Neue Gleise, Brücken, Bahnhöfe: Elektrifizierung hat weitreichende Folgen für Schwandorf

Von Philipp Breu · 24. November 2023 um 15:00

Die Bahn will moderner, attraktiver und umweltfreundlicher werden. Einen wichtigen Beitrag dazu soll die Elektrifizierung der Bahnstrecken leisten. Am Donnerstag stellten die Planer der DB Netz AG im Verkehrsausschuss erste Konzepte für den Abschnitt Marktredwitz-Regensburg vor. Die angedachten Maßnahmen im Stadtgebiet Schwandorf haben es in sich.

Eine wichtige Nachricht schickte Teilprojektleiter Patrick Rupp bei der Sitzung gleich vorneweg. Man befinde sich derzeit in den Vorplanungen, untersuche zunächst mögliche Varianten. Die Vorplanung soll bis Ende 2024 abgeschlossen sein. Die weiteren Entscheidungen über deren Ausführung liegen dann beim Bund. Deswegen könne derzeit auch noch keine seriöse Aussage über den Beginn der Baumaßnahmen oder über mögliche Kosten getroffen werden. Vor 2030 sei ein Start der Maßnahmen aber nahezu unmöglich.

Grundsätzlich gehe es neben der Elektrifizierung auch um den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe sowie die Modernisierung und Neutrassierung der Bestandsstrecken. Auch in und um Schwandorf sei einiges zu tun, schilderte Rupp mit Blick auf das Schwandorfer Stellwerk, das 1943 in Betrieb genommen wurde, oder das Stellwerk bei Nabburg, das noch zehn Jahre älter sei. „Wenn die Strecke in Betrieb geht, ist sie wohl eine der modernsten in Deutschland“, so Rupp, der anschließend auf die wesentlichen Maßnahmen für den Stadtbereich Schwandorf überleitete.

Irrenlohe: Barrierefreiheit und Änderungen auf der Strecke

Hier soll nach den ersten Plänen der DB Netz eine komplett neue Bahnsteiganlage gebaut und durch Rampen und Aufzüge barrierefrei erschlossen werden. Der Bahnsteigübergang soll durch eine Personenunterführung ersetzt werden. Der Aufzug soll den Mittelbahnsteig für alle erschließen. Zudem werden die Bahnsteige höher gesetzt, um leichter einsteigen zu können. Für die Neugestaltung des Bahnhofs Irrenlohe gebe es mehrere Varianten, die sich laut Rupp im Kern aber ähneln würden.

Auch auf der Strecke zwischen Irrenlohe und Schwandorf soll sich einiges ändern. Ein sogenanntes Überwerfungsbauwerk sei im Gespräch, das man sich wie ein Autobahnkreuz vorstellen könne. Dort, wo sich die Linien Richtung Weiden und Richtung Nürnberg treffen, könnten so mögliche Konflikte aufgelöst werden. Die Strecke Richtung Weiden würde in diesem Bereich vier Meter abgesenkt und die Strecke Richtung Nürnberg um vier Meter erhöht werden.

Außerdem werde auf dem Abschnitt zwischen Schwandorf und Irrenlohe aktuell ein drittes Gleis untersucht. Neben der bestehenden Naabbrücke im Norden des Bahnhofs Schwandorf soll in diesem Zug auch eine neue Eisenbahnüberführung gebaut werden. Die beiden Straßenbrücken an der B85 und an der Nürnberger Straße würden voraussichtlich Neubauten weichen. „Die Variantenentscheidung drittes Gleis und/oder Überwerfungsbauwerk wird erst Ende der Frühplanung fallen“, so Rupp. Dann werde nämlich eine sogenannte ‚„eisenbahnbetriebswirtschaftliche Untersuchung“ gemacht. Hier werde ein fiktiver Fahrplan auf die Spurpläne angewendet, um nachzuweisen, welche Maßnahme sinnvoll ist.

Schwandorfer Bahnhof soll komplett neu konzipiert werden

Der barrierefreie Ausbau wird die wohl größte Maßnahme am Schwandorfer Bahnhof sein. Bahnsteige sollen verbreitert, erhöht und für alle erreichbar sein – auch durch Aufzüge. „Dadurch verschiebt sich die Gleislage im Bahnhof“, erklärte Rupp. Drei Gleise müssten entfallen, die an anderer Stelle im Bahnhof ersetzt werden müssten. Das bringe Änderungen im Spurplan, neue Weichenverbindungen und ein neues Stellwerk mit sich. „Sozusagen eine komplette Neuordnung des Bahnhofs.“ Dazu könnte auch ein Neubau der Eisenbahnbrücke an der Ettmannsdorfer Straße notwendig sein. Man tüftle aber gerade an der Optimierung der Trassierung, um das Bauwerk erhalten zu können. Was man noch wissen müsse: „Wenn Weichen auf den Bauwerken zum liegen kommen, müssen auch die Bauwerke angepasst werden“, erklärte Rupp. Somit werde auch ein Neubau der Unterführung von der Steinberger Straße zum Gleisdreieck notwendig sein.

Neue Überholgleise im Ortsteil Klardorf

Im Ortsteil Klardorf soll der Bahnübergang beseitigt und zwei Überholgleise für den Güterverkehr verlegt werden, die zwischen den beiden Hauptgleisen verlaufen sollen. Die alternative Wegführung werde weiter südlich verlaufen. Aktuell würden eine Straßenüberführung oder Unterführung untersucht. Für den Personen- und Radverkehr soll an der Stelle des Bahnübergangs eine Unterführung gebaut werden.

Auch dem Schallschutz soll Rechnung getragen werden

Grundsatz: „Überall dort, wo Wohnbebauung herrscht, werden im Zuge des Projekts Schallschutzwände gebaut“, sagen die Planer.

Aktiv: Aktiver Schallschutz habe immer Vorrang vor dem passiven Schallschutz. Er minimiert den Schall dort, wo er entsteht, also direkt an der Schiene.

Passiv: Beim passiven Schallschutz handelt es sich um indirekte Maßnahmen, zum Beispiel neue Fenster.

Spielraum: Auch die Kommunen haben beim Thema Schallschutz einen gewissen Spielraum. Zumindest dahingehend, wie die Wände optisch aussehen sollen. Stadtwappen oder lokale Wahrzeichen könnten darauf beispielsweise abgebildet werden.

Wunsch: Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) regte an, einen Lärmtag, wie er schon vor acht Jahren am Rangierbahnhof bei München stattfand, zu wiederholen. Dort konnten sich die Bürgermeister ein Bild machen, wie bestimmte Schallschutzmaßnahmen in der Praxis wirken. Dieser Vorschlag wurde seitens der DB angenommen.