „zweigleisiger Ausbau mit der Elektrifizierung“, sagt der Länderbahn-Geschäftsführer. „Dann habe ich das Nonplusultra erreicht. Dann kann ich im Grunde das Programm, das ich jetzt fahre, auch sehr verlässlich und sehr stabil und vor allem pünktlich bedienen.“
Bahn setzt auf „Bündel an Maßnahmen“
Tatsächlich ist die Elektrifizierung der Strecke zwischen Nürnberg und Furth im Wald geplant – so steht es jedenfalls im Bundesverkehrswegeplan 2030. Dabei sollen einzelne Streckenabschnitte – etwa Hiltersdorf-Irrenlohe oder Wackersdorf-Bodenwöhr – auch ein zweites Gleis bekommen. Doch bis diese Pläne in die Realität umgesetzt werden, dürfte noch einiges Wasser die Naab hinabfließen. Derzeit laufen erst die Vorplanungen – gefolgt von der Parlamentarischen Befassung, der Entwurfs- und Genehmigungsplanung, dem Planfeststellungsverfahren und der Ausführungsplanung. Erst dann starten die ersten Bauarbeiten.
Die DB Regio Bayern ist ebenfalls nicht zufrieden, wie der RE2 zwischen Hof und München abgeschnitten hat. „Die Betriebsqualität im Jahr 2024 wird unserem Anspruch an Zuverlässigkeit für unsere Fahrgäste nicht gerecht“, sagte eine Bahnsprecherin. „Wir arbeiten konsequent an Verbesserungen.“ Im Jahr 2024 lag eines der Probleme darin, dass es im Dezember 2023 einen „massiven Wintereinbruch“ gegeben habe. Zahlreiche Fahrzeuge seien deshalb defekt gewesen. Im Frühjahr und Sommer kamen zudem Langsamfahrstellen als weiteres Problem dazu.

Man setze aber, so die DB, auf ein „ganzes Bündel an Maßnahmen“, um die „Situation für die Fahrgäste nachhaltig zu verbessern“. Es seien unter anderem zusätzliche Lokomotiven beschafft worden, zudem bekämen die Zugwagen „schrittweise eine Auffrischung“. Und am Regensburger Bahnhof gebe es zusätzliches Personal, um den „dortigen Lok- und Richtungswechsel“ zu stabilisieren und zu beschleunigen. „Auch das zahlt auf einen pünktlicheren Betrieb ein“, so die Sprecherin. Nicht zuletzt sei die Strecke Regensburg-Schwandorf umfassend saniert worden.
Generell seien die Ursachen für Verspätungen und Zugausfälle vielfältig, betont die Sprecherin. Ein Grund sei, dass es aktuell im gesamten Schienennetz zahlreiche Baustellen gebe – auch kurzfristige. „. Die Bautätigkeiten wirken sich zwar negativ auf die Pünktlichkeit aus, gleichzeitig schaffen sie die Voraussetzung, dass die Züge künftig pünktlicher unterwegs sein können.“
Die DB Infra GO investiere 2026 jedenfalls „massiv in eine bessere Bahninfrastruktur in Bayern“. Rund 500 Kilometer Gleise und 200 Weichen würden demnach erneuert. Insgesamt würden über vier Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur im Freistaat fließen.
Die BEG will ebenfalls dafür sorgen, dass sich die Zuverlässigkeit erhöht. Wie die Länderbahn weist auch diese auf die Wendelok hin. Und in den neuen Verkehrsverträgen sollen „einfachere Betriebskonzepte“ vorgegeben werden, heißt es, „um Störquellen weiter zu reduzieren“. Am Ende werden die Fahrgäste beurteilen, ob sich die Situation verbessert hat.