Wieder Trasse durchs Naabtal? Bahnstrompläne könnten für Zündstoff in Schwandorf sorgen

Von Hubert Heinzl · 18. März 2025 um 05:00

Kaum ist der Ostbayernring in Betrieb, gibt es Planungen für die nächste Stromtrasse durch den Landkreis Schwandorf. Für die Elektrifizierung der Strecke von Regensburg nach Marktredwitz will die Bahn eine eigene 110-kV-Leitung errichten. Das könnte in Schwandorf für Diskussionen sorgen.

Die Voruntersuchungen für die Elektrifizierung der Bahnstrecke laufen schon seit Jahren. Doch nun hat das Projekt eine entscheidende Phase erreicht: Die Regierung der Oberpfalz hat die Raumverträglichkeitsprüfung (früher: Raumordnungsverfahren) für eine neue Bahnstromtrasse eingeleitet, die von der DB Energie GmbH geplant wird.

Bahn plant Freileitung auf 150 Kilometer Länge

Auf einer Strecke von rund 150 Kilometern soll sie als Freileitung die Umspannwerke (im Bahn-Jargon: Unterwerke) Burgweinting (Stadt Regensburg), Irrenlohe (Stadt Schwandorf), Weiden und Pechbrunn (Kreis Tirschenreuth) verbinden. An diesen Standorten wird künftig der Bahnstrom auf die erforderliche Betriebsspannung von 15 kV transformiert und in die Oberleitungen eingespeist.

Im jetzt angestoßenen Verfahren soll geprüft werden, wie sich das Vorhaben auf Umwelt, Landschaft, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus oder die Wohnqualität auswirkt. Die Öffentlichkeit bleibt dabei nicht außen vor: Auch betroffene Bürgerinnen und Bürger können sich bis 25. April zu dem Vorhaben äußern.

Den Planungsunterlagen zufolge orientiert sich die Bahnstromtrasse möglichst an existierender Infrastruktur. Die bis zu 35 Meter hohen Masten sollen nach dem Prinzip der Bündelung in weiten Teilen entlang der bestehenden Bahntrasse, der Autobahn 93 und des Ostbayernrings aufgestellt werden.

Große Kreisstadt ist ein Sonderfall

Das Gebiet der Großen Kreisstadt markiert nicht nur wegen des geplanten Unterwerks in Irrenlohe einen Sonderfall. Denn ähnlich wie in Weiden schlagen die Planer hier nicht nur einen 200 Meter breiten Trassenkorridor vor, sondern präsentieren gleich drei mögliche Varianten, die von Maxhütte-Haidhof über das Schwandorfer Stadtgebiet bis zum Bahnhof Irrenlohe verlaufen.

Variante Nummer eins folgt bis zum Umspannwerk in Büchelkühn dem Verlauf der 220-kV-Leitung des Bayernwerks. Anschließend geht es in nordwestlicher Richtung vorbei an Haselbach und dann in einem starken Schwenk nach Osten bei Kreith Richtung Irrenlohe.

Variante Nummer zwei ist bis zum Umspannwerk in Büchelkühn mit der ersten Trassenalternative identisch, folgt anschließend aber dem Verlauf des Ostbayernrings über Ettmannsdorf und das Naabtal und ab Krondorf ein kurzes Stück entlang der Bahnlinie bis nach Irrenlohe. Diese Option gilt laut Planunterlagen auch als „Vorzugstrassenkorridor“.

Gut möglich also, dass in der Schwandorfer Flutmulde irgendwann wieder eine zusätzliche Freileitung verläuft. Dabei waren zur Freude der betroffenen Anwohner hier erst kürzlich einige Strommasten abgebaut worden.

Strommasten des Bayernwerks sind abgebaut

Wie Sprecher Christian Mertens von Bayernwerk Netz auf Anfrage informierte, wurde beim Neubau des Ostbayernrings durch Tennet eine Art Huckepack-Lösung für die bestehende 110-kV-Hochspannungsleitung des Bayernwerks realisiert. Zwischen Dachelhofen und Irlaching wird diese mit einer kurzen Unterbrechung nun auf dem Ostbayernring mitgeführt. Die Strommasten des Bayernwerks sind inzwischen abgebaut.

Jetzt auch noch die Leitungen für den Bahnstrom auf den großen Tennet-Masten mitzuführen, halten Techniker für unmöglich. Eine Bündelung der Stromkreise von drei und mehr Netzbetreibern auf einem Gestänge sei „baulich, betrieblich und aus Gründen der Netzsicherheit grundsätzlich ausgeschlossen“, heißt es in den Planungsunterlagen, die der Regierung der Oberpfalz vorgelegt wurden.

Ausbautrasse Nummer drei schließlich orientiert sich an der Bahnlinie Richtung Marktredwitz, führt also die Bahngleise entlang durch Schwandorf bis Irrenlohe. Im Stadtgebiet kämen laut den vorgelegten Unterlagen aber Sondermasten zum Einsatz, die zwar ähnlich hoch, doch weit weniger ausladend sind als die herkömmlichen Bautypen.

Stadt Schwandorf hat sich bereits positioniert

Genau dieser Variante gibt auch die Stadt Schwandorf den Vorzug. Das gilt sowohl für Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) und die Stadtverwaltung, als auch für den Stadtrat. Bereits in der März-Sitzung des vergangenen Jahres sei ein entsprechender Beschluss gefasst worden, brachte Schwandorfs Pressesprecher Andreas Hofmeister in Erinnerung. Die Begründung: Mit den beiden Stromtrassen des Ostbayernrings sei die Stadt „schon heute außerordentlich hohen Belastungen ausgesetzt. Etwaige zusätzliche Belastungen durch ein neu entstehendes Bahnstromnetz sollen daher vermieden werden“, so Hofmeister.

Ob das Thema erneut dem Stadtrat vorgelegt werden soll, ist nach Angaben des Stadtsprechers zurzeit noch offen. Aktuell liefen interne Gespräche über das weitere Vorgehen. „Auf deren Basis wird dann ein konkreter Zeitplan zur Entscheidungsfindung festgelegt.“

Bis über die Raumverträglichkeit von Trasse und Trassenvarianten entschieden ist, wird es nach aller Erfahrung noch Monate dauern. Das Raumordnungsverfahren für den Ostbayernring erstreckte sich über ein ganzes Jahr, das Verfahren für die Umgehungsstraße im Städtedreieck sogar über 14 Monate.

Der genaue Verlauf der Bahnstrom-Trasse wird sich dann im anschließenden Planfeststellungsverfahren unter Federführung des Eisenbahn-Bundesamts ergeben. Die Bahn selbst rechnet laut den eingereichten Unterlagen mit einer Bauzeit von zwei Jahren.