Bis zu 20 Minuten Wartezeit: Deutsche Bahn warnt in Schwandorf vor eigenem Übergang

Von Philipp Breu · 18. April 2024 um 05:00

Wer neben dem Weiler Unterweiherhaus nahe des Schwandorfer Klausensees über die Gleise will, braucht Geduld. Denn dort bleiben die Schranken unten – bis man selbst aktiv wird. Die Deutsche Bahn hat deswegen ein Schild platziert, das im Netz für Häme sorgt.

Denn auf der Hinweisetafel wird vor einer Wartezeit von bis zu 20Minuten gewarnt. Zudem werden Verkehrsteilnehmer gebeten, einen anderen Weg einzuschlagen.

Zugegeben, man muss etwas suchen, bis man den besagten Bahnübergang findet. An einer viel befahrenen Straße liegt er nicht. Er verbindet zwei Feldwege miteinander. Der eine führt vorbei am Klardorfer Kieswerk, der andere bindet den Weiler Unterweiherhaus ans Verkehrsnetz an, zumindest rudimentär.

Vor allem Radfahrer und Fußgänger passieren hier die Gleise, auf denen unter anderem Güterzüge sowie mehrere RB- und RE-Linien – zum Beispiel von Marktredwitz nach Regensburg oder Regensburg nach Nürnberg – verkehren. Doch das gestaltet sich gar nicht so einfach. Die Schranken sind unten, die Drehkreuze gesperrt. Ein Schild weißt darauf hin, dass man doch bitte die Sprechanlage benutzen solle. Oder, man sucht sich gleich einen anderen Weg, wie die Deutsche Bahn auf einer anderen Hinweistafel selbst schreibt.

Deutsche Bahn stellte Schild bereits 2022 auf

Letztere sorgte kürzlich in einer lokalen Facebook-Gruppe für Schmunzeln und Diskussionen gleichermaßen. Dort wurde ein Foto des Schilds mit der süffisanten Überschrift „Kein Ort für Menschen, die es eilig haben“ veröffentlicht. Schnell füllte sich die Kommentarspalte. „Ehrlich sind sie ja“, befand ein Leser mit einer gehörigen Portion Ironie. Ein anderer ging mit der Bahn deutlich härter ins Gericht: „Warum muss dann die Bahn keinen Tunnel oder keine Brücke bauen? Uns Bürger würde man für solche Eingriffe in den Verkehr und die öffentliche Ordnung zur Rechenschaft ziehen.“

Ein weiterer Nutzer hat eine simple Erklärung: „Die Bahnmitarbeiter sind ständig überlastet. Da kann man nicht erwarten, dass da wegen jedem geöffnet wird. Das Schild ist da neu und dient der Abschreckung.“ Tatsächlich ist das Schild gar nicht so neu, wie die Deutsche Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung schildert. Es wurde bereits Ende 2022 an besagtem Übergang platziert.

Bahnübergang wurde für defekt gehalten

Grund dafür sei gewesen, dass Verkehrsteilnehmer aufgrund der langen Wartezeiten immer wieder die geschlossenen Schranken überquert hätten, „vermutlich in der Annahme, der Bahnübergang sei gestört, was aber nicht der Fall war“, so eine Sprecherin der DB.

Die langen Wartezeiten seien bedingt durch die Sicherheitslogik an diesem Bahnübergang. Das Öffnen der Schranke sei zum Schutz der Straßenverkehrsteilnehmer erst zugelassen, wenn sich in beiden Fahrtrichtungen kein Zug mehr im Streckenabschnitt befindet und die Signale, nachdem Züge den Streckenabschnitt verlassen haben, auf Halt gestellt werden können.

„Je nach Fahrlage, Zugdichte und Fahrgeschwindigkeit der Züge bedingt dies entsprechende Wartezeiten bis zum Öffnen der Schranken. Dies hatte zu häufigen Nachfragen geführt“, heißt es weiter.

Damit die Schranken überhaupt nach oben gehen, bedarf es aber erst einen Anruf. Über eine Sprechanlage werden die Verkehrsteilnehmer nach Knopfdruck mit einem Bahnmitarbeiter verbunden. Dieser sitzt laut DB in Schwandorf und gibt den Übergang dann ebenfalls per Knopfdruck frei – wenn es die Verkehrslage an den Gleisen zulässt.

Schranken werden zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet

Hat man diese dann passiert, werden die Schranken wieder geschlossen. Zuvor muss der Bahnmitarbeiter aber wieder über die Sprechanlage darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass der Bahnübergang geräumt ist. Während stark frequentierten Zeiten, also im Sommer, am Wochenende oder bei schönem Wetter, werde der Mitarbeiter mehrere Male pro Stunde kontaktiert. Der Service stehe laut Deutscher Bahn zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung.

In der Region der nordöstlichen Oberpfalz gebe es nur wenige Übergänge mit ähnlicher oder zumindest vergleichbarer Konstellation. Doch warum hat man sich an dieser Stelle überhaupt für den doch relativ umständlichen Weg entschieden?

„Diese Form der Sicherungslogik erfüllt nach dem zugrunde gelegten Verkehrsaufkommen die anerkannten Regeln der Technik und entspricht folglich auch dem Regelwerk der DB InfraGO AG“, antwortet die Bahn darauf nur kurz.

Am Bahnübergang soll vorerst alles beim Alten bleiben

Änderungen seien vorerst nicht geplant. Zwar begrüße die Bahn grundsätzlich „jede Auflassung eines Bahnübergangs durch Schaffung von Umfahrmöglichkeiten, Über- oder Unterführungen“. Doch eine Neugestaltung sei häufig mit größeren Eingriffen in das Infrastrukturumfeld verbunden.

Zudem existierten bei den angesprochenen Fällen in vertretbarer Nähe Alternativen wie Unterführungen beziehungsweise Bahnübergänge mit kürzeren Schließzeiten.

Auch beim Klausensee ist das der Fall. Nur wenige Hundert Meter weiter können Verkehrsteilnehmer die Gleise ebenfalls passieren – an einem Übergang mit automatischer Ampelschaltung.

Wer über die Gleise will, muss anrufen. Nach einem Knopfdruck wird der Verkehrsteilnehmer mit einem Bahnmitarbeiter verbunden. Foto: Philipp Breu