Elektrifizierung in Schwandorf: Wie die Bahn für schnellere und pünktlichere Züge sorgen will

Es ist eines der größten Infrastrukturprojekte in der Geschichte des Freistaats: die Elektrifizierung der Bahnstrecken. Auch im Abschnitt Marktredwitz-Regensburg stehen große Veränderungen an. Diese betreffen auch das Schwandorfer Stadtgebiet. Am Mittwoch stellten die Planer der DB infraGO den aktuellen Stand im Bauausschuss vor.
Wie bereits mehrfach berichtet, haben es die einzelnen Maßnahmen in sich, werden viele Jahre dauern und Milliarden an Kosten verursachen. Alleine auf der Strecke zwischen Marktredwitz und Regensburg will die Deutsche Bahn (DB) 5000 Oberleitungsmasten bauen und 200 Brücken erneuern. Zwischen Schwandorf und Irrenlohe soll zudem ein drittes Gleis mehr Kapazitäten im Kreuzungsbereich mit der Strecke Nürnberg-Furth im Wald schaffen.
Die DB erhofft sich dadurch bessere Taktungen, einen Ausbau des Fernverkehrs und attraktive Möglichkeiten für den Güterverkehr. Das betonte Teilprojektleiter Patrick Rupp auch vor dem Schwandorfer Bauausschuss am Mittwoch nochmals. Außerdem erinnerte er daran, dass man sich nach wie vor in den Vorplanungen befinde. Somit sei bei weitem noch nichts in Stein gemeißelt. Die weiteren Entscheidungen zur Ausführung treffe der Bund.
Eins kristallisiert sich aber bereits heraus: In und um die Große Kreisstadt wird sich in den kommenden Jahrzehnten einiges tun. Denn Schwandorf spielt bei den Elektrifizierungsplänen als Knotenpunkt eine zentrale Rolle. Die Planer der DB infraGO haben drei Abschnitte in den Fokus genommen: die Strecke vom Bahnhof Irrenlohe bis zum Schwandorfer Bahnhof, den Schwandorfer Bahnhof an sich und die Strecke vom Bahnhof Schwandorf bis zum perspektivischen Haltepunkt Klardorf.
Drittes Gleis und barrierefreier Ausbau in Irrenlohe
Die Vorplanungen der Deutschen Bahn sehen vor, dass am Bahnhof Irrenlohe ein drittes Gleis entstehen soll. Außerdem soll der Bahnhof barrierefrei ausgebaut werden. Auf der dann dreigleisigen Strecke bis zum Bahnhof Schwandorf sollen insgesamt sieben sogenannte „Ingenieursbauwerke“ neu errichtet werden. Dabei handelt es sich um Straßen- und Eisenbahnüberführungen, also meistens um Brücken.
Sowohl die Straßenüberführung am Bahnhof in Irrenlohe als auch bei der Gemeindeverbindungsstraße bei Richt sollen einem Neubau weichen. Denn beide Brücken seien nicht dafür ausgelegt, dass später einmal ein drittes Gleis unter ihnen hindurchführt, heißt es. Bei der Straßenüberführung an der B85 bei Richt sieht das anders aus: Dieses Bauwerk soll erhalten bleiben.
Wegen der Drei-Gleis-Problematik würden auch die Eisenbahnüberführung (EÜ) Flutbrücke Richtergraben, die Überführung bei der Staatsstraße 2397, sowie die Eisenbahnüberführung Amberger Straße/Krondorf nach aktuellen Planungen allesamt neu gebaut. Neben der bestehenden Naabbrücke im Norden des Bahnhofs Schwandorf soll zudem eine neue Überführung entstehen. Die Brücke an der Ettmannsdorfer Straße ist indes für die Verlegung eines dritten Gleises ausgelegt. Dort sollen lediglich Stahlkonstruktionen für die geplante Lärmschutzwand gesetzt werden.
Auch der Schwandorfer Bahnhof soll barrierefrei werden
Ein Großprojekt im Zuge der Elektrifizierung stellt auch der barrierefreie Ausbau des Schwandorfer Bahnhofs dar. Bahnsteige sollen verbreitert, erhöht und für alle erreichbar sein – auch durch Aufzüge. Dadurch verschiebt sich die Gleislage im Bahnhof. Gleise müssten entfallen, die an anderer Stelle im Bahnhof ersetzt werden müssten.
Das bringe Änderungen im Spurplan, neue Weichenverbindungen und ein neues Stellwerk mit sich, sagen die Planer der DB infraGO.
Neuer Straßenverlauf und Überholgleise in Klardorf
Auch auf der Strecke vom Schwandorfer Bahnhof nach Klardorf soll sich laut Vorplanungen der DB einiges tun. Der Spurplan soll neu geordnet werden, außerdem seien zusätzliche Weichenverbindungen und Überholgleise nötig.
Zudem sollen drei Ingenieursbauwerke neu entstehen, darunter auch die Eisenbahnüberführung Steinbergersteg, die im Volksmund auch unter „Regensburger Unterführung“ bekannt ist. Diese verbindet die Steinberger Straße und die Paul-von-Denis-Straße, also den Bereich beim TWF-Gelände, mit dem Lindenviertel. Dort gebe es momentan noch zwei denkbare Varianten: neu bauen oder den Bestand mit einem neuen Überbau erhalten. Bei einem Neubau wäre eine Straßenverbreiterung auf 8,50 Metern möglich, ebenso wie ein kombinierter Geh- und Radweg.
Neu gebaut werden soll außerdem eine Brücke im Bereich Klardorfer Straße. Diese soll den bestehenden Bahnübergang Klardorf, der aufgelassen werden soll, ersetzen. Das hat auch Folgen für die Straße. Diese soll letztendlich umgelegt werden und hufeisenförmig südlich des bestehenden Bahnübergangs verlaufen. Außerdem soll dafür gesorgt werden, dass ein möglicher Bahnhaltepunkt in Klardorf perspektivisch ans Schienennetz angebunden wird. Aufgelöst werden soll auch die Anrufschranke bei Unterweiherhaus. Diese hat in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt, weil Bürger an der Anrufschranke bis zu 20 Minuten warten mussten und selbst die Bahn davor gewarnt hatte.
Lediglich kleinere Anpassungen soll es an den Brücken geben, die über die Friedrich-Ebert-Straße, die Hans-Kraus-Allee und über die SAD2 führen. Dabei handelt es sich um Erdungsarbeiten und Maßnahmen für den Berührungsschutz. Zu guter Letzt ist noch eine neue Überführung am sogenannten „Kranzlohrgraben“ geplant – als Ersatzneubau für 740 Meter Überholgleise.
Wenig Informationen zu Zeitplan und Kosten
Wann das Mammutprojekt startet und wie lange es dauern wird, konnten die Planer der DB am Mittwoch auf Nachfrage einiger Stadträte im Bauausschuss nicht sagen. Die Maßnahmen werden – wenig überraschend – Jahre in Anspruch nehmen und Milliarden kosten, hieß es.
Nach Abschluss der Vorplanung entscheidet der Bund. Die gewählte Variante geht dann in die sogenannte Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Es schließt sich ein baurechtliches Planfeststellungsverfahren an, dann geht es in die detaillierte Planungsphase. Ist auch diese abgeschlossen, rollen die Maschinen an. Das wird aller Voraussicht nach nicht vor 2030 sein, hieß es bereits in der Vergangenheit.