Elektrifizierung hat in Schwandorf auch Folgen für einen Bahnübergang

Die geplante Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg – Marktredwitz hat nicht nur Folgen auf der Schiene. Auch für Bahnübergänge und Brücken in Schwandorf wird das Großprojekt einige Änderungen mit sich bringen, wenn es ernst wird. Im Bauausschuss lagen gleich drei Anfragen der DB InfraGO auf dem Tisch.
Die erste Anfrage zielte auf den Bahnübergang Unterweiherhaus, nicht weit vom Klausensee entfernt. Erst kürzlich hatte dieser für Aufsehen gesorgt, weil Bürger an der Anrufschranke bis zu 20 Minuten warten müssen. Doch im Zuge der Elektrifizierung soll der Überweg komplett aufgelöst werden.
Der Bahnübergang sei einerseits sehr gering frequentiert. Andererseits seien die landwirtschaftlichen Flächen über andere Wege erreichbar. Und für die Elektrifizierung wäre ein Umbau nach den neuesten Standards nötig. Das aber hätte sehr hohe Kosten zur Folge. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit solle der Überweg daher aufgelöst werden – zumal der Übergang Neuwolferlohe und Klardorf nur 1,4 beziehungsweise 1,6 Kilometer entfernt sind. Auch das städtische Sachgebiet Tiefbau und der Bauausschuss waren damit einverstanden.
Der Übergang werde schon lange nicht mehr von Menschen genutzt, die dort ihre Flächen bewirtschaften, sagte CSU-Stadtrat Hans Sieß. Ihnen fehle schlicht die Zeit, um 20 Minuten zu warten. Allerdings äußerte Sieß die Sorge, dass Fußgänger und Radfahrer künftig die Gleise einfach überqueren könnten.
Beim zweiten Punkt ging es um die Bahnbrücke, die über einen Wirtschaftsweg Krondorf mit Richt verbindet. Denn als Folge der Elektrifizierung wird zwischen Schwandorf und dem Bahnhof Irrenlohe ein drittes Gleis gebaut – die Brücke muss daher neu errichtet werden. Die Weite und die Höhe würden dann nicht mehr passen, sagte Roland Stehr, Leiter des städtischen Sachgebiets Tiefbau.
Der Wirtschaftsweg bei Richt war umstrittener
Nun wollte die Bahn wissen, ob die Stadt Veränderungen oder Vergrößerungen an der Brücke vornehmen lassen will. Aber das ist nicht der Fall, wie Stehr erläuterte. Das vorhandene Bauwerk sei „ausreichend“ und solle im selben Umfang wiederhergestellt werden. Auch der Bauausschuss unterstützte das einhellig. Für die Stadt entstehen so keinerlei Kosten.
Etwas umstrittener war die dritte Anfrage. Damit will die DB InfraGO nördlich von Richt das Teilstück eines Wirtschaftswegs auflösen lassen. Er liegt nahe der Grünwaldstraße und verläuft unter der B85-Brücke. Wenn es nach der Bahn geht, soll der Weg im Bereich des Brückenbauwerks in Zukunft unterbrochen werden.
Auch das liegt am dritten Gleis, weil dessen Achse am Rand des Wirtschaftsweges zum Liegen kommt. Im Ergebnis müsste dieser gen Osten verschoben und dafür die Brücke zwingend neu errichtet werden – mit einer größeren Spannweite und einer größeren Konstruktionshöhe. Auch die B85 müsste dafür wohl erhöht werden.
„Das wäre ein riesiger Aufwand“, sagte Stehr und erinnerte an die Verkehrsbelastung, die durch Arbeiten an der Bundesstraße entstünden. Für die Verwaltung wäre es deshalb vertretbar, das Teilstück aufzulösen. Zumal es eine Alternative gebe: einen Weg entlang des Straßendamms der B85, der nur zu ertüchtigen sei.
Elektrifizierung nicht vor 2030
Doch Hans Sieß hatte Bedenken. Für die Grundstücksbesitzer bedeute das einen Umweg von bis zu zwei Kilometern, wenn diese ihre Flächen bewirtschaften wollten, gab der CSU-Sprecher zu bedenken. Deshalb hakte er nach, ob für die Stadt Kosten entstünden, wenn man den Weg so wie bisher beibehalten wolle.
Zwar würden wohl keine Kosten entstehen, sagte Stehr. Aber letztlich gehe es um eine Frage der Verhältnismäßigkeit, ob der Mehraufwand und die Millionenkosten tatsächlich gerechtfertigt seien. Ähnlich argumentierte auch Alfred Braun für die SPD. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit gebe es keine Alternative, als dem Vorschlag der DB InfraGO zu folgen, sagte er. Sieß war anderer Meinung und wollte den Weg beibehalten.
Am Ende stimmte aber die Mehrheit dafür, das Teilstück aufzulösen – gegen vier Stimmen. Die Entscheidungen werden aber erst relevant, wenn die Bahn tatsächlich mit der Elektrifizierung beginnt. Nach aktuellem Stand ist der Baubeginn nicht vor 2030 zu erwarten.