Schwandorf will für einen Bahnhalt in Klardorf eintreten

Von Johannes Hartl · 28. April 2023 um 05:00

Wer in Klardorf wohnt und mit dem Zug nach Regensburg will, der muss erst nach Schwandorf zum Bahnhof fahren. Dabei führt das Gleis direkt am alten Klardorfer Bahnhof vorbei. Jetzt will die Stadt dafür eintreten, dass es im Stadtsüden wieder einen Bahnhaltepunkt gibt.

Bis in die 1980er Jahre gab es in Klardorf bereits einen Bahnhof, wie es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat heißt. Doch heute hält der Zug von Schwandorf nach Regensburg zum ersten Mal erst nach rund 15Kilometern – nämlich in Maxhütte-Haidhof. Auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt gibt es keinen weiteren Halt.

Bahnhalt könnte den Parkplatz am Bahnhof Schwandorf entlasten

Wenn es nach der Stadt geht, soll sich das ändern. „Wir wollen probieren, ob wir in Klardorf einen Halt etablieren können“, sagte Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) im Stadtrat. Das könne den Schwandorfer Bahnhof – und mit ihm die Park-and-Ride-Anlage – entlasten. Deshalb hat die Stadt am 8. März die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gebeten, zu prüfen, ob eine Haltestelle in Klardorf umsetzbar wäre. Der gewünschte Stopp würde dann gut 6,5Kilometer nach dem Schwandorfer Bahnhof liegen.

Tatsächlich nennt die Beschlussvorlage noch weitere Vorteile. So würden die Einwohner eine „deutliche Verbesserung des Mobilitätsangebots erfahren“, immerhin wäre der Zug innerhalb von fünf Minuten in Schwandorf und bräuchte nur 25 Minuten bis nach Regensburg.

Bisher haben die Klardorfer, wenn sie auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ausweichen wollen, nur eine „deutlich langsamere Busverbindung“. Mit der dauert es laut Beschlussvorlage „16 bis 30Minuten“, um nach Schwandorf zu gelangen – nach Regensburg ist es sogar eine Stunde. Das stelle „keine praktikable Alternative“ zum Auto dar.

Zudem weist die Stadt auf den Steinberger See hin, der in unmittelbarer Nähe liege. Auch für dieses „überregional beliebte Naherholungsgebiet“ wäre so eine bessere Erreichbarkeit mit der Bahn gewährleistet. Insgesamt könnten über 1600 direkte Anwohner und über 5000Menschen in den angrenzenden Gemeinden von einem Haltepunkt profitieren.

Schwandorf will Gespräche mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft führen

Aus Sicht der Stadt müsste der Zwischenhalt lediglich für die Regionalbahnen erreichbar sein. In der Regel ist das die Oberpfalzbahn, die in Richtung Regensburg fährt. Die „wichtigen überregionalen Verbindungen“ – also der „Alex“ von und nach München und der RE40 von Nürnberg nach Regensburg – würden von der gewünschten Station nicht beeinträchtigt, heißt es in der Vorlage.

Nach Angaben der Stadt gibt es bereits einen Regionalreport Ostbayern, den die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) erstellt hat. Darin ist auch der Landkreis Schwandorf aufgeführt – ein Bahnhaltepunkt in Klardorf ist bislang allerdings nicht vorgesehen.

Um das zu ändern, müssen die Stadt und der Landkreis zunächst eine Willensbekundung gegenüber der BEG abgeben. Darin versichern beide, dass sie weiter bereit sind, mitzuwirken und die nötigen Maßnahmen zu leisten. Dabei würde es im Fall der Fälle aber kaum bleiben. Die Beschlussvorlage im Stadtrat listet zahlreiche Maßnahmen auf, die für den Landkreis dann relevant wären: So müssten die Busse gegebenenfalls auf das Angebot angepasst werden, um Parallelfahrten zu vermeiden.

Die Kommune müsste zusätzlich die nötige Infrastruktur schaffen. Dabei geht es etwa um eine Einbindung in die Straßen und Wege, um Bushaltestellen, P+R-Parkplätze und Fahrradstellplätze. Zudem müsste die Bahn zwei Überholgleise mit einer Länge von 740 Metern bauen.

Nun sollte der Stadtrat den OB ermächtigen, Gespräche mit der BEG und dem Landkreis Schwandorf zu führen – mit dem Ziel, einen möglichen Bahnhaltepunkt einzurichten. Die Ergebnisse solle er dem Stadtrat vorstellen. Bei den Fraktionen war das unstrittig − die Entscheidung fiel einstimmig.

„Darüber freuen sich nicht nur die Klardorfer, sondern auch wir“, sagte SPD-Stadtrat Andreas Weinmann. Schon 2018 hatte dieser mit einigen Mitstreitern eine Initiative gestartet − auch miteiner Unterschriftenaktion. Damit sollte dem ÖPNV in Klardorf auf die Sprünge geholfen werden.

SPD will auch die City-Busse rund um Klardorf überprüfen lassen

Der ÖPNV sei ein hochaktuelles Thema, sagte Weinmann. Er regte zudem an, unabhängig von den Verhandlungen mit der Bahn auch die City-Bus-Linien rund um Klardorf zu überprüfen, um diese zu verbessern. Diese Anregung nahm OB Feller auf. Auch Hans Sieß (CSU) stimmte zu. Als Klardorfer halte er das für „nicht schlecht“. Dennoch sah Sieß gewisse Probleme, weil das Bahnhofsgebäude inzwischen verkauft sei.

„Wir begrüßen diese Planung und dieses Gespräch, die Bahnhaltestelle in Klardorf wieder zu reaktivieren“, sagte auch Alfred Damm, Fraktionsvorsitzender von ÖDP und Grünen. Einen zweiten Bahnhaltepunkt zu haben, wäre auch mit Blick auf die Park-and-Ride-Anlage in Schwandorf attraktiv. Es würde ihn freuen, wenn das gelinge.