Elektrifizierung von Marktredwitz über Schwandorf bis Regensburg: Erste Einblicke in das Mega-Projekt

Von Hubert Heinzl · 10. Januar 2024 um 17:00

Die Vorarbeiten für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Marktredwitz – Regensburg kommen voran. Ende 2024 sollen die Planungen beim Eisenbahn-Bundesamt vorgelegt werden. Im Vorfeld will die Bahn bei fünf Infomärkten die Bevölkerung über den Stand der Planungen informieren – unter anderem in Nabburg, Schwandorf und Maxhütte-Haidhof.

Bei einer Online-Konferenz präsentierten am Mittwoch die Verantwortlichen der Deutschen Bahn die ersten Planungen für den 135 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Marktredwitz und Regensburg. Gesamtprojektleiter Norman Wilk verdeutlichte die Dimensionen des Vorhabens, das von der Region seit Jahrzehnten eingefordert wird. Im Verlauf des Ausbaus sind 200 Brückenbauwerke zu überprüfen und bei Bedarf auch auszubauen, 26Bahnübergänge zu entschärfen. Mit einer Realisierung ist laut Wilk erst in Jahren zu rechnen: „Die 2030er Jahre werden die Bau- und Umsetzungsphase sein.“

Gute Nachrichten für den Kreis Schwandorf

Für die Bürgermeister im Landkreis Schwandorf hatte der Projektleiter gute Nachrichten parat: So ist nach seinen Worten im Rahmen der Elektrifizierung auch der barrierefreie Ausbau der Bahnhöfe in Nabburg, Irrenlohe und Schwandorf geplant. Die Maßnahmen in der Großen Kreisstadt sollen laut Wilk noch vor dem eigentlichen Trassenausbau erfolgen: „Wir werden das Vorhaben an den Beginn unserer Bauabfolge stellen. Das steigert auch die Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Der Bahnhof Wernberg soll sogar noch früher ertüchtigt werden – im Rahmen einer „Vorabmaßnahme“.

Eine Perspektive gibt es nach den Worten des Projektleiters auch für weitere Haltepunkte im Landkreis Schwandorf. Laut Wilk hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) eine Potenzialanalyse sowohl für den Schwandorfer Ortsteil Klardorf als auch für einen Halt bei Ponholz (Stadt Maxhütte-Haidhof) in Auftrag gegeben. Parallel soll im Rahmen einer Untersuchung geklärt werden, wie sich zusätzliche Stopps auf Taktung und Fahrzeiten auswirken würden. Die Ergebnisse stehen jeweils noch aus.

Mit der Prüfung, ob sich frühere Haltepunkte wiederbeleben ließen, hat die Bahn auf Vorstöße aus der Kommunalpolitik reagiert. Im vergangenen Jahr hatte sich der Schwandorfer Stadtrat einstimmig für die Reaktivierung des Bahnhalts Klardorf ausgesprochen und bekam dabei auch vom Kreistag Rückendeckung.

Die „Ponholzer Kurve“ wird begradigt

Auch die Stadt Maxhütte-Haidhof setzt sich schon seit einiger Zeit für einen zusätzlichen Bahnhalt bei Ponholz ein. Eine Reaktivierung des ehemaligen Haltepunkts kommt hier laut Projektleiter Norman Wilk allerdings nicht in Frage – er müsste verlegt werden. Denn die Bahn plant in dem Maxhütter Ortsteil eine deutlich geänderte Trassenführung, die die „Ponholzer Kurve“ durch ein ausgedehntes Waldstück und Wasserschutzgebiet begradigt und von Maxhütte-Haidhof aus in etwa in Nord-Süd-Richtung verläuft.

Die Chancen, dass Pendler künftig auch in Ponholz wieder zusteigen können, stehen offenbar nicht schlecht: „Der neue Haltepunkt soll entstehen. Das ist Teil unserer Überlegungen“, bekräftigte Wilk.

Er erläuterte auch den weiteren Fahrplan für die Elektrifizierung. Ende 2024 sollen die Vorplanungen beim Eisenbahn-Bundesamt vorgelegt werden. Im Jahr 2025 entscheidet der Bundestag, wie es weitergeht. Gibt es grünes Licht, kann die Bahn in die Entwurfs- planung eintreten. Über die Genehmigung entscheidet das Eisenbahn-Bundesamt im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens. Erst dann geht es planerisch in die Details und schließlich in die Umsetzung.

Fahrzeit soll sich um 20 Minuten verkürzen

Die Bahn erwartet nach eigenen Angaben von der Elektrifizierung deutliche Verbesserungen. Die gesamte Fahrzeit zwischen Hof und Regensburg soll sich um 20 Minuten verkürzen, der Fernverkehr mit möglichen Haltestellen in Schwandorf, Weiden und Wiesau wieder eingeführt werden. Die Interessen der Anlieger will die Bahn laut Projektleiter Wilk durch einen Schallschutz „nach höchsten deutschen Standards“ wahren.

Aber das ist zurzeit noch Zukunftsmusik. Bei den öffentlichen Infomärkten von Januar bis März können die Bürger erst einmal einen Einblick in den gegenwärtigen Stand der Planungen gewinnen. Und mit den Vertretern der Bahn ins Gespräch kommen.

Fünf Infomärkte von Weiden bis Maxhütte-Haidhof

Und das sind die Termine: Nach dem Auftakt am 17. Januar in der Max-Reger-Halle in Weiden und am 31. Januar in Wiesau finden die restlichen drei Infomärkte im Landkreis Schwandorf statt. Am 19. Februar informiert die Bahn in der Nabburger Nordgauhalle, am 28. Februar in der Schwandorfer Oberpfalzhalle und zuletzt am 13. März in der Stadthalle Maxhütte-Haidhof. Die Infomärkte finden jeweils zwischen 15.30 und 19 Uhr statt, sodass auch Berufstätige die Möglichkeit haben, sich umfassend zu informieren.

Erstmals werden dabei auch dreidimensionale Modelle von Streckenabschnitten mit ihren Varianten präsentiert. „So wird bereits in diesem frühen Planungsstadium die künftige Streckenführung mit ihren Auswirkungen auf das Umfeld erlebbar“, wie die DB mitteilt. Wert legt die Bahn dabei nach eigenen Angaben auf den persönlichen Austausch des Planungsteams mit den Bürgern.